Stickstoffdünger im Vergleich – Unterschiede in Einsatz und Wirkung

Kultur, Bodenbeschaffenheit, Witterungseinflüsse und das angestrebten Ertragsziel beeinflussen die Wahl des N-Düngers.

John Deere Traktor am Feld mit Rauch DüngerstreuerJohn Deere Traktor am Feld mit Rauch DüngerstreuerJohn Deere Traktor am Feld mit Rauch Düngerstreuer[]
© RWA
Stickstoff (N) wird im Allgemeinen als „Motor des Pflanzenwachstums" angesehen. Er beeinflusst Ertrag und Qualität im Pflanzenbau. Bei der Applikation kommt es auf die Dosierung, aber auch auf die zeitlich richtige Verteilung (Gabenteilung) an. Welcher N-Düngertyp verwendet wird richtet sich nach dem angestrebten Ertragsziel und nach der Geschwindigkeit, mit der dieser zur Wirkung kommen soll. Sowohl zu hohe als auch zu niedrige N-Gaben können sich negativ auf Ertrag und Qualität auswirken.

Anwendung verschiedener Düngemittel

Für die Stickstoffdüngung steht eine Vielzahl an Düngemitteln zur Verfügung, deren Wirkungsgeschwindigkeit sich in Abhängigkeit der N-Form unterscheiden:
  • NO3 (Nitrat) wird im Boden nicht gebunden und gelangt daher mit dem Wasser rasch zu den Pflanzenwurzeln. Nitrat-N wirkt sehr schnell, ist im Boden mobil, kann aber auch leicht in tiefere Bodenschichten verlagert werden („Nitratauswaschung“)
  • NH4 (Ammonium) wirkt langsamer als Nitrat und kann von den Pflanzen nur bedingt direkt aufgenommen werden. Ammonium-N muss wegen der festen Bindung erst durch eine mikrobielle Umwandlung (Nitrosomonas) im Boden zu Nitrat umgewandelt werden, ehe der Nährstoff in größerem Umfang an die Wurzeln herangeführt wird .
  • Amid-N (Harnstoff) Es erfolgt die Umsetzung von Amid -> Ammonium -> Nitrat dessen Geschwindigkeit stark von Temperatur und Bodenfeuchtigkeit abhängt. Um gasförmige N-Verluste zu vermeiden, wird nach erfolgter Applikation eine Einarbeitung in den Boden empfohlen. In gewissem Umfang kann Amid-N auch in gelöster Form direkt über die Blätter aufgenommen werden.
Seit einigen Jahren werden auch stabilisierte N-Dünger angeboten. Dabei wird der Dünger mit Nitrifikationshemmstoffen, so genannte „Inhibitoren“, behandelt. Diese Stoffe hemmen die bodenbürtigen Bakterien bei der Nitrifikation – also der Umwandlung von Ammonium über Nitrit zu Nitrat, die jedoch bei steigenden Bodentemperaturen zunehmend abgebaut werden. Somit stellen stabilisierte N-Dünger eine langsam fließende, gut an den N-Bedarf der Pflanze angepasste N-Quelle dar. Darüber hinaus wird das Entstehen klimarelevanter Gase (z.B. Lachgas) durch die Nitrifikationsinhibitoren deutlich gesenkt.

Die Palette der N-stabilisierten Dünger wird in Österreich insbesondere von den beiden Produkten ENTEC 26 und ALZON 46 geprägt:

ENTEC 26N und ALZON 46N

  • Entec 26N enthält als Trägerdünger einen ammonnitrathaltigen Stickstoffdünger, wobei das Verhältnis von Nitrat zu Ammonium bei etwa 1:3 liegt. Als Ammoniumstabilisator dient Dimethylpyrazolphosphat kurz DMPP.
    Ein wesentlicher Vorteil dieses Düngers liegt in der raschen Startwirkung bedingt durch den Anteil des schnell wirkenden Nitratstickstoffs. Dies ist speziell bei kalten Böden mit schlechtem Stickstoffnachlieferungsvermögen und niedrigen Nmin-Werten ein großer Pluspunkt. Das Verlagerungsrisiko des Stickstoffs ist bedingt durch den niedrigen Nitrat-Anteil und durch den Ammoniumstabilisator insgesamt als eher gering einzustufen. Gasförmige N-Verluste sind kaum gegeben und somit ist auch keine Einarbeitung erforderlich.
  • Alzon 46N enthält als Trägerdünger ausschließlich Amidstickstoff (über Harnstoff). Als Ammoniumstabilisator dient hier ein Gemisch aus Dicyandiamid kurz DCD und 1H-1,2,4-Triazol. Da hier die Nitrat-N-Komponente fehlt, hat Alzon 46 eine langsamere Anfangswirkung, was speziell bei kalten Böden im zeitigen Frühjahr zu berücksichtigen ist.
Beim Einsatz von Alzon kann es unter bestimmten Bedingungen (hoher ph-Wert, trockene Böden) zu einem erhöhten Risiko von Verlusten bei der Umwandlung von Amid zu Ammonium kommen. Eine Einarbeitung des Düngers wäre somit empfehlenswert.
Seit Beginn des Jahres 2014 ist für den Einsatz von stabilisierten N-Düngern eine neue gesetzliche Vorgabe hinsichtlich der erlaubten N-Obergrenzen in Kraft getreten:
Zum Schutz der Gewässer vor Stickstoffeintrag in Form von Nitrat ist rechtlich eine Teilung von N-Gaben in leicht löslicher Form größer 100 kg/ha vorgeschrieben. Zur bereits bestehenden Ausnahme (N-Gaben zu Hackfrüchten und Feldgemüse auf bindigen Böden mit zumindest 15 % Tonanteil) gilt nun die Neuregelung, dass auf Flächen unter 10 % Hangneigung eine Gabenteilung bei Verwendung stabilisierter N-Dünger nicht mehr erforderlich ist.
(Quelle: DI Josef Springer, LWK für NÖ)
Dieser Umstand erlaubt es, größere Mengen als 100 kg N/ha über eine einmalige Applikation auszubringen. So kann beispielsweise Winterraps mit nur einer N-Gabe zu Vegetationsbeginn versorgt werden. Damit werden Arbeitsspitzen gebrochen und zusätzliche Überfahrten eingespart.

Entec 26 ideal für Winterraps, Wintergetreide oder Kartoffeln

Welcher stabilisierte N-Dünger für welche Kultur prädestiniert und geeignet, ist richtet sich nach dem Kriterium der vorhandenen N-Form im jeweiligen Produkt. So bietet sich etwa Entec 26 durch den Anteil von 7,5 % schnell wirkendes Nitrat N (No3) für den zeitigen Einsatz in Winterraps an. Auch zu Wintergetreide oder Kartoffeln passt dieser Dünger ganz gut.

Alzon 46 gute Erfahrungswerte bei Mais

Bei Alzon 46, der zur Gänze aus langsam wirkenden Amid-N besteht, muss man hingegen die langsamere Anfangswirkung berücksichtigen. Sehr gute Erfahrungswerte gibt es z.B. beim Einsatz im Mais, da hier die verzögert einsetzende N-Wirkung erwünscht ist. Mais hat den höchsten Nährstoffbedarf etwa 10 – 15 Tage vor der Blüte bis ca. 25 – 30 Tage nach der Blüte. In diesem Zeitraum werden rund 70 – 80 % des gesamten Bedarfs aufgenommen.

Stickstoff gezielt einsetzen

Es obliegt dem Landwirt in Abhängigkeit der Kultur, der Bodenbeschaffenheit (auch in Bezug des N-Nachlieferungsvermögens), den Witterungseinflüssen und natürlich dem angestrebten Ertragsziel die richtige Wahl des N-Düngers zu treffen. Bei der Wahl und Bewertung des richtigen Düngers sind auch nützliche Begleitstoffe wie etwa Schwefel oder Magnesium zu berücksichtigen. Ebenso gilt es beim Einsatz von Stickstoffdüngern die physiologische Wirkung hinsichtlich der versauernden Wirkung auszuloten, weil hier mit einem entsprechenden Kalkausgleich gegengesteuert werden muss.

Die Produktqualität aller in diesem Bericht angesprochenen Düngertypen ist heute allgemein auf einem sehr hohen Niveau, wodurch bei der Einstellung der Streubreite und Streugenauigkeit keine Probleme gegeben sind.

Die gängigsten Stickstoffdünger

Zur Erleichterung der Auswahl und als Hilfestellung bei der Einordnung der gängigsten Stickstoffdünger nach deren N-Form sollte nachstehende Tabelle dienen:
Dünger Stickstoff gehalt in % Bemerkungen - weitere Nährstoffe Physiologische Wirkung - Kalkzehrung
N-gesamt NO3 NH4 Amid
Kalkammonsalpeter (KAS) 27 13,5 13,5 - schwach sauer -13
Harnstoff 46 - - 46 sauer -46
Piamon 33 - 10 23 12 % S sehr sauer -54
Ammonsulfat (SSA) 21 - 21 - 24 % S sehr sauer -63
Ammonsulfatsalpeter (ASS) 26 7,5 18,5 - 13 % S sehr sauer -51
Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) 30 7,5 7,5 15 sauer -30
Kalkstickstoff 20 1,5 - - 18,3 % Cyanamid-N alkalisch +35
Entec 26 (N-stabilisiert) 26 7,5 18,5 - 13 % S + DMPP sehr sauer -51
Autor:
RWA, Abt. Düngemittel, Peter Kirchmayr