RWA: Gute Erntemengen bei gleichzeitig relativ tiefen Preisen

Diabrotica- und Drahtwurmproblematik erfordern baldige Lösung.

Wien, 16. Oktober 2014 (aiz.info). - Trotz einer herausfordernden Witterung mit einem milden und trockenen Winter, der das Überleben zahlreicher Schädlinge ermöglichte, sowie einem anschließend feuchten Klima, das den Pilzbefall begünstigte, haben die österreichischen Landwirte heuer eine bisher mengenmäßig gute Ernte eingefahren. "Die Hektarerträge bei Getreide belaufen sich auf etwa 5,8 t. Unsere Bauern haben in diesem Jahr besonders unter Beweis gestellt, dass sie einen sehr guten Job machen", betonte der Generaldirektor der Raiffeisen Ware Austria (RWA), Reinhard Wolf, gestern im Gespräch mit Journalisten. Auch bei der Herbsternte zeichnen sich bislang gute Erträge ab. Bei Mais wird mit einer globalen Gesamtmenge von knapp unter 1 Mrd. t gerechnet und auch in der EU dürften die günstigen Wetterbedingungen ein sehr gutes Ernteergebnis bringen. Ein Wehrmutstropfen ist laut Wolf allerdings die verhältnismäßig schlechte Preisentwicklung auf den regionalen und internationalen Märkten. Die hervorragende Qualität des heimischen Getreides biete jedoch gute Vermarktungschancen.

Globale Getreideproduktion 2014 auf Niveau des Vorjahres

Österreich hat heuer eine Getreideernte von 3,2 Mio. t eingefahren. "Wenn die Proteinwerte im Schnitt auch um etwa 1% niedriger sind, so hat das Fungizid-Monitoring der Bauern doch für gut durchgewachsene und gesunde Bestände gesorgt", betonte Wolf. "Damit ist eine zufriedenstellende Versorgung mit agrarischen Produkten aus Österreich gewährleistet", erläutert der RWA-Generaldirektor. Die globale Getreideproduktion wird vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium USDA auf 1,994 Mrd. t geschätzt, das entspricht etwa dem Niveau von 2013 und ist damit die zweitgrößte Ernte der Geschichte. Der weltweite Verbrauch steigt zwar, liegt jedoch mit 1,970 Mrd. t unter der Produktionsmenge. Das bedeutet, dass heuer Lagerbestände aufgebaut werden können und eine gute Versorgung ("stocks to use ratio" liegt aktuell bei 21,2%) gegeben ist.

Getreidepreise weltweit unter Druck

Allerdings sorgt diese Marktsituation auch für einen Preisdruck auf den Agrarmärkten. "Die Getreidenotierungen bewegen sich aktuell auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau - Weizen wird etwa an der Euronext mit EUR 160,- je t gehandelt -, sie liegen aber immer noch deutlich über dem tiefen Preisniveau der Jahre 2008 bis 2010", erläuterte Wolf. Sorgen bereiten zudem einige globale Ereignisse, die ebenfalls auf die Weltmärkte Einfluss nehmen. Dazu zählen zum einen der Konflikt in der arabischen Region, der laut Wolf "dauerhafte Auswirkungen haben wird, weil er in der Hauptöllieferregion liegt". Hierbei gelte es, wachsam zu sein, mahnt er, "denn wenn auch scheinbar eine Entkoppelung des Ölpreises von den Agrarrohstoffmärkten stattgefunden hat, so wissen wir aus Erfahrung, dass diese doch zusammenhängen".

Zum anderen hat die Russland-Ukraine-Krise bereits ihre Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft gezeigt. Ein weiterer Effekt besteht darin, dass die Ukraine ein nicht zu unterschätzender Düngemittelproduzent ist, seine Werke in der umkämpften Region jedoch im Zuge des Konflikts mit Moskau geschlossen hat. Die Unsicherheit auf den Getreidemärkten bleibe somit weiter bestehen, so Wolf. Für die Landwirte bedeute dies, "die Lage sehr genau zu beobachten". Bauern, die nicht auf das Poolmodell setzen, rät er, die Euronext-Preisableitung dem Fixpreismodell derzeit vorzuziehen.

Schädlingsproblematik bei Mais und Kartoffel verschärft

Der Maiswurzelbohrer hat heuer die österreichischen Bestände beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen. Zum einen hat der Schädling die Kornzahl auf den Kolben maßgeblich dezimiert, zum anderen sorgte er durch Fraß an der Wurzel für umgebrochene Bestände. Verschärft wird die Problematik durch stark zunehmende Fangzahlen. Zwar gebe es mittlerweile eine dauerhafte Registrierung für das Pflanzenschutzmittel Belem, jedoch sei dessen Erfolgsquote mit 60% bis 65% nicht so erfolgversprechend wie gewünscht, erläuterte Wolf, mahnte aber gleichzeitig Maßnahmen ein, die gewährleisten, dass der heimische Maisanbau auf dem aktuellen Niveau gehalten werden kann. "Deutschland und Frankreich beobachten die Diabrotica-Situation in Österreich genau, um bereit zu sein, wenn das Problem bei ihnen auftritt."

Dringender Handlungsbedarf bestehe ebenso beim Drahtwurmbefall in Kartoffelkulturen, der sich zum Ernteende maßgeblich verschärft hätte, so Wolf. Dieses Thema werde an der Speiseindustriekartoffelerzeugung nicht spurlos vorübergehen. "Diese ungelösten Fragen des Pflanzenschutzes müssen im Rahmen einer sachlichen Diskussion im Sinne der Landwirte zu einer Lösung führen, die einer modernen Lebensmittelproduktion nicht im Wege steht", betonte der RWA-Generaldirektor.

Potenzial im GV-freien Sojaanbau

Von guten Erträgen geht Wolf auch bei der Ölsaatenernte aus: "Bei Sonnenblumen haben wir Hektarerträge von 3 t bis 3,5 t, auch wenn sich die starken Regenfälle zum Schluss nicht gerade positiv ausgewirkt haben."

Bei der Sojabohne liegt der Durchschnittsertrag bei 3 t je Hektar. Bei attraktiven Deckungsbeiträgen sei im GVO-freien Anbau großes Potenzial vorhanden, ist Wolf überzeugt.

Anbauverhalten 2015

Was den Anbau 2015 betrifft, ist eine Flächensteigerung bei Winterkulturen absehbar. Die Rapsfläche jedoch wird um 15% bis 20% zurückgehen. Beim Mais gelte es abzuwarten, wie sich die Preissituation und die Diabrotica-Problematik auswirken.