Schafmilcherzeugung wird in Oberösterreich forciert

Grabmayr: Bauern bedienen ein wachsendes Marktsegment.

Linz, 23. März 2017 (aiz.info). - "Von den in Oberösterreich derzeit rund 58.500 gehaltenen Schafen sind rund 6.000 Milchschafe. Seit 2010 hat deren Zahl um etwa 40% zugenommen. Der Grund dafür ist die gestiegene Nachfrage nach den im Konsumtrend liegenden Schafmilchprodukten. Waren es früher vor allem Direktvermarkter, die den Konsumenten auf dieses Produkt aufmerksam machten, so haben Schafmilch- und Schafkäseprodukte in den vergangenen Jahren auch in den Lebensmitteleinzelhandel verstärkt Einzug gehalten", berichtete heute Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ.

"Das Schaf ist für die Nutzung von Grünlandflächen bestens geeignet. In Gebieten mit einem hohen Anteil an schwierig zu bewirtschaftenden Flächen leistet dieses Tier einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft und des Landschaftsbildes. Die LK Oberösterreich unterstützt die Neueinsteiger in die Schafmilcherzeugung durch intensive Beratung und achtet auf eine fachliche Begleitung gerade in den ersten oft anspruchsvollen Jahren der Umstellung", erläuterte Grabmayr.

Zahlreiche Neueinsteiger

Einige spezialisierte Molkereien sind im vergangenen Jahrzehnt in die Erzeugung von Schafmilchprodukten eingestiegen und können für die Lebensmittelketten entsprechend große Mengen anbieten. Beliefert werden die Molkereien von Schafbauern, die ihren Betrieb überwiegend auf die Belieferung dieser Molkereien ausgerichtet haben. "Das sind in Oberösterreich derzeit 38 Betriebe, im vergangenen Jahr gab es wieder 14 Neueinsteiger, die in den nächsten beiden Jahren mit der Milchlieferung beginnen werden", informierte der Vizepräsident.

2016 wurden in Oberösterreich zirka 2,5 Mio. l Schafmilch erzeugt. Nach Abzug der in der Direktvermarktung verkauften und verarbeiteten Menge sowie der Milch für die Fütterung der Lämmer blieben rund 1 Mio. l, die an Molkereien wie Leeb in Wartberg oder die Molkerei Schlierbach geliefert wurden. Diese beiden Betriebe verarbeiten ausschließlich Bioschafmilch zu Produkten wie Trinkmilch oder Joghurt. Daneben gibt es noch einige Molkereien, die konventionelle Schafmilch verarbeiten, wie die Käsemacher GmbH in Niederösterreich und der Gaflenzer Bauernladen. Österreichweit haben im Jahr 2015 zirka 110 Schafmilchbauern etwa 3,5 Mio. l an die Molkereien geliefert.

Schafkäse - ein Produkt für Feinschmecker

In Oberösterreich beschäftigen sich derzeit 22 in der Datenbank der LK OÖ gelistete Betriebe mit der Direktvermarktung von Schafmilch. Diese und viele weitere kleine Vermarkter verarbeiten rund 0,5 Mio. l Schafmilch. Die Produktpalette reicht vom Joghurt bis zum Schnittkäse. Die Herstellung dieser Spezialitäten ist sehr arbeitsintensiv und erfordert viel Fachwissen. Dieser Betriebszweig ermöglicht jedoch auch kleinstrukturierten Betrieben mit geringer Flächenausstattung gerade im Berggebiet ein ausreichendes Einkommen. In der Direktvermarktung wird etwa ein Viertel der heimischen Schafmilch verarbeitet.

Schafmilch hat mit einem Anteil von 5,2% einen deutlich höheren Eiweißgehalt als die Kuhmilch und ist durch den höheren Fettgehalt auch kalorienreicher. Sie enthält unter den Milcharten den höchsten Anteil an essenziellen Fettsäuren und ist reich an den Vitaminen B2, B6, B12, B13, C, Niacin und vor allem an Kalzium. Der Schafmilch wird in Bezug auf Allergene eine günstige Wirkung zugesprochen, weshalb Menschen, die an Kuhmilch-Allergien leiden, oft gerne zu Schafmilchprodukten greifen.

Interessante Alternative

"Auch wenn die Schafmilcherzeugung im Vergleich zur Kuhmilchproduktion in Oberösterreich nur rund 2% der Menge ausmacht, so ist die Milchschafhaltung eine interessante Alternative für die bäuerlichen Betriebe. Wir haben uns in den letzten Jahren zum zweitstärksten Schafmilch-Bundesland nach Niederösterreich entwickelt. "Wir sind froh, dass in diesem Bereich einige spezialisierte Molkereien die Nachfrage nach den begehrten Schafmilchprodukten verstärkt bedienen können", so Grabmayr.

Internationale Nachfrage nach OÖ Zuchtschafen

Die OÖ Schafzucht hat in den letzten Jahren durch konsequente Arbeit internationales Ansehen erhalten. Bei der Vermarktung wird nicht nur auf die Milch gesetzt, sondern auch auf Fleischprodukte und Wolle. "Nur mit genetisch wertvollen Zuchttieren und strenger Selektion ist uns die Professionalisierung der Schafzucht gelungen. Auch bei der Lammfleisch-Vermarktung gibt es Positives zu berichten, denn auch dieses wird von den Konsumenten gut nachgefragt", berichtete Johann Perner, Obmann des OÖ Landesverbandes für Schafzucht und -haltung.

Das hohe oberösterreichische Tiergesundheitsniveau beschert den Schafzüchtern großes Interesse ausländischer Käufer. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Tiergesundheitsdienst OÖ konnte die Abwicklung von Exporten einfach gestaltet werden. Speziell die fleischbetonten Rassen Merinolandschaf, Suffolk und Dorper profitieren von der einfachen Abwicklung. So konnten 2017 bereits 30 Dorperschafe in die Schweiz und 152 Merinolandschafe in die Ukraine geliefert werden. Weitere Exporte von 580 Merino- sowie 400 Milchschafen der Rassen Ostfriesisches Milchschaf und Lacaun werden derzeit gerade organisiert. "Nur durch professionelle Zusammenarbeit und das Vertrauen der Zuchtbetriebe in die Organisation lassen sich derartige Geschäfte zur Zufriedenheit aller abwickeln", ist Perner überzeugt.

Vermarktung ausgebaut

Aufgrund der zahlreichen Neueinsteiger erfolgte seitens der LK OÖ und des Landesverbandes eine verstärkte Konzentration auf Beratung sowie Organisation der Lämmer- und Fleischvermarktung. Mit dem Ausbau der bestehenden Absatzschienen, sowie der Vermittlungstätigkeiten konnte die Vermarktung über den Verband bei gleichem Personalstand im Jahr 2016 um 52% auf rund 3.000 Tiere ausgebaut werden. Weiters wurden über den Landesverband rund 40 t Rohwolle verladen und verkauft. Für die Landwirte konnte durch eine angepasste Sortierung und Neuverhandlung ein Mehrerlös zwischen 10 und 14% pro Kilogramm Wolle erreicht werden. Mehr als 700 Mitglieder sind im Landesverband organisiert und nutzen die zahlreichen Vorteile.

Die Herdebuchzucht bildet die Basis für die Schafhaltung in Oberösterreich. 270 Betriebe im Landesverband beschäftigen sich intensiv mit der Weiterentwicklung der 13 betreuten Rassen. Rund 9.500 eingetragene Herdebuchtiere werden seitens des Verbandes leistungsgeprüft. 122 Landwirte haben sich der Erhaltungszucht von sechs seltenen Schafrassen verschrieben, die eine Population von etwa 2.800 Schafen umfassen. Diese Betriebe bewahren mit den bodenständigen Rassen auch ein Kulturgut.