Regionale Lebensmittel bieten enorme Chancen für Umwelt, Klima und Arbeitsmarkt

Berlakovich: Appell an Politik, bei Beschaffung der Regionalität den Vorzug zu geben.

Eisenstadt, 5. April 2017 (aiz.info). - "21.000 Jobs - das entspricht etwa den Arbeitslosenzahlen in Tirol - werden geschaffen, wenn 10% mehr heimische Lebensmittel gekauft werden. Alleine im Burgenland wären das 1.000 Arbeitsplätze zusätzlich. Darüberhinaus sind heimische Lebensmittel besser für Umwelt und Klima", erklärte Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, heute bei der Präsentation einer Studie der Johannes Kepler Universität Linz zum Thema "Global denken - lokal handeln: Mehr heimische Lebensmittel aus Österreich" gemeinsam mit dem Bauerbund Burgenland in Eisenstadt. Die Ergebnisse zeigen, dass Produktion und Konsum regionaler Nahrungsmittel enorme Chancen für Umwelt, Klima und den heimischen Arbeitsmarkt darstellen. Neben den Konsumenten ist auch die öffentliche Hand gefordert, daraus umgehend und wirksam Lehren zu ziehen.

Im Zeitraum 2007 bis 2015 haben sich Österreichs Nahrungsmittelimporte um 50% auf mehr als 9 Mrd. Euro erhöht. Würde man diese um 10% reduzieren und durch inländische Produkte ersetzen, würde das österreichische BIP um 1,8 Mrd. Euro (Gesamt-BIP Ö: 340 Mrd. Euro) steigen und 21.187 Arbeitsplätze gesichert beziehungsweise neu geschaffen werden (Gesamt-Arbeitsplätze Ö: 4,15 Mio.). Umgerechnet auf das Burgenland würde das eine Erhöhung des Bruttoregionalproduktes um 88 Mio. Euro (Gesamt-BIP Bgld.: 8 Mrd. Euro) sowie zusätzliche 1.000 Arbeitsplätze bedeuten (Gesamt-Arbeitsplätze Bgld.: 133.000).

Schneider-Appell: Konsumenten können viel bewegen

Studienautor Friedrich Schneider zeigt auch auf, wie schnell das Schlagwort "Global denken - lokal handeln" in den Mund genommen, jedoch nur unzureichend umgesetzt wird. "Im Supermarkt oder in einem Lebensmittelgeschäft greifen viele Käufer aus Gewohnheit zu bestimmten Produkten", weiß der Wissenschafter, "da wird selten auf die Herkunft geachtet. Für die Verbraucher steht am Point-of-Sale in den wenigsten Fällen die Qualität im Vordergrund, sondern meist die Gewohnheit und der Preis." Zudem bezieht er auch den Preisfaktor mit ein: "Heimische Waren sind oftmals nicht so viel teurer als importierte, als dass es vielen nicht möglich wäre, den einen oder anderen Euro mehr auszugeben und dafür auf heimische Produkte mit ihren positiven Merkmalen und Folgen zu setzen."

Berlakovich: Heimischen Lebensmitteln den Vorzug geben

Auch Bauernbund-Landesobmann Nikolaus Berlakovich verweist nachdrücklich darauf, dass der Konsument durch sein Kaufverhalten entscheidet, "in welche Richtung" sich die heimische Landwirtschaft entwickelt. Er nimmt aber ebenso die Politik in die Pflicht und mahnt die Landesregierung, rasch alle Beschaffungspläne an die Novelle zum Bundesbeschaffungsgesetz sowie dem damit implementierten Bestbieterprinzip anzupassen und in den öffentlichen Einrichtungen den regionalen Produkten den Vorzug zu geben, "im Interesse der Umwelt, des Klimaschutzes, des österreichischen Arbeitsmarktes und nicht zuletzt auch der heimischen Landwirtschaft".