Kriege beeinflussen Düngerpreise

Am Düngermarkt sind steigende Preise zu erwarten (Stand Sep. 2014). Eine Ausnahme könnte Phosphatdünger bilden.

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Große Nachfrage im Frühjahr 2014 vor allem in Deutschland, Frankreich und Benelux sorgte für sehr gute Absatzmöglichkeiten der Düngerproduzenten. Das führte zwangsläufig vor allem bei Kalkammonsalpeter (KAS/NAC) zu deutlich niedrigeren Lagerständen bei der Industrie zu Beginn der neuen Düngersaison im Juli.

Obwohl zu diesem Zeitpunkt die Harnstoffpreise deutlich niedriger lagen als im Vorjahr, startete die Düngerindustrie die Düngemitteleinlagerung mit KAS-Preisen auf Vorjahresniveau. Kaum vorhandene Lagerstände, Produktionsausfälle infolge von jährlichen Wartungsarbeiten im Sommer und Stickstoffanwendung vor allem im Grünland in weiten Teilen Mitteleuropas führten zu einem beschränkten Angebot. Diese Umstände ermöglichten es der Industrie, das gegenüber Harnstoff unattraktive KAS-Preisniveau trotzdem durchzusetzen.

Produktionsausfälle in Krisenregionen

In der Zwischenzeit sorgten die Krise in der Ukraine und die Unruhen in weiten Teilen der islamischen Länder Nordafrikas und im Nahen Osten für stark steigende Harnstoffpreise. Grund für diese Entwicklung sind Produktionsausfälle in diesen Krisenregionen verbunden mit einer aktuell großen Nachfrage in Asien und einem prognostizierten Nachfrageschub in den USA.

Diese Entwicklung erlaubte es auch der KAS-Industrie seit Juli die Preise moderat zu erhöhen. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine beeinflusst auch die Gaspreise und somit die Produktionskosten der europäischen Düngerproduzenten, was zusätzlich mittelfristig für ein steigendes Preisniveau bei Stickstoffdüngern spricht.

Nachfrage bei Phosphaten sinkt

Beim wichtigsten Phosphatdünger Diammoniumphosphat (DAP) sind wir seit Mai mit einem kontinuierlich steigenden Preisniveau konfrontiert. Experten erwarten im vierten Quartal (leicht) fallende Preise auf Grund nachlassender Nachfrage. Ob diese Entwicklung tatsächlich eintritt, werden die nächsten Wochen zeigen.

Nachdem die Kalinotierungen im zweiten Halbjahr 2013 durch den Zusammenbruch des russischen Kalikartells deutlich gesunken sind, haben sich die Preise im Laufe des Jahres 2014 wieder stabilisiert und gefestigt. Große weltweite Nachfrage und teilweise Lieferprobleme der Industrie sprechen bei Kalichlorid (60er Kali, Kornkali) aktuell für ein leicht steigendes Preisniveau. Produktionsausfälle bei Kalisulfat führen zu Verfügbarkeitsengpässen und dadurch könnte die Versorgung mit sulfatischem Kali für die Frühjahrssaison problematisch werden.

NPK-Dünger: Moderater Preisanstieg erwartet

Die deutlich unter dem Vorjahr liegenden Kalipreise beeinflussen naturgemäß auch das NPK-Preisniveau positiv. So lag dieses zu Einlagerungsbeginn im Juli teilweise mehr als 40 Euro unter den Einlagerungspreisen des Vorjahres.

Durch die Preissteigerungen bei Stickstoff und Phosphat haben die Preise jedoch in der Zwischenzeit wieder angezogen. In den nächsten Monaten ist mit einer weiteren moderaten Preisentwicklung zu rechnen.

Düngerbedarf in Teilen kaufen

Aus derzeitiger Sicht ist bei KAS, NPK und wahrscheinlich auch bei Kali mit Preisanstiegen bis ins Frühjahr zu rechnen. Bei Harnstoff sprechen die aktuellen Rahmenbedingungen zumindest mittelfristig auch für steigende Preise, lediglich bei DAP könnte es gegen Ende des Jahres zu schwächer werdenden Preisen kommen.

Trotzdem ist es ratsam, seinen Düngerbedarf in Teilen zu kaufen, um das Preisrisiko zu minimieren. Lediglich bei Produkten mit Kalisulfat (Kalisop, Patentkali und sulfatischen NPKs) für Spezialkulturen (Kartoffel, Gemüse, Obst) empfehlen wir wegen des knappen Angebotes mit dem Einkauf nicht zu lange zu warten.
Produkte und Fachinformation zur Düngung erhalten Sie in Ihrem Lagerhaus. Fragen Sie bitte Ihren Fachberater.
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Autor:
DI Andreas Hochgerner, RWA