Probleme mit Aufmischweizen in Deutschland und USA befestigen Getreidekurse

Heimischer Markt steht still - IGC revidiert globale Ernten nach unten.

Wien, 28. Juli 2017 (aiz.info). - Am österreichischen Kassamarkt sei praktisch Stillstand eingetreten, heißt es. Die Kurse an der Euronext verloren in den letzten 14 Tagen rund 7% und sind bis Wochenmitte auf ein Monatstief nach unten gegangen. Heimische Käufer argumentieren, es sei mehr als ausreichend Rohstoffangebot vorhanden. Sie seien daher nicht bereit, hohe beziehungsweise steigende Preisforderungen von Abgebern zu akzeptieren. Zudem drücken Spotangebote aus den Nachbarländern Ungarn, Tschechien und der Slowakei ins Land, denn auch in diesen Ländern wurden gute Weizenqualitäten eingebracht. "Wir sitzen auf sehr guter Qualität, unser Umland aber auch", so ein Händler. Die als einzige am Kursblatt der Wiener Produktenbörse verbliebene Premiumweizennotierung brachte dies am Mittwoch dieser Woche zum Ausdruck: Während sich die Oberkante des Preisbandes gegenüber der Vorwoche mit 205 Euro/t unverändert hielt, gab die Unterkante um 10 Euro auf 190 Euro/t nach.

Die Sorge um die Qualität beim zweitgrößten Weizenproduzenten der EU, Deutschland, sowie positive Vorzeichen von den US-Börsen verhalfen den Weizenkursen an der Euronext seit Donnerstag aber wieder zu einem leichten Aufschwung. Am Freitag startete der September-Weizenkontrakt an der Euronext in Paris bei 169 Euro/t und der Dezember-Liefertermin bei 174,50 Euro/t. Gebremst werden Kursgewinne in Paris jedoch von einem starken Euro, zäh anlaufendem Export und aggressiver Konkurrenz aus der Schwarzmeerregion.

Qualitätsprobleme und Ertragsausfälle bei Aufmischweizen in Deutschland und in den USA

Nun gelte es abzuwarten, welche Qualitäten im nördlichen Europa erzielt werden. Denn in Norddeutschland, wo erst ein kleiner Teil des Weizens eingefahren ist, und im Baltikum hat Starkregen in den letzten Tagen den Beständen schwer zugesetzt. Es wird von großflächiger Lagerbildung, Fallzahlproblemen sowie ausgewaschenem Protein berichtet. Auch Raps enttäusche über weite Strecken.

Da Weizen in Aufmischqualität 2017/18 weltweit knapp sind, schielt die heimische Getreidewirtschaft angesichts der heuer eingefahrenen hohen Proteingehalte gespannt nach Deutschland. Insbesondere Norddeutschland ist ein weiterer wichtiger Produzent von Aufmischweizen, der in Konkurrenz zu österreichischem Premiumweizen steht. Bestätigen sich die Qualitätsängste bei den nördlichen Nachbarn, könnte dies einen Nachfragesog hierzulande auslösen. Produzenten in Deutschland setzen übrigens darauf, dass die Aufgelder für höhere Weizenqualitäten noch steigen und sich die Preise der einzelnen Qualitätsstufen noch stärker als bisher differenzieren.

Die positiven Kurssignale aus den USA gingen von der MGEX (Minneapolis Grain Exchange) aus, wo die hochproteinhaltigen US-Sommerweizen gehandelt werden. Eine Erntebesichtigungs-Tour durch die nördlichen Plains lenkte die Aufmerksamkeit der Märkte wieder auf den schlechten Zustand der Sommerweizen mit Ertragsausfällen bis zu 60% und zog auch die Notierungen der schwächeren Winterweizen an der CBoT in Chicago mit nach oben.

Preisunterschiede am heimischen Kassamarkt zur Euronext erschweren Hedging

In Österreich aber entkoppeln die Preisunterschiede zu den Terminmärkten und tendenziell steigende Preiserwartungen der Angeber den Markt noch zunehmend von der Kursentwicklung an der Euronext. Dies mache es zurzeit unmöglich, dort Preisvorstellungen durch Hedging abzusichern. Auch für Durum habe sich noch kein Markt entwickelt. Doch notierte die Wiener Börse diese Woche eine Einfuhr aus dem EU-Raum CPT Niederösterreich um 229 Euro/t. Bereinigt um die Frachtkosten ergebe das zwar auch einen höheren Produktwert gegenüber der Vorsaison, sei im Vergleich zu den Weichweizen aber "auch nicht berühmt". Beobachter wähnen, dass auch hier ein Anbieter, der mit seiner Ware habe schnell weg müssen, dafür Kompromisse beim Preis eingegangen sei.

IGC revidiert globale Ernten nach unten - Endlager schmelzen nach vier Jahren Zuwachs

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London senkt in seinem Juli-GMR (Grain Market Report) erneut die weltweiten Ernteschätzungen von Mais, Weizen und Gerste für 2017/18 wegen Trockenheit in Nordamerika, der EU und Australien. Die weltweite Getreideproduktion soll um 4% unter dem Rekord von 2016/17 zu liegen kommen. Jedoch nimmt die Welt auch nach oben geschätzte Überlager in das Jahr 2017/18 mit, und revidiert der Rat den Verbrauch eine Spur nach unten. Damit fällt die Endlagerprognose nur um 2 Mio. t geringer als im Vormonat aus, dennoch aber baut die Welt 2017/18 fast 9% von ihrem Rekordlagerbestand auf ein Drei-Jahres-Tief von 478 Mio. t Getreide ab. Dabei schmelzen die Maislager mit einem Minus von 34 Mio. t - vor allem in China und den USA - am stärksten ab, ebenso gehen die Gerstenlager signifikant auf den kleinsten Stand in fünf Jahren zurück. Selbst die Weizenreserven nehmen um 3 Mio. t - aber auf immer noch 32,79% des Verbrauchs - ab, bei den großen Exporteuren sogar auf ein seit vier Jahren nicht gesehenes Tief. Der Report merkt ausdrücklich an, dass am Weizenmarkt Sorge um eine sich verengende Versorgung mit Premiumqualitäten bestehe.

Weizenbilanzen nach Ertragsausfällen in EU, USA, Australien, Ukraine und Kanada enger

Konkret reduzieren die Londoner Experten gegenüber dem Juni-Report die Weizenernten Australiens um 2 Mio. t auf 22,8 Mio. t (2016/17: 35,1 Mio. t; -35%), der USA um 1,9 Mio. t auf 46,7 Mio. t (2016/17: 62,9 Mio. t; -26%), der EU um 1,5 Mio. t auf 139,3 Mio. t (2016/17: 135,1 Mio. t; +3%) Weichweizen, sowie weiters für die Ukraine um 1 Mio. t und Kanada um 0,5 Mio. t. Russlands Weizenertrag wird dagegen nun um 3 Mio. t höher bei 71 Mio. t (2016/17: 72,5 Mio. t; -2%) geschätzt. Die Endlager bauen sich in Australien um 45% und den USA um 23% ab, in der EU gehen sie um 200.000 t auf 10,9 Mio. t und lediglich 9,5% des Verbrauchs zurück. Als Weizenexport-Weltmeister sieht der IGC neuerlich Russland mit 30 Mio. t vor der EU, wo sich die Ausfuhren gegenüber der Vorsaison um 2,8 Mio. t auf 28,4 Mio. t erholen sollen, und den USA (26,5 Mio. t; -2,2 Mio. t). Der Weizenexport der EU lief in dem am 1. Juli begonnenen Wirtschaftsjahr jedoch noch zäh an. Bis 25. Juli meldet die Europäische Kommission Weichweizenausfuhren von 642.000 t, im Vergleichsabschnitt von 2016/17 waren es 2,2 Mio. t. Die USA etwa führten in der jüngsten Berichtswoche 498.000 t Weizen aus.

EU-Weizenexport leidet unter starkem Euro und Schwarzmeer-Konkurrenz

Die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Weizen auf Drittmärkten leidet unter einem starken Euro. Am Donnerstag schloss er bei 1,17 USD. Die Ursachen dafür liegen in den politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen der USA sowie in der Ankündigung von Notenbankchef Mario Draghi, die Europäische Zentralbank EZB könnte im Herbst ihr Programm von Anleihekäufen überdenken. So befüllte Ägypten diese Woche einen Weizentender über 420.000 t ausschließlich mit Ware aus dem Schwarzmeerraum. Russland, die Ukraine und auch Rumänien bieten zurzeit deutlich billiger an als Frankreich, Deutschland oder die Balten. Lediglich bei einer Ausschreibung Algeriens über kolportierte 500.000 t Weizen soll auch Frankreich zum Zug gekommen sein. Agenturberichte nannten dabei Preise zwischen 214 und 216 USD/t (183 bis 184,71 Euro) cif, das heißt inklusive Frachtkosten und Versicherung.

IGC: Weizen-Weltmarktpreis im Juli sehr volatil - Gesamtindex auf Jahreshoch

Zur jüngsten Preisentwicklung auf dem Weltmarkt berichtet der IGC, der Gesamt-Preisindex für Exportpreise von Getreide, Reis und Ölsaaten (GOI) befestigte sich im Juli um 4,7% auf ein Jahreshoch, das sind -0,3% im Jahresabstand. Insbesondere der Subindex von Weizen verhielt sich im abgelaufenen Monat sehr volatil, er legte um 3,5% im Monats- und 19,6% im Jahresvergleich zu. Zuerst verhalfen Wettersorgen Weizen und ebenso dem Mais zu Preissteigerungen, die sich zuletzt aber wieder abschwächten. Die Subindices für Gerste stiegen um 4,6% (+15,6% zum Vorjahr), die von Mais um 1,8% (-14,4% zum Vorjahr) und der von Sojabohnen um 9,2% (-6,4% zum Vorjahr).

Den starken Preisanstieg im Juli verdankten die Sojabohnen der Dürre im Mittelwesten der USA sowie einer Verkaufszurückhaltung der brasilianischen Farmer. Nachdem die Sojabohnenendlager 2016/17 um 40% auf einen Rekord von 43,5 Mio. t angeschwollen waren, soll die Ernte 2017/18 um 2% auf 345 Mio. t abfallen und der Konsum weiter wachsen, sodass die Lager wieder etwas schrumpfen.