Preiskurve auf Getreidemärkten kennt zurzeit nur Richtung nach unten

Schlechte Stimmung trotz Aufholjagd der EU beim Weizenexport.

Wien, 5. Februar 2016 (aiz.info). - Auch in Österreich gibt es für die Kassamarktpreise von Weizen mittlerweile keinen Halt mehr. Diese Woche rutschte an der Wiener Produktenbörse die Oberkante des Preisbandes von Premiumweizen unter 200 Euro/t und nähert sich die Unterkante dessen von Mahlweizen schön langsam den 150 Euro/t. Es geht ob der damit verbundenen Verunsicherung auch momentan wenig Geschäft hierzulande. Überhaupt wenden sich die Blicke schon mehr der neuen Ernte 2016 zu. Denn nur dramatische negative Ertragsaussichten könnten zurzeit einen Sinneswandel auf den Märkten herbeiführen. Dies trifft vor allem auch auf den Maismarkt zu, wo die geringe Marktleistung aus alter Ernte schon weit durchgehandelt sein soll. Und obwohl Futtergetreide auf stabilem Niveau sehr billig ist, werde weiterhin heftig Mais importiert.

Der österreichische Markt vollzieht - zumindest gebremst und nicht ganz so dramatisch - lediglich nach, was sich auf den internationalen Märkten abspielt. Zu drückend wirken die globalen fundamentalen Faktoren von Überversorgung und der sich in großen Nettoüberhängen an Short-Positionen ausdrückende Pessimismus der Investmentfonds an den Terminbörsen. Die Pariser Euronext verzeichnete ein Kontrakttief nach dem anderen für den europäischen Mahlweizenfutures. Der März-Kontrakt fiel im Wochenverlauf unter die psychologisch wichtige Grenze von 160 Euro/t und hielt sich auch am Freitag weiter im roten Bereich bei nur mehr gut 157 Euro/t.

Schlechte Stimmung trotz Aufholjagd der EU beim Weizenexport

Dabei erzielte die EU in der Woche bis zum Mittwoch mit Lizenzvergaben für 786.000 t Weizenausfuhren neuerlich beachtliche Exporterfolge und holt immer weiter zur Rekordlinie aus 2014/15 auf - zum Vergleich: Der Weizenexport der USA stürzte in der jüngsten Geschäftswoche gegenüber der davor um 78% auf 66.200 t ab.

Weiters soll Algerien den Löwenanteil eines Weizenimporttenders über 840.000 t zur Lieferung bis Mai aus Frankreich und Großbritannien aufgefüllt haben. Der kolportierte Preis von 178 USD (158,84 Euro)/t c&f (cost and freight) liegt sogar noch unter dem aktuellen französischen Marktniveau. Leer blieb dagegen diese Woche ein Weizentender Ägyptens. Niemand bot an, nachdem Kairo zuvor über Nacht die Toleranzgrenze für Mutterkornbesatz von 0,05% auf null gesenkt und aufgrund dieser Bestimmung eine Schiffsladung französischen Weizens gestoßen hatte. Obwohl die Ägyptische Getreidebehörde GASC nach der fehlgeschlagenen Importausschreibung umgehend wieder zurückruderte, drückte diese Aktion das Sentiment der europäischen Exporteure noch weiter. Denn es wird vermutet, Ägypten habe sich mit der Reklamation von Mutterkornbesatz, so Marktinsider, einer der beliebtesten Methoden in der Branche bedient, sich aus ungeliebten Kontrakten herauszuwinden. Der Hintergrund dafür sei vielmehr, dass das Land am Nil angesichts akuter Devisenknappheit sich von der Erfüllung eines Liefervertrags befreien wollte, der vor Weihnachten noch zu höheren Preisen als aktuell abgeschlossen worden war.

Deutschland belädt gerade Schiffe mit Weizen für den Iran sowie nach Äthiopien und in den Sudan. Jedoch bringt dies dem physischen Markt auch keinen frischen Wind, da hier ältere Verträge abgearbeitet werden und etwa der Iran angekündigt hat, im weiteren Saisonverlauf keine frischen Weizen-Ausschreibungen mehr zu eröffnen.

Abwechselnd negativ auf die Terminmärkte in den USA und Europa wirkten in den letzten tagen wechselseitig auch Schwankungen in der Währungsparität zwischen US-Dollar und Euro. Unsicherheit verbreitet nach wie vor auch die Handelspolitik Russlands. Nach einem Zickzack zwischen der Abschaffung beziehungsweise Senkung der Weizenexportsteuer und einem Zudrehen des Exporthahnes herrscht trotz der vorwöchigen Beteuerung, doch alles beim Alten lassen zu wollen, noch Unklarheit. Die Senkung der Steuer soll nämlich noch immer nicht vom Tisch sein. Und sollte diese kommen, wird russischer Weizen noch billiger und aggressiver auf den Weltmarkt drängen.