Reisecker: Oberösterreich setzt auf nachhaltige Forstwirtschaft

Kleinwaldbesitzer liefern 64% der gesamten Holzernte.

Linz, 27. Oktober 2014 (aiz.info). - "Der Wald ist ein vielseitiger Lebens- und Wirtschaftsraum. Er beheimatet eine große Artenvielfalt, ist Erholungsraum und sichert das Einkommen land- und forstwirtschaftlicher Betriebe. In Oberösterreich bewirtschaften rund 40.000 Waldbesitzer die Hälfte der Landesfläche." Dies stellte heute LK-Präsident Franz Reisecker vor Journalisten fest. Er wies in diesem Zusammenhang auf die Leistungen der bäuerlichen Kleinwaldbesitzer hin, die für die Pflege von rund 50% der Forstfläche verantwortlich sind.

Der Forst- und Holzsektor zählt zu den wesentlichen Stützen des Wirtschaftsstandortes Österreich. Der jährliche Produktionswert der gesamten Wertschöpfungskette beträgt rund EUR 12 Mrd. Im Jahr 2013 wurde wieder ein Exportüberschuss in der Höhe von EUR 3,4 Mrd. erreicht. Schnittholz, Holzfertigprodukte und Papier sind wichtige Exportgüter in diesem Bereich. In Oberösterreich erwirtschaften rund 70.000 Menschen ihr Einkommen direkt oder indirekt in diesem Sektor.

2,7 Mio. Erntefestmeter Holz (efm) wurden in Oberösterreich letztes Jahr genutzt, damit hat man dem Grundsatz der Nachhaltigkeit Rechnung getragen. Rund 1,74 Mio. efm oder 64% lieferten davon die Kleinwaldbesitzer (Betriebe mit einer Fläche unter 200 ha).

High-Tech-Rohstoff der Zukunft

Der Anteil des Holzbaus hat in Oberösterreich innerhalb der vergangenen fünf Jahre um fünf Prozentpunkte zugelegt und liegt jetzt bei 42%. "Ein Fünftel aller Einfamilienhäuser wird in unserem Bundesland in Holzbauweise errichtet. Jeder, der mit diesem natürlichen Rohstoff baut, leistet einen Ökobonus. Holz beziehungsweise der Wald bindet bei seinem Wachstum große Mengen an Kohlendioxid. Unsere Forstbesitzer tragen somit aktiv zum Klimaschutz bei. Ein nicht bewirtschafteter Wald hingegen ist langfristig CO2-neutral, weil Holz verrottet und dabei wieder Kohlenstoff freigesetzt wird", gab Reisecker zu bedenken. Nach dem neuestem Stand der Technik könnte man Gebäude mit bis zu 20 Stockwerken aus Holz errichten, hier sei also noch ein gewaltiges Potenzial vorhanden.

Preiswerter Brennstoff

Rund 36% des oberösterreichischen Holzeinschlages dienen der energetischen Verwertung. "Holz ist im Vergleich mit Heizöl ein sehr preiswerter Brennstoff. Mehr als jeder vierte Haushalt in Oberösterreich heizt bereits wieder mit Holz. Ob mit Einzelöfen, einer automatischen Feuerung mit Pellets beziehungsweise Hackgut oder über den Anschluss an eine Nahwärmeversorgung mit Biomasse - dieser heimische Brennstoff erfreut sich steigender Beliebtheit", erläuterte der LK-Präsident. Durch die regionale Versorgung mit diesem Brennstoff bleibe die Wertschöpfung vor Ort und es könnten Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen gesichert werden.

Wichtiger Beratungsschwerpunkt

Die LK OÖ bietet maßgeschneiderte Beratungen zu den Schwerpunkten Waldbau, Waldwirtschaftsplan, Holzmarkt und Holznutzung an. Seit den beiden vergangenen Wintersaisonen haben die Forstexperten der LK rund 5.700 Beratungsgespräche geführt, um eine nachhaltige und zeitgemäße Bewirtschaftung im Bauernwald sicherzustellen. Darüber hinaus gibt es am Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) eine Vielfalt an Forstkursen. In allen Bezirken werden außerdem Waldbauseminare angeboten.

Günstiger Zeitpunkt für Holzvermarktung

"Die Lage am Markt ist derzeit günstig, der Holzpreis befindet sich auf stabilem Niveau. Es lohnt sich daher für die Landwirte, im kommenden Winter in den Wald zu gehen. Auch schwache Baumsortimente, die in der Durchforstung anfallen und für die Papier-, Zellstoff- und Fasererzeugung sowie zur Energiegewinnung verwendet werden, erzielen positive Deckungsbeiträge", berichtete Franz Kepplinger, Obmann des bäuerlichen Waldbesitzerverbandes OÖ. Regelmäßige Waldbewirtschaftung - dazu zähle auch die Durchforstung als wichtige Pflegemaßnahme - sichere zusätzliches Betriebseinkommen, so der Obmann.

Zu Beginn des vierten Quartals war bei Sägerundholz wiederum ein leichter Preisanstieg zu verzeichnen. Für das Leitsortiment Fichte erzielt man derzeit EUR 96,- bis 98,- pro Festmeter ohne Rinde (FMO). Zum Vergleich: Das Zehn-Jahres-Mittel liegt bei etwa EUR 80,- pro FMO. Am Laubholzmarkt ist die "Trendbaumart" Eiche weiterhin sehr gefragt. Bei Eichenwertholz entsprechender Güte und Dimension (Mittendurchmesser 35 Zentimeter) gibt es gegenüber dem Vorjahr eine leichte Preissteigerung.

Weniger positiv ist die Situation bei Industrieholz: Für Schleifholz werden momentan EUR 42,- pro FMO erlöst - das sind um 19% weniger, als im Vorjahr erzielt wurden. Bei Faserholz (weich und hart) sind die Preise stabil. "Auf Durchforstungen, bei denen verstärkt Industrieholz-Sortimente anfallen, sollte im Sinne einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung dennoch keinesfalls verzichtet werden. Der Zeitpunkt für Eingriffe am Ende der Vegetationszeit ist auch deshalb passend, weil das im Bestand verbliebene Feinmaterial bis zum nächsten Frühjahr abtrocknet und somit das Risiko eines Käferbefalles geringer ist. Auch das produzierte Dünnholz und Astmaterial für die Hackguterzeugung kann in den Wintermonaten abtrocknen", erläuterte Kepplinger

Trend zur vollmechanisierten Holzernte

"Moderne Technologie macht auch vor der Forstwirtschaft nicht Halt. Im Großwald wird ein Drittel der Nutzungsmenge mit dem Harvester geerntet, der Anteil der vollmechanisierten Holzernte im Kleinwald liegt bei 11%. Rund ein Zehntel des oberösterreichischen Holzeinschlages wird mit forstlichen Seilbahnen aus dem Wald gerückt", berichtete der Obmann. Viele Landwirte produzierten aber ihr Holz noch selbst mit der Motorsäge und könnten somit ihr eigenes Einkommenspotenzial nützen.

Landeswaldbauerntag am 13. November

Der diesjährige OÖ Landeswaldbauerntag findet am 13.11. in Leonding statt und steht im Zeichen des Jubiläums "50 Jahre Bäuerlicher Waldbesitzerverband". Ein speziell für diesen Anlass produzierter Film zeigt die Geschichte und die aktuellen Dienstleistungen des Verbandes. Der Fachvortrag zum Thema "Chancen nutzen - Herausforderungen bewältigen: Gemeinsam zu einem besseren Wald" von Wolfgang Jirikowski, Leiter der forstlichen Ausbildungsstätte Ort in Gmunden, ist ein weiterer Höhepunkt dieser Veranstaltung.