Österreichische Saatgutwirtschaft ist in der "Erfolgsspur"

Heimische Züchtungen sichern Vielfalt - Züchtungsfortschritt muss abgegolten werden.

Linz, 12. Dezember 2016 (aiz.info). - Bei den internationalen Konzentrationsprozessen in der Saatgut- und Pflanzenschutzindustrie der jüngeren Vergangenheit (z.B.: Bayer CropScience und Monsanto oder DuPont und Dow Chemicals) ist es umso erfreulicher, dass sich in diesem Konzert der "Global Player" österreichische Pflanzenzüchter behaupten können und in den letzten Jahren sogar recht erfolgreich agierten, wie etwa die Saatbau Linz. Die ökonomische Bedeutung der Saatgutwirtschaft ist nicht zu unterschätzen: So hat sich die heimische Vermehrungsfläche im vergangenen Jahrzehnt um 34% auf knapp 38.000 ha gesteigert. Für die oberösterreichischen Landwirte ist die Saatgutproduktion damit ein wichtiges Einkommensstandbein, denn es werden höhere Erträge und bessere Erlöse als mit anderen Marktfrüchten erzielt. Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei Saatmais. Seine Anbaufläche in Oberösterreich beträgt mehr als 2.000 ha, auf denen Saatgut für rund 250.000 ha erzeugt wird - dreimal soviel wie im Bundesland benötigt. Die erfolgreiche Saatmaisproduktion ist eng mit den Züchtungserfolgen der Saatbau Linz verknüpft. "Das Unternehmen zeigt, dass man auch bei einer globalen Kultur wie Mais als regionaler Züchter Erfolg haben kann", betont Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker.

Österreichisches Saatgut bedeutet Vielfalt

Insgesamt werden in Österreich 51 Kulturarten vermehrt. Die Palette reicht von A (Ausläuferrotschwingel) bis Z (Zuckerrübe). "Gerade für die Erhaltung einer geregelten Saatgutwirtschaft für kleinere, nicht so flächenrelevante Kulturen ist eine regional verankerte Saatgutwirtschaft enorm wichtig. Man soll sich nicht der Illusion hingeben, dass global agierende Konzerne sich um Feldfutterpflanzen wie Klee, diverse Gräserarten oder Nischenprodukte wie Ölkürbis annehmen werden. Für die heimische Landwirtschaft sind diese Kulturen aber essenziell und Saatgut ist letztlich die Basis der Pflanzenproduktion", erläutert Reisecker.

Die Branche befindet sich aber nicht nur aufgrund der spektakulären Firmenzusammenlegungen im Umbruch. In der Biotechnologie gibt es einige bahnbrechende Entwicklungen, die auch vor der Pflanzenzüchtung nicht Halt machen: So werden Verfahren entwickelt, die punktgenaue Mutationen erlauben. Die Methodik ist nicht unumstritten, es wird bereits heftig diskutiert, ob es sich dabei um Gentechnik handelt oder nicht. Reisecker ist überzeugt, "dass diese Technologien auf längere Sicht wohl nicht aufzuhalten sein wird" und plädiert daher "für eine sachliche, wissenschaftsbasierte Diskussion".

Saatbau Linz: Züchtung rund um die Uhr, rund um die Welt

Die Saatbau Linz - ein traditionsreiches oberösterreichisches Unternehmen mit dem Schwerpunkt Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion - hat in den letzten Jahren auch den Weg der Internationalisierung beschritten und ist mittlerweile in vorwiegend östlichen Nachbarländern mit zehn Vertriebsniederlassungen tätig. Darüber hinaus betreibt sie an insgesamt neun Standorten weltweit Züchtungsaktivitäten. "Der Konzern-Umsatz liegt aktuell bei etwa 160 Mio. Euro. Die Kosten für Forschung und Entwicklung belaufen sich auf rund 5% des Umsatzes", erläutert der Geschäftsführer der Saatbau Linz eGen, Josef Fraundorfer, die zuletzt sehr dynamische Entwicklung des Unternehmens.

Die Zyklen in der Pflanzenzüchtung sind langwierig. Von der Kreuzung im Zuchtgarten bis zur fertigen Sorte vergehen je nach Kulturart zehn bis 15 Jahre. Eine Möglichkeit diese Zeit abzukürzen liegt darin, zwei Generationen pro Jahr - eine auf der Nordhalbkugel und eine auf der Südhalbkugel - zu "absolvieren", was die Saatbau Linz bei Mais sehr konsequent durchführt. "Das hoffnungsvollste und wichtigste Zuchtmaterial unserer Maiszüchtung wird nach der Ernte bei uns nach Südamerika verfrachtet und dort wieder angebaut sowie weiterbearbeitet. Solche Aktivitäten sind nicht billig. Die Saatbau rechnet mit Züchtungsaufwendungen je nach Kulturart von etwa 500.000 bis 1 Mio. Euro für eine fertige, eingetragene und dem Landwirt zur Verfügung stehende Sorte. Diese Kosten können nur über den erfolgreichen Saatgutverkauf eingespielt werden", erläutert Fraundorfer.

Die Saatbau Linz sieht sich als Komplettanbieter und bietet den Bauern rund 80 Kulturarten von Ackerbohne bis Zuckerrübe an. "Wir arbeiten mit allen Getreidearten: Mais, Raps, Sojabohne, Ölkürbis, Eiweißpflanzen, Klee und Feldfutter bis zu Begrünungskulturen und Gemüsesaatgut. Zudem betreiben wir Züchtung und die Entwicklung von Sorten für den Biolandbau, hier sind wir Vorreiter im europäischen Umfeld", so der Geschäftsführer. Doch nicht alle züchterischen Arbeiten werden selbst durchgeführt, die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern ist eng, denn für einen kleinen Heimmarkt, wie es Österreich ist, der bei manchen Kulturen nur einige Tausend Hektar beträgt, kann keine eigenständige Züchtung betrieben werden.

Erfolge bei Mais und Soja

Zwei wichtige Kulturen der Saatbau Linz sind Mais und Soja: Die Maiszüchtung in Schönering liefert kontinuierlich neue Sorten, was auf einer konsequenten Züchtungsarbeit und der permanenten Weiterentwicklung des Umfangs beruht. Dazu wurde in eine Saatmaisaufbereitung in Geinberg investiert, um auch technologisch beste Qualität zu liefern. Schon sehr früh hat sich das Linzer Unternehmen auch mit Soja beschäftigt. Die Entwicklung des europäischen Sojaanbaues ist eng mit der Produktion von GVO-freien Sorten aus Österreich verbunden. Heute verfügt die Saatbau Linz über ein eigenes gentechnikfreies Sojazüchtungsprogramm und es sind auch schon erste eigene Sorten eingetragen. Das ermöglicht es dem Unternehmen seine Eigenständigkeit zu erhalten und langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Eigene Sorten sind die Voraussetzung für die österreichische Saatgutproduktion und den Export in den europäischen Markt, wohin rund zwei Drittel der hier erzeugten Mengen gelangen.

Für die heimische Landwirtschaft entstehen dadurch Produktions- und Wertschöpfungsmöglichkeiten. Darüber hinaus hängen viele Erzeugnisse der heimischen Lebensmittelindustrie an speziell entwickelten Sorten oder auch an einer lokalen GVO-freien Saatgutproduktion (wie etwa das Projekt "Donausoja" zeigt).

Züchtungsfortschritt muss abgegolten werden

Beim Saatgutverkauf der eigenen Sorten lukriert das Unternehmen die Züchterlizenz - Einnahmen, die wiederum in die Forschung fließen -, während bei der Verwendung von Nachbausaatgut keine Lizenzen für den Züchter anfallen. Hier schließt sich auch der Kreis zu den Globalisierungstendenzen der Saatgutwirtschaft. Die global agierenden Konzerne beschäftigen sich primär mit Hybridkulturen, die einen jährlichen Kauf des Saatgutes bedingen oder auch mit GV-Sorten, bei denen der Landwirt über privatrechtliche Verträge gebunden wird. "Bei der Verwendung von Nachbausaatgut brauchen wir mit der Landwirtschaft ein Fairnessabkommen, in dem der Nutzer der Sorte auch seinen Teil an der Züchtungsforschung finanziert. Die Zeit läuft, denn viele kleine Zuchtprogramme sind inzwischen verschwunden", betont Fraundorfer abschließend.