Oö. Lagerhausfunktionäre wollen Herausforderung offensiv annehmen

Hubauer: Rechtzeitig gegensteuern statt zuwarten.

Linz, 16. Februar 2015 (aiz.info). - Beim mittlerweile sechsten Impulstag für oberösterreichische Lagerhausfunktionäre, der vergangene Woche vom Raiffeisenverband Oberösterreich und der Raiffeisen Ware Austria (RWA) in den Räumlichkeiten der RLB in Linz veranstaltet wurde, zeigten mehrere Referenten die neuen Herausforderung für die Branche auf und erörterten mögliche Lösungen und Strategien.

Ludwig Hubauer, Oberösterreichs Lagerhaussprecher und stellvertretender RWA-Aufsichtsratsvorsitzender, konnte mehr als einhundert Funktionäre, darunter mehr Bäuerinnen als bisher, zu dieser Tagung begrüßen. Er skizzierte auch den zentralen Arbeitsauftrag für alle Lagerhausgenossenschaften: "Wir wollen rechtzeitig gegensteuern und nicht warten."

Die Geschäftsentwicklung der Lagerhäuser war im vergangenen Jahr im Gegensatz zu Raiffeisenbanken und Molkereigenossenschaften etwas rückläufig, wie Direktor Rudolf Binder berichtete, sie müsse im neuen Jahr mit zusätzlichen Anstrengungen wieder gestärkt werden, betonte er.

Globaler Pflanzenschutzmittelmarkt hat sich verändert

Aus den RWA-Geschäftsfeldern referierten Betriebsmittel-Bereichsleiter Christoph Metzker und Organisations-Bereichsleiter Roland Hübel über laufende und neu geplante Entwicklungen. Metzker - er hat den Absatz von Biogetreide auf tragfähige Beine gestellt - berichtete auch über das kostenbedingt sinkende Interesse der wenigen großen Pflanzenschutzmittel-Hersteller am EU-Markt. Von global rund 41 Mrd. USD Umsatz in diesem Bereich entfallen derzeit nur mehr 9 Mrd. USD auf Europa, das bis 2008 der größte Verbraucher war (davon entfielen 1,9 Mrd. USD auf Deutschland und nur 0,12 Mrd. USD auf Österreich). Während die globale Pflanzenschutzmittel-Forschung verdoppelt wurde, haben es neue Projekte in Europa eher schwer.

Asien und Amerika haben Europa im Pflanzenschutzbereich den Rang abgelaufen. Parallel dazu wird der Düngemittelverbrauch bereits zur Hälfte von China und Indien dominiert. Der weltweit steigende Düngerbedarf lässt auch keine Verbilligung erwarten und der gesunkene Ölpreis als Kostenkomponente wird durch den Dollar-Euro-Wechselkurs weitgehend egalisiert, wie der Experte darlegte.

RWA forciert maßgeschneiderte Düngung

Exakte pflanzengerechte Düngung ist der RWA ein vordringliches Umwelt- und Kostenanliegen. Dafür setzt sie modernste Technik ein: Eine Flug-Drohne zur sensorischen Messung in Pflanzenbeständen und einen mobilen Bodenprobenzieher, der exakte und nachvollziehbare Nährstoffkarten ermöglicht. In 39 Lagerhaus-Düngermischanlagen kann auch die flächenspezifisch präzise Zusammensetzung der Düngergaben für jeden Bauern produziert werden. Auf Mikronährstoffe wird ebenfalls verstärkt geachtet. Intensiv arbeitet die RWA laut Bereichsleiter Hübel im Rahmen des Projekts "Astra" auch an einer neuen Software für die Warenbewirtschaftung, welche die Arbeitsteilung von Lagerhaus und RWA optimieren soll. Erfahrungen aus Deutschland werden dabei genutzt.

RWA-Vorstandsdirektor Stefan Mayerhofer setzt sich ebenfalls dafür ein und sieht dies als Teil der notwendigen Digitalisierung im Warenangebot. So können beispielsweise 20.000 Artikel auch in kleinen Filialen dargestellt werden. Das Interesse ist groß, denn auch 40% der Landwirte bestellen fallweise bereits im Internet.

Das RWA-Ostgeschäft läuft nicht üppig, aber positiv: In den sieben Partnerländern konnten 200 Mio. Euro Umsatz erzielt werden. Man will in den mittel- und osteuropäischen Ländern auch sehr kostenbewusst wachsen. Die Warenbezahlung ist durch Versicherungen, Ernte oder Vorauskassa gewährleistet.