Österreichische Getreideernte wird heuer um 22% niedriger ausfallen

Griesmayr: Trockenheit schmälerte Erträge - Sehr gute Weizenqualitäten.

Wien, 9. August 2017 (aiz.info). - "Die heimische Getreideernte wird in diesem Jahr gegenu?ber 2016 um rund 22% niedriger ausfallen. Die Gesamtproduktion (ohne Mais) wird auf rund 2,8 Mio. t geschätzt und liegt somit rund 800.000 t unter der vorjährigen Rekordmenge und um etwa 10% unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Inklusive Mais gehen wir derzeit von einer prognostizierten Gesamterzeugung von 4,7 Mio. t aus. Dieser Wert beeinflusst die österreichische Getreidebilanz negativ. Bei einem wachsenden Inlandsverbrauch steigert sich der Import-Nettobedarf von 300.000 t Getreide auf zirka 1,4 Mio. t, vorausgesetzt die heurige Maisernte entspricht den derzeit ohnehin schon mäßigen Erwartungen", informierte heute Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA), vor Journalisten beim traditionellen Erntegespräch. Der Hauptgrund für die geringere Ernte waren die fehlenden Niederschläge, aber auch die kleinere Anbaufläche wirkte sich aus. Die Qualität der Ernte wird - insbesondere bei Weizen - sehr gut bewertet.

Getreidefläche auf Rekordtief

Die österreichische Getreideanbaufläche umfasste heuer 556.638 ha und schrumpfte somit gegenüber dem Vorjahr um knapp 4% auf ein Rekordtief. Der Anbau von Weichweizen nahm wegen widriger Anbaubedingungen im Herbst deutlich ab (um 15.831 ha), dies führte zur kleinsten Fläche seit dem Jahr 2003. Hartweizen konnte die Flächenausweitungen des Vorjahres mit kleinen Verlusten halten (-337 ha), während Dinkel einen Großteil seiner vorjährigen Zuwächse aufgrund des Preiseinbruchs bei Biodinkel verlor (-3.916 ha). Wintergerste wurde gegenüber dem Vorjahr deutlich weniger kultiviert (-3.104 ha), Sommergerste legte leicht zu (+1.602 ha) und stoppte damit den langjährigen Abwärtstrend. Die Roggenfläche fiel abermals deutlich geringer aus (-2.930 ha). Der Körnermaisanbau nahm aufgrund der steigenden Inlandsverarbeitung kräftig zu (+13.678 ha), womit der mehrjährige Abwärtstrend umgekehrt werden konnte.

Sojafläche auf Rekordniveau - Ölkürbisanbau halbiert

Ölsaaten wurden von den Landwirten als wirtschaftlich interessante Alternative zum Getreide im heurigen Jahr vermehrt angebaut. Die Sojabohne erreicht mit 14.648 ha die höchste absolute Zunahme aller Feldfrüchte und landet auf einem Rekordwert von 64.467 ha. Sonnenblumen überzeugten im Vorjahr durch Ertrag und Preis. Mit der Flächenzunahme um 3.820 ha wurde der seit 2013 herrschende rückläufige Trend gestoppt. Aufgrund der umfangreichen Produktion im Vorjahr fiel der Erzeugerpreis für Kürbiskerne. Die Anbaufläche von Ölkürbis wurde in diesem Jahr nahezu halbiert und liegt etwa auf dem Niveau von 2014.

Großes Niederschlagsdefizit wirkte sich auf Erträge aus

"Die entscheidenden Gründe für das mäßige Gesamtergebnis der heurigen Getreideernte waren eine geringe Anzahl an ährentragenden Halmen, wenige Körner pro Ähre und das große Niederschlagsdefizit von über 60% gegenüber dem langjährigen Mittel -insbesondere in der letzten Phase der Kornfüllung", erklärt der Vorsitzende des AMA-Verwaltungsrates Franz Stefan Hautzinger. Das wirkte sich auch negativ auf die Korngrößensiebung der Braugerste aus. Gleichzeitig wurden heuer große Ertragsunterschiede in den einzelnen Bundesländern beobachtet.

Weichweizenernte um 25% unter dem Vorjahresniveau

Die Erntemenge von Weichweizen - der Kultur mit dem höchsten Flächenanteil in Österreich - wird heuer rund 1,4 Mio. t betragen und somit um 25% unter dem Vorjahresergebnis liegen. Es zeichnen sich jedoch hier gute Qualitätsmerkmale - überdurchschnittlich hohe Proteingehalte und hohe Fallzahlen - ab. Erste Untersuchungsergebnisse der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung in Wien weisen bis dato sehr gute Knet- und Backeigenschaften auf. "Bundesweit wird die Qualitätsverteilung derzeit auf rund 70% Premium- und Qualitätsweizen sowie 25% Mahlweizen geschätzt, damit liegen wir deutlich über dem Vorjahresergebnis. Daher bleiben die Chancen für die Vermarktung an die inländische Mühlenindustrie und den Export, vor allem nach Italien, vielversprechend", so Hautzinger.

Bei Hartweizen werden heuer niedrige Erträge verzeichnet. Die Qualitätseigenschaften für die Teigwaren-Herstellung profitierten von den trockenen Abreifebedingungen und sind insgesamt hervorragend (Anteil der glasigen Körner, Proteingehalt).

Raps konnte Trockenheit besser kompensieren

Winter- und Sommergerste fallen zum ertragsstarken Vorjahr nur leicht ab. Die rasche Entwicklung ermöglichte es der Wintergerste, die Trockenheit besser zu überstehen als Weizen. Die Braugerste hat mengenmäßig bei gestiegener Anbaufläche abgenommen, in besonders trockenen Lagen kam es zu Qualitätseinbußen. Roggen, das zweitwichtigste heimische Brotgetreide, liefert auf der bisher geernteten Fläche unterdurchschnittliche Erträge, weist jedoch gute Knet- und Backeigenschaften der daraus gewonnenen Mehle auf. Die Ernte im Waldviertel steht kurz vor dem Abschluss. Raps konnte überraschenderweise - ähnlich wie Wintergerste - die Trockenheit besser kompensieren als Weizen. Der Spätfrost inklusive drückender Schneemengen Ende April verursachte lokale Schäden in den Kulturen.

Bioanteil der Anbauflächen liegt bereits bei 14%

In den vergangenen Jahren wurden die Bioanbauflächen im Inland nahezu verdoppelt und stellen mit einem Anteil von 14% der Gesamtanbaufläche ein bedeutendes Marktsegment dar. Bioweichweizen legte flächenmäßig gegenüber dem Vorjahr kräftig um 4.307 ha zu und ist auch auf den biologisch bewirtschafteten Flächen weiterhin das am häufigsten angebaute Getreide. Wie im konventionellen Sektor lag der Ertrag bei dieser Kultur heuer mangels Niederschlägen unter den Vorjahreswerten. Die Proteingehalte konnten aber zulegen.

Die Ausweitung des Biodinkelanbaus im Vorjahr wurde von den Landwirten heuer großteils zurückgenommen (-2.516 ha). Maßgeblich dafür war der von der hohen Produktionsmenge gedrückte Erzeugerpreis (-36%). Die Durchschnittserträge sind heuer geringer als im Vorjahr. Biokörnermais erfuhr mit einer Flächenausdehnung von 4.745 ha die größte absolute Zunahme unter den Biokulturen. Attraktive Erzeugerpreise sind ein Grund dafür. Biosojabohne verzeichnete eine Zunahme um 3.195 ha gegenüber dem Vorjahr.

Herbsternte: Geringere Erntemenge zeichnet sich ab

Die im Herbst zu erntenden Kulturen Mais, Sonnenblume, Sojabohne sowie Zuckerrübe wurden bisher von der Trockenheit und Hitze regional unterschiedlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Bestandeshöhen und die Kolben- sowie Hülsenansätze von Mais und Soja sind je nach Bodenbonität und Niederschlag sehr unterschiedlich und lassen eine deutlich geringere Erntemenge als im Vorjahr erwarten. "Die Niederschlagsmengen wie auch Temperaturen der nächsten Wochen werden darüber entscheiden, ob die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern belohnt wird", so Hautzinger. Insgesamt müsse man heuer bei den Getreide-Deckungsbeiträgen von einem Nullsummenspiel sprechen.

Erste Getreidenotierungen leicht über dem Vorjahresniveau

Die ersten Notierungen für Premiumweizen der Ernte 2017 an der landwirtschaftlichen Produktenbörse in Wien liegen bei 190 bis 202 Euro/t, während Qualitätsweizen mit 180 bis 185 Euro/t und Futtergerste mit 127 bis 130 Euro/t notiert werden. Diese Werte liegen um 17 bis 25 Euro/t über dem Preisniveau des Vorjahres. Körnermais aus der alten Ernte notierte an der Welser Fruchtbörse zuletzt mit 160 bis 165 Euro/t über dem Niveau (+20 Euro/t) in der letzten Maisernte. Die Grundlage für die weitere Preisbildung geschieht auf den Weltmärkten. Ausschlaggebend für den europäischen Getreidemarkt ist die Leitbörse Euronext in Paris. Zusätzlich wird das Ergebnis der bevorstehenden Maisernte die weitere Entwicklung der Getreidepreise beeinflussen.

Getreideversorgungsbilanz - Importbedarf steigt

"Wir werden mit der heurigen Getreideernte alle Sektoren bedienen können", stellte Hautzinger fest. Der Inlandsbedarf beträgt knapp 6 Mio. t, davon gehen 51% in den Futterbereich, 12% an die Mühlen, 23% werden für die Stärke und als Braugerste verwendet, 11% sind für die Ethanolerzeugung vorgesehen und 3% für Saatgut.

Österreich hat traditionell hohe Außenhandelsvolumen im Import und im Export von Getreide. Vor allem bei Mais besteht ein hoher Importbedarf, um den konstant wachsenden Verarbeitungssektor entsprechend versorgen zu können. Im laufenden Wirtschaftsjahr 2017/2018 werden die Exporte auf 1,4 Mio. t geschätzt, die Einfuhren dürften deutlich auf 2,8 Mio. t ansteigen. Die Ausfuhren erreichten in den letzten Jahren 1,1 bis 1,7 Mio. t, die Importe je nach inländischer Erntemenge zwischen 2 und 2,3 Mio. t. Vor allem die Lieferungen von hochwertigem Qualitätsweizen nach Italien mit einer erhöhten Wertschöpfung bilden die Basis für einen wertmäßig positiven Außenhandelssaldo in diesem Bereich.