RWA zum Erntejahr 2016: Gute Erträge mit durchwachsenen Qualitäten

Lagerhaus-Kompetenz bei Biobetriebsmitteln wird ausgebaut.

Wien, 13. Oktober 2016 (aiz.info). - Mengenmäßig sei es heuer eine gute Ernte, die Qualitäten wären regional sehr unterschiedlich, für Österreich aber durchwegs "in Ordnung", vor allem im Vergleich zu den Mitbewerbern, die Preise seien aber nicht zufriedenstellend, so die Zwischenbilanz von RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf über die ablaufende Pflanzenbausaison.

Recht zufrieden war man mit dem Witterungsverlauf. Nach guten Aussaatbedingungen im Herbst 2015 und geringen Auswinterungsschäden habe der Frost Ende April "nur" regional schwere Schäden im Obst- und Weinbau verursacht. Im Mai und Juni seien durch die ausreichenden Niederschläge gute Wachstumsbedingungen für die Ackerkulturen gegeben gewesen. Der viele Regen während des Sommers habe sich dann insbesondere in Ostösterreich positiv ausgewirkt und auch die Erntebedingungen seien durchwegs gut gewesen, fasste Wolf "eine der wesentlichen Voraussetzungen für Erfolg und Misserfolg im Pflanzenbau" zusammen.

Österreichische Qualitätsstrategie bringt Vorteile in der Vermarktung

In Österreich hat dies zu durchwegs guten Erträgen mit durchwachsenen Qualitäten geführt. Die eingefahrene Getreidemenge (ohne Mais) mache rund 3,4 Mio. t aus und liege damit etwa 10% über dem Vorjahresergebnis wie auch über dem Schnitt der vergangenen Jahre. Allerdings sei ein starkes Ost-West-Gefälle bemerkbar, so Wolf. Aufgrund der Witterung sei der Mahlweizenanteil heuer deutlich größer ausgefallen (53% zu 33%) und der Qualitäts- (29% zu 43%) sowie Premiumweizenanteil (9% zu 17%) gesunken. "Das bringt aber keinen Nachteil in der Vermarktung, zumal die heimische Qualität über jener von Frankreich, Deutschland oder Ungarn liegt. Dadurch bieten sich für Österreichs Landwirte gute Vermarktungschancen, auch wenn der Preisdruck aufgrund der international hohen Ernte und des weiter ansteigenden Lagerbestands anhalten wird.

" Für die noch laufende Maisernte sei mit einem Mengenplus gegenüber 2015 zu rechnen. Mit zirka 2 Mio. t liegt die heurige Ernte in etwa im Schnitt der letzten Jahre und auch die Qualität ist gut. Die Anbaufläche ist leicht rückläufig auf rund 280.000 ha, von denen knapp 13.000 ha biologisch bewirtschaftet werden.

Attraktivere Preise sowie verbesserte Absatzmöglichkeiten haben in der vergangenen Anbausaison zu einer generellen Ausweitung des Bioflächenanteils und zu Kulturverschiebungen geführt. Großer Gewinner war dabei Dinkel, aber auch die Hartweizenfläche hat sich seit 2012 von 14.000 auf 24.000 ha vergrößert. Reduziert wurde hingegen bei Sommergerste, auf aktuell bundesweit 50.000 ha (-20%). Die Roggenfläche schrumpft auch dieses Jahr zugunsten von Triticale, das zur Bioethanolerzeugung verwendet wird. Rückläufig war auch die Körnermaismenge, Grund war der Schädlingsdruck. Ölraps konnte sich nach dem Verbot der Neonicotinoide im Jahr 2014, was einen Flächenrückgang von vorher 56.000 auf 37.000 ha zur Folge hatte, im heurigen Jahr wieder leicht erholen. Der Ölkürbis hat sich mit einer Zunahme auf 40.000 ha seit dem Vorjahr eine feste Position innerhalb der Kulturen gesichert. Nun sei abzuwarten, wie der Markt darauf reagiere, so Wolf.

Globale Rekordgetreideernte erhöht Preisdruck

Die gesamte Marktleistung in Österreich beträgt etwa 2,8 Mio. t (2014: 2,4 Mio. t). Dabei entfallen zirka 1,3 Mio. t auf Weichweizen und Dinkel sowie knapp 790.000 t auf Mais. Die Marktleistung beim Weizen ist relativ stabil mit leicht steigender Tendenz. Beim Mais entspricht sie in etwa der von 2014.

Die Getreidebilanz der EU-28 weist mit 300 Mio. t eine hohe Gesamtmenge bei leichtem Wachstum auf, auch wenn die Weizenernte mit 130 Mio. t deutlich unter dem Wert von 2015 liegt. Die Maisernte wird sich auf über 60 Mio. t belaufen und gegenüber dem Vorjahr deutlich um 13% zulegen. Die Ernteergebnisse in den einzelnen Mitgliedstaaten zeigen aufgrund unterschiedlicher Witterungsbedingungen sehr differenzierte Ergebnisse. Europa weist ein deutliches West-Ost-Gefälle auf: Während in Frankreich eine geringe Ernte mit unterdurchschnittlicher Qualität eingebracht wurde, hat der Osten Rekorderträge erzielt.

Die globale Ernte wird bei deutlich über 2 Mrd. t Getreide, davon die Hälfte Mais und über 700 Mio. t Weizen, liegen. Damit liegt man auch deutlich über der Ernte des Rekordjahres 2014/15 und erneut über dem Verbrauch. "Die globale Getreideernte ist groß, die weltweiten Lagervorräte bleiben also weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Lagerbestandsaufbau wird somit den Preisdruck weiter erhöhen", erläuterte Wolf.

Marktrückgang im Pflanzenschutzsektor

Im Pflanzenschutz verzeichnet die Raiffeisen Ware Austria (RWA) erstmals seit einigen Jahren einen Marktrückgang. Laut Wolf zeichnen sich zwei Trends ab, zum einen ein genereller Wirkstoffrückgang, was zunehmend zu Indikationslücken führe. So sei in Österreich seit drei Jahren kein neuer Wirkstoff zugelassen worden. Europa verliere damit in diesem Bereich an Bedeutung, mahnt er.

Lagerhaus-Kompetenz bei Biobetriebsmitteln wird ausgebaut

Zum anderen steigt der Anteil der Bioflächen und immer mehr konventionell wirtschaftende Landwirte würden auf alternative Behandlungsmethoden sowie Wirkstoffe zurückgreifen. Die RWA zieht daraus die Konsequenz und will sich künftig mehr im Biopflanzenschutzsektor engagieren. Daher hat der Konzern kürzlich auch 25% von Biohelp, einem heimischen Experten für den biologischen Pflanzenschutz und Nützlingszucht, übernommen und seine Lagerhaus-Mitarbeiter entsprechend geschult, um qualifizierte Bioberatung anbieten zu können. Angestrebt wird ein Umsatzanteil bei biologischen Betriebsmitteln von etwa 10%.

Preisverfall bei Dünger - Maßgeschneiderte Lösungen für Landwirte

Bei den wichtigsten Düngern sind die Preise heuer ebenfalls gesunken. Kalkammonsalpeter (KAS) wurde im Juli um ein Drittel unter dem Preis des Vorjahres angeboten. "Niedrige Energiepreise und ein historischer Tiefpreis bei Harnstoff verbunden mit hohen Lagerständen der Industrie bescherten uns ein Preisniveau wie zuletzt 2009", so Wolf. Auch die Phosphatpreise sind seit Jahresbeginn 2014 kontinuierlich zurückgegangen und die Kalipreise wurden im Mai 2016 gesenkt. Niedrige Preise bei den einzelnen Nährstoffen führten zwangsläufig auch bei den Mehrnährstoffdüngern zu einer deutlichen Preisreduktion. Aus derzeitiger Sicht seien in den kommenden Wochen keine gravierenden Änderungen der Marktsituation zu erwarten, so Wolf.

Die RWA setzt hier auf ihr Konzept "Dünger nach Maß" auf Basis mobiler Bodenproben. Mehr als 45 hofnahe Mischanlagen sind derzeit im Einsatz. Im kommenden Jahr soll dann in Marchegg die größte Mischanlage Österreichs in Betrieb gehen.