Rinderkrankheit IBR/IPV: Gesundheitsressort untersagt Verbringungen bis Ende Februar

Wagner: Vorsichtsmaßnahmen werden bereits umgesetzt.

Wien, 23. Februar 2015 (aiz.info). - Im Zusammenhang mit einem beabsichtigten Export von Zuchtrindern nach Algerien wurde Ende Jänner in einem Exportstall in Tirol das Vorliegen einer IBR/IPV-Infektion bei mehreren Tieren festgestellt. Die sofort eingeleiteten epidemiologischen Erhebungen ergaben, dass offenbar bereits im Dezember 2014 der Erreger in den Bestand eingeschleppt wurde und auch Zuchttiere, welche bereits nach Algerien exportiert wurden, infiziert waren, dies teilte das Gesundheitsministerium Ende vergangener Woche mit.

"Weiterführende epidemiologische Erhebungen ergaben, dass sich der Erreger infolge intensiver Tierbewegungen auch in österreichischen Betrieben verbreitet hat. Eine zentrale Rolle spielen dabei Viehhändler und Viehmärkte, über welche mit großer Wahrscheinlichkeit infizierte Tiere auch bereits ins benachbarte Ausland (Bayern, Schweiz, Italien) verbracht wurden. Mittlerweile befinden sich in der Mehrzahl der Bundesländer Kontaktbestände, das sind Bestände, die nachweislich mit positiven oder ansteckungsverdächtigen Tieren in Kontakt waren", heißt es in der Mitteilung des Ressorts.

Bis Ende März alle Rinder vor Auftrieb untersuchen

Um eine Klärung der Situation zu erreichen und die Weiterverbringung der Krankheit zu verhindern, sei es erforderlich, für Rinder einen bis Ende Februar befristeten Verbringungsstopp über alle Handelseinrichtungen (Viehmärkte, Tierauktionen und Nutztierschauen) auszusprechen und im Anschluss bis Ende März alle Tiere, welche aufgetrieben werden, vor dem Auftrieb nachweislich auf IBR/IPV zu untersuchen, stellt das Gesundheitsministerium fest.

ZAR: Tierkrankheit so schnell wie möglich eindämmen

"Die Vorsichtsmaßnahmen wegen der Rinderkrankheit IBR/IPV befinden sich bereits in der Umsetzung", berichtet Anton Wagner, Obmann der Rinderzucht Austria (ZAR). "Österreich ist eines der wenigen Länder, die seit den 1990er-Jahren anerkannt frei von dieser Erkrankung sind. Dies ist auf den hohen Sicherheits- und Qualitätsstandard der heimischen Rinderwirtschaft zurückzuführen und stellt auch eine Voraussetzung für unsere Erfolge beim Zuchtviehexport dar", so Wagner. Die nun aufgetretenen Einzelfälle seien bedauerlich, das Ziel müsse es sein, die Tierkrankheit so schnell wie möglich einzudämmen und wieder zur wirtschaftlichen Normalität zurückzukehren.

Kein Einfluss auf Lebensmittelsicherheit

IBR/IPV ist eine Krankheit, die durch bovine Herpesviren (BHV-1) hervorgerufen wird. Sie ist für den Menschen ungefährlich und hat auch keinen Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit. Sie kann aber im Rinderbestand schwere wirtschaftliche Verluste verursachen. Die Übertragung erfolgt bevorzugt direkt von Tier zu Tier, ist aber auch über indirekten Kontakt, zum Beispiel über ungenügend gereinigte Transportfahrzeuge oder Stallutensilien, möglich. Mit IBR/IPV infizierte Rinder können Fieber haben, zeigen insbesondere Ausfluss aus Nase sowie Augen und neigen zu Aborten. Nach einer Infektion sind die Tiere lebenslang Virusträger.

1990 gab es noch 1.989 positive Rinder aus 681 Betrieben. Mit großem finanziellen Aufwand wurde der heimische Viehbestand saniert. Seit 1999 ist Österreich amtlich anerkannt frei von IBR/IPV und hat seitens der EU Zusatzgarantien erhalten. Diese Freiheit ist ein wesentlicher Beitrag zum guten Tiergesundheitsstatus der heimischen Rinderpopulation, der sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Rinderbauern auswirkt. Um diese Zusatzgarantien, die auch Vorteile für den Viehhandel bringen, aufrechterhalten zu können, wird von den heimischen Veterinärbehörden ein jährliches Überwachungsprogramm durchgeführt.