Wein: Was wirkt gegen Oidium?

Winzer haben bei den Produkten für die Bekämpfung von Oidium die Qual der Wahl. Neben verschiedenen bewährten Produkten sind 2013 drei Neuheiten auf den Markt gekommen.

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Pflanzenschutzprodukte wie Dynali, Vegas und Luna Experience helfen den Weingarten mehltaufrei zu halten. © RWA

Für die Winzer war 2012 ein durchwachsenes Jahr. Einerseits kam es zu starken Schädigungen durch Frost und Hagel. In einigen Regionen traten verstärkt Schadinsekten (Zigarrenwickler, Gemeiner Ohrwurm oder Kirschessigfliegen) auf. Andererseits stellte die Bekämpfung von Rebkrankheiten nicht das große Problem dar. Man spricht im Durchschnitt von 1–1,5 Behandlungen weniger als 2011.

 

Aufgrund der trockenen Witterung, vor allem in Ostösterreich, hatte man das Augenmerk auf Oidium gerichtet. Dabei hat es 2 kritische Phasen gegeben:

  • Anfang Juni stiegen die Temperaturen sprunghaft auf die 30-Grad-Marke oder darüber. Diese Temperaturen waren für eine Ausbreitung der Infektionen nicht vorteilhaft und stellte daher kein Problem dar.
  • Anders hat sich die zweite Infektionsphase Ende Juli/Anfang August gezeigt. Diese wurde von einigen Winzern übersehen, und es kam zum Befall. Der Pilz überwintert als Mycel in den Knospen (auch als Dauerorgan in der Rinde im mehrjährigen Holz möglich) und kann ab Austrieb junge Knospen und Triebe infizieren.
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Längere Trockenperioden begünstigen, feucht-kühle Perioden hemmen die Pilzentwicklung. © RWA

Effiziente Bekämpfungsstrategien

Entscheidend ist, wie stark der Oidiumdruck im Vorjahr war. Die Austriebsbehandlung mit Netzschwefelpräparaten sollte – auch in Hinblick auf die Kräuselmilbe – unabhängig vom Vorjahresbefall durchgeführt werden. Bei geringem Risiko wird es reichen, dass man vom 6- bis 9-Blattstadium mit den Behandlungen beginnt. Bei größerer Gefahr ist es ab dem 3-Blattstadium sinnvoll. Die weiteren Behandlungen sind von der Anfälligkeit der Rebe, dem Witterungsverlauf und der Wirkungsdauer der verwendeten Mittel abhängig.

 

Die wichtigste Phase ist, wenn sich die Gescheine beginnen zu spreizen – bis zur Schrotkorngröße der Beeren. Hier sind die engsten Spritzabstände mit den potentesten Präparaten zu wählen, vor allem bei warmer, trockener Witterung. Wenn wir von Wirkungsdauer reden, gehen wir bei den einzelnen Produkten von 10 - 12 Tagen aus. Bei starkem Infektionsdruck reduziert sie sich auf 8 - 10 Tage, bei schwachem Druck verlängert sie sich auf 12 - 14 Tage. Im Gegensatz zu anderen Kulturen hat der Winzer bei der Produktentscheidung die Qual der Wahl.

 

Stehen bis dato mit Collis (preisgünstig im Vinum Fit-Pack), Flint Max, Karathane Gold, Legend Power, Prosper, Talendo und Vivando bereits sehr gut wirksame Produkte zur Verfügung, wird das Portfolio heuer noch bereichert. Bereichert um Wirkstoffe, die im Weinbau noch nicht zum Einsatz kamen.

Dynali: Vorbeugend und kurativ

Difenoconazol (systemisch) und Cyflufenamid (translaminar) ergeben Dynali, das mit 0,35 l/ha vor und mit 0,65 l/ha nach der Blüte eingesetzt wird (Zulassung auch gegen Roten Brenner und Schwarzfäule). Cyflufenamid bildet ein Depot in der Wachsschichte und wird von dort stetig an die Blattunterseite transportiert. Eine aktive Gasphase unterstützt die Leistung bei schwer zu benetzenden Pflanzenteilen. Die Wirkung ist vorbeugend und kurativ.

Vegas: Bereits erfolgreich im Getreidebau

Den „Gasphasen-Wirkstoff“ intus hat auch das Produkt Vegas. Der Einsatz erfolgt mit 0,5 l/ha und auch hier kann man von einer sehr guten vorbeugenden, aber auch kurativen Wirkung sprechen. Vegas ist schon einige Jahre als Mehltaupräparat im Getreidebau im Einsatz – und es wirkt!

Einziger Nachteil, den die Vertreiberfirma aber erst für 2014 in den Griff bekommen wird, ist der hohe Preis – die Kosten pro Hektar sind derzeit zweieinhalb Mal höher als bei Legend Power.

Luna Experience: Wirkt auch gegen Botrytis

Der dritte neue Wirkstoff im Bunde ist Fluopyram, der in Kombination mit Tebuconazol Luna Experience ergibt. Luna Experience wird mit 0,375 l/ha eingesetzt (Zulassung auch gegen Schwarzfäule), die optimalen Applikationstermine sind die abgehende Blüte und kurz vor Traubenschluss, da Fluopyram eine gute Zusatzwirkung gegen Botrytis besitzt.

Fluopyram bildet ebenfalls ein Depot auf der Blattoberfläche, von wo er permanent in das Blattgewebe penetriert und im aufsteigenden Saftstrom, aber auch translaminar an die Blattunterseite transportiert wird. Auch ein Blattneuzuwachs ist dann eine Zeit lang geschützt.

 

Allen 3 Produkten wird laut Versuchen eine gute Kurativleistung bescheinigt.

Wichtig: Kurativ darf nicht mit heilend verwechselt werden. Kurativleistung heißt: Wirkung, solange noch kein Befall sichtbar ist. „G'sund in den August“ gilt nicht nur für die Winzerfamilie, sondern muss auch das Motto für die Rebanlage sein. Die neuen Produkte für 2013 sind auf alle Fälle eine Bereicherung für das Sortiment.

Produkte und Informationen erhalten Sie in Ihrem Lagerhaus Weinbaucenter und Shop. Erkundigen Sie sich bei den Fachberatern über die verschiedene Produkte für den Weingarten.

Registernummern der genannten Produkte:

Collis Reg.Nr.Ö 900348 Zul.Nr.D 02 5203-00
Dynali Reg.Nr.Ö 3256
Flint Max Reg.Nr.Ö 2980
Karathane Gold Reg.Nr.Ö 2981
Legend Power Reg.Nr.Ö 3228
Luna Experience Reg.Nr.Ö 3250
Prosper Reg.Nr.Ö 2644
Talendo Reg.Nr.Ö 2889
Vegas Reg.Nr.Ö 3157
Autor:
Ing. Kurt Graf, RWA