Gesteigerte Effizienz durch N/S-Düngung

Stickstoff (N) und Schwefel (S) wirken in der Pflanze gemeinsam. Daher sollten beide im Frühjahr vorliegen, sonst droht eine geringere Stickstoff-Ausnutzung und das Ertragspotenzial wird nicht ausgeschöpft.

Rapsdüngung mit Schwefel (180 kg N, ASS-Düngung, 50 kg Schwefel) © Bernhard Fuchs
Schwefeldüngung hat, vor allem wegen sinkender Immissionen aus der Luft, an Bedeutung gewonnen. Hinzu kommt, dass vermehrt hochkonzentrierte Dünger wie Diammonphosphat (DAP), Harnstoff und Kali 60 ohne Schwefelbestandteile im Einsatz sind. Nicht zu vernachlässigen ist auch der höhere Bedarf an Schwefel wegen der gestiegenen Naturalerträge.

Standorte untersuchen

Rapsdüngung ohne Schwefel (180 kg N, KAS-Düngung, 0 kg Schwefel © Bernhard Fuchs
Bevor Schwefelmangel sichtbar wird, können bereits Ertrags- und Qualitätseinbußen eingetreten sein. Auf Schwefelmangel sollten deshalb grundsätzlich alle Standorte untersucht werden, zum Beispiel per Smin-Untersuchung, die gemeinsam mit der Nmin-Bestimmung durchgeführt werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist die Blattanalyse, die aber erst relativ spät in der Vegetation einen Mangel anzeigen kann. Sicher, schnell und einfach lassen sich Standorte mit dem Schwefel-Schätzrahmen (de.eurochemagro.com) beurteilen.

S-Mangel erkennen

Im Anfangsstadium oder bei leichtem Mangel ähneln Schwefelmangelsymptome den Stickstoffmangelsymptomen. Im Gegensatz zu Stickstoffmangel, der zuerst an älteren Blättern auftritt, äußert sich Schwefeldefizit zuerst an den jüngsten Blättern. Schwefelmangel tritt nicht flächendeckend auf. Leichte und strukturgeschädigte Böden mit schlechter Wasserversorgung sind besonders betroffen. Schwefelmangel kann bei fast allen Kulturen festgestellt werden.

Schwefel verbessert N-Wirksamkeit

Durch die Düngeverordnung haben die Landwirte einen eingeschränkten Handlungsspielraum bei der Stickstoff-Ausbringung in Getreide und Raps. Im Aktionsprogramm Nitrat 2012 werden die N-Obergrenzen je nach Ertragslage festgelegt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden und die angestrebten Erträge und Qualitätsparameter zu erzielen, sind verschiedene Maßnahmen notwendig. Deshalb gewinnt eine Schwefeldüngung nicht nur aus pflanzenbaulicher Sicht an Bedeutung, weil eine unterlassene S-Düngung letztendlich nicht nur zu schlechteren Erträgen, sondern auch zu geringeren N-Entzügen durch die Kulturpflanzen führt. Gleichzeitig erhöht sich der N-Saldo, weil der gegebene Stickstoff nicht richtig verwertet werden kann.

Wie bedeutend S-Düngung sein kann, zeigt eine Exaktversuchsserie der Kärntner Saatbau in St. Donat. Eine Mineraldüngung in Wintergerste brachte dabei einen Mehrertrag gegenüber ungedüngt von 43 dt/ha im Durchschnitt der Varianten Harnstoff, KAS, ASS und Entec 26. Die Düngung mit sulfatischem Schwefel brachte Mehrerträge von 14,8 bis 16,9 dt/ha mit Entec 26 als Einmalgabe bzw. ASS/KASS/KAS gegenüber einer reinen Stickstoffdüngung mit KAS/KAS/KAS und Harnstoff/Harnstoff/Harnstoff. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Winterweizenversuch.

Auch bei Exaktversuchen der LFS Lambach und LFS Hollabrunn konnte bei Winterraps, Wintergerste und Winterweizen die Notwendigkeit einer Schwefeldüngung nachgewiesen werden. Ein aktueller Winterweizen-Versuch der LK Oberösterreich zeigt ebenfalls ein positives Ertragsergebnis einer Schwefeldüngung mit ASS.

Richtige Düngerstrategie mit Schwefel

Schwefel sollte im zeitigen Frühjahr gedüngt werden, damit die Pflanze über die gesamte Vegetationsperiode versorgt ist. Das ist besonders in Gebieten mit Frühjahrs- und Frühsommertrockenheit relevant. Sofern bei der ersten Gabe versäumt wurde, Schwefel zu düngen, besteht die Möglichkeit, bei ausreichender Wasserversorgung des Standorts, dies mit der zweiten Gabe zu regeln. Im intensiven Weizenanbau ist die zusätzliche Schwefeldüngung zum Zeitpunkt der Spätdüngung empfehlenswert.

Sulfatisch oder elementar?

S-Dünger unterscheiden sich in der Bindungsform (sulfatisch, elementar) und damit in ihrer Wirkgeschwindigkeit. Bei N-S-Düngern mit sulfatischem Schwefel, wie im Ammonsulfatsalperter (ASS), Entec 26, SSA oder Piamon S, ist der Schwefel voll wasserlöslich und steht der Kulturpflanze sofort zur Verfügung. Auch ausgewählte NPK-Dünger mit Schwefel wie Nitrophoska 20+10+10 (+ 3 S) erfüllen diese Forderung.

Schwefel in elementarer Form (z. B. Netzschwefel) kann von der Pflanze nicht direkt aufgenommen werden, sondern muss durch Bakterientätigkeit im Boden zu Sulfat umgewandelt werden. Dies kann sich über mehrere Wochen hinziehen, so dass elementar gedüngter Schwefel nur langsam zur Wirkung kommt. Für eine schnelle Schwefelversorgung sind deshalb sulfatische S-Dünger vorzuziehen. Blattdüngungsmaßnahmen mit schwefelhaltigen Blattdüngern (z.B. Bittersalz) können wegen der geringen Schwefelausbringmengen nur als unterstützende Maßnahme gesehen werden. Die Schwefelwirkung von organischen Düngern (außer Jauche) ist langsam und unsicher. So liegt der Gehalt an Schwefel bei der Rinder- und Schweinegülle bei etwa 0,3 – 0,5 kg/m3. Dieser Anteil ist organisch gebunden und muss in die Sulfatform umgewandelt werden.

Stickstoff voll verwerten

Ausreichende Schwefelmengen bewirken in Verbindung mit Stickstoff eine Produktion von höherwertigen Eiweißverbindungen in den Pflanzenzellen. Nur damit kann sichergestellt werden, dass der gedüngte Stickstoff optimal verwertet wird.

Deklaration von Schwefel

Bei der Bemessung der Schwefelmengen sollte darauf geachtet werden, dass einige Düngemittelhersteller bei der Deklaration der Schwefelwerte auf die Schwefeltrioxid-Form (SO3-Form) umgestellt haben. Nach dem EU-Düngermittelrecht ist eine solche Deklaration zulässig. In Ländern wie Frankreich wird der Schwefelgehalt nur in Schwefeltrioxid-Form ausgewiesen. In Österreich hingegen gibt es keine feste Regelung.

Folgendes ist zu beachten: In einem NPK 15+15+15(+7,5 SO3) sind etwa nur 3 % Schwefel in Elementform vorhanden (Umrechnungsfaktor 0,4.) Das ist von Bedeutung, weil die Schwefelbedarfswerte in Elementform abgeleitet werden. Deshalb sollten Landwirte beim Düngerkauf genau darauf achten, welche Schwefeldeklaration (Element- oder SO3-Form) ausgewiesen wurde.

Bedeutung und Ausbringung

Wachstum und Qualität: Die Wechselwirkung zwischen Stickstoff (N) und Schwefel (S) ist besonders für den Eiweißstoffwechsel von Bedeutung. Wenn Schwefel fehlt, kann das aufgenommene Nitrat in der Pflanze nicht zu Amiden umgewandelt werden. Daher kommt es in der Pflanze zu einem Nitratstau und der aufgenommene Stickstoff kann nicht mehr genutzt werden. Ertrags- und Qualitätsminderungen sind die Folge. Somit leistet die Schwefeldüngung einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Stickstoffeffizienz.

Wenn bei Winterweizen Schwefel fehlt, kommt es zu einer Verschiebung des Proteinmusters hin zu weniger wertvollen, nicht schwefelhaltigen Aminosäuren. Dies hat bei Brotgetreide einen negativen Einfluss auf die Backqualität und führt bei Futterpflanzen zu einer geringeren Wertigkeit des Futters.

N:S-Verhältnis: In der Regel rechnet man mit einem Verhältnis von Stickstoff zu Schwefel in der Pflanze von 10:1. Fehlt 1 kg Schwefel, können 10 kg Stickstoff nicht genutzt werden. Bei Raps sollte das N:S-Verhältnis sogar 4:1 betragen.

Ausbringung: Schwefel sollte mit der 1. oder spätestens zur 2. N-Gabe gleichzeitig als N/S-Dünger oder als NPK-Dünger mit Schwefel ausgebracht werden, damit während des Pflanzenwachstums kein temporärer Schwefelmangel auftritt. Entscheidend für die Wirksamkeit angepasster Stickstoffmengen ist generell auch eine ausreichende Schwefelmenge in der richtigen Form.

Jetzt im Angebot!

Fragen Sie Ihren Fachberater

Wenn Sie Fragen zur Schwefeldüngung und Stickstoffdüngung beim Raps haben, besuchen Sie Ihr Lagerhaus. Ihr Agrar-Fachberater unterstützt Sie gerne.

Benutzen Sie die Suchmaske, um das Ergebnis auf eine Postleitzahl einzuschränken. Sie können die Karte auch auf den Startzustand zurücksetzen.

Auf dieser Seite finden Sie ausgewählte Produkte aus unserem Sortiment. Viele weitere Artikel erhalten Sie in Ihrem Lagerhaus. Fragen Sie Ihren Lagerhaus-Fachberater!
Autor:
Bernhard Fuchs, Eurochem Agro GmbH