RWA: Herbsternte fällt heuer schwächer aus

Wolf warnt vor zu starken Einschränkungen bei Pflanzenschutz.

Wien, 15. Oktober 2015 (aiz.info). - Das Getreideanbaujahr 2015 sei in jeder Hinsicht sehr spannend verlaufen. Trotz der herausfordernden Witterungsverhältnisse und der flauen Wirtschaftsstimmung, habe es im Endeffekt keine ganz so schlimme Entwicklung genommen. Der Herbstanbau 2014 habe unter extrem nassen Bedingungen stattgefunden, was aber zu einer guten Winterfeuchtigkeit geführt habe. Das Frühjahr 2015 sei dafür trocken und heiter verlaufen, der Sommer ausgesprochen heiß - insofern hätten Quantität und Qualität der Sommerernte überrascht. Bei den Herbstfrüchten (Erdäpfel, Mais und Rüben) habe sich dann allerdings die starke Sommertrockenheit doch noch bemerkbar gemacht. So lautete gestern das Resümee von RWA Raiffeisen Ware Austria-Generaldirektor Reinhard Wolf.

Gefahr von Lückenindikationen nicht unterschätzen

Deutlich niedriger ausgefallen ist heuer der Pflanzenschutzmitteleinsatz. Gründe dafür sind laut Wolf die trockene Witterung, die den Fungiziddruck verringert habe, sowie Kulturverschiebungen mit weniger Mais und Raps zu mehr Soja- und Kürbisflächen. Er mahnte aber, in der aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussion um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Gefahr von Lückenindikationen nicht zu unterschätzen. "Wir müssen höllisch aufpassen, dass Indikationslücken nicht zu groß werden, wir durchfallen und bei manchen Kulturen damit große Probleme bekommen.

" Die RWA werde jedenfalls ihrer Linie des Qualitätsschutzes treu bleiben und die Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern bei den Warndienstsystemen für landwirtschaftliche Kulturen im kommenden Jahr auf neue Beine stellen, kündigte Wolf an.

Importe von 1 Mio. t Mais für heimische Industrie notwendig

Laut Ernst Gauhs, Bereichsleiter für Landwirtschaftliche Erzeugnisse, hat die Natur heuer "gerade noch die Kurve bekommen". Nachtkühle und Morgentau zur Abreife hätten für eine gute Getreideernte gesorgt, die fehlenden Niederschläge im Sommer jedoch die im auslaufen befindliche Herbsternte schwach ausfallen lassen. Insgesamt ergab sich eine Marktleistung von 2,1 Mio. t. Das sei im Vergleich zu den Vorjahren ein gutes mengenmäßiges Ergebnis. Schätzungen der Agrarmarkt Austria zufolge werde man zur Versorgung der österreichischen Industrie (zur Stärke- und Ethanolerzeugung) 1 Mio. t Mais importieren müssen, etwa 150.000 bis 200.000 t mehr als im Vorjahr.

"Wir haben zwar heuer etwas schlechtere Qualitäten beim Weizen, mit einem Premiumanteil von 17% (23% im Vorjahr), aber trotzdem wieder eine gute Qualitätsverteilung (Mahlweizen 33%, Qualitätsweizen 43% gegenüber 34% in 2014), die sich sehr gut vermarkten lassen. Und bei den hohen Qualitäten können wir uns gut von den Weltmarktpreisen abheben", betonte der RWA-Experte.

Global gesehen werden aufgrund der weltweit guten Ernte das dritte Jahr in Folge Getreidelagerbestände aufgebaut, was Preisdruck verursache. Gleiches gelte für Ölsaaten. "Die USA haben mit 106 Mio. t wieder ein hervorragendes Ergebnis bei Soja eingefahren, womit auch für diese Kulturgruppe der Lagerbestand bereits das vierte Jahr in Folge wächst. Bereits jetzt ist ein Anstieg der internationalen Notierungen erkennbar. Für die weitere Preisentwicklung auf den Agrarbörsen spielen die nach unten korrigierte Ernteschätzung in Australien sowie die trotz des Konjunkturrückgangs steigende Nachfrage in China eine wesentliche Rolle", erläuterte Gauhs.

Starke Kulturverschiebungen im Saatgutgeschäft spürbar

Im Saatgutgeschäft der RWA habe es heuer starke Kulturverschiebungen gegeben, informierte der zuständige Bereichsleiter Johann Blaimauer. "Die Rapsfläche ist um 30% verringert worden, Mais wurde in den heimischen Intensivgebieten weiter eingeschränkt. Bei Winterweizen und -roggen hat sich die ungünstige Witterung zum Anbau negativ ausgewirkt. Gewinnerkulturen waren dafür Ölkürbis, Sojabohne, Dinkel und Hartweizen." Sehr gute Exportchancen sieht Blaimauer bei Maissaatgut, von dem das dreifache des heimischen Bedarfs ins Ausland verkauft wird, ebenso wie bei Sojabohne.

Einen ungebrochenen Trend sieht der Bereichsleiter bei Bio. Die RWA biete dafür seit einigen Jahren eigene Züchtungen an, wobei Dinkel, Ackerbohnen, Lein und Roggen zu den Hauptkulturen zählen. Mit einem weiteren starken Flächenanstieg rechnet er aber nicht.

Dringender Ausbau der europäischen Wasserstraßen notwendig

Auch beim Dünger ist die Nachfrage leicht gesunken, bedingt durch Witterung und Kulturenwechsel. Die Marktsituation sei aber insgesamt stabil, betonte Wolf. Preislich geht er von einem weiterhin gleichbleibenden Niveau aus. Ein entscheidender Engpassfaktor sei aber die Logistik auf der Donau: "Während wir in Österreich gut aufgestellt sind, bereitet der deutlich schlechtere Ausbau der Donau in Deutschland sowie Serbien, Rumänien und Bulgarien Probleme. Bei Niedrigwasser wird der Transport damit deutlich teurer", erläuterte der RWA-Vorsitzende.

Traktorenabsatz schwächelt weiter

Sorge bereitet der RWA der Bereich Landtechnik, insbesondere die fortdauernde Absatzflaute bei Traktoren. Nachdem die Vermarktung bereits 2014 um 22% eingebrochen ist, wurden auch in den vergangenen neun Monaten um 12% weniger Zugmaschinen verkauft. Bis Jahresende wird mit insgesamt 5.200 Neuzulassungen gerechnet. "Die RWA ist breit aufgestellt, sodass die Situation zu verkraften ist, dennoch hoffen wir auf einen Technologieschub, um den Markt wieder anzukurbeln", so Wolf.