Stretchfolien: Castfolien oder Blasfolien verwenden?

Jeder Landwirt möchte eine möglichst hohe Silagequalität erreichen. Die Folien spielen dafür eine wichtige Rolle. Was aber sind die entscheidenden Faktoren bei einer Silagefolie?

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© John Deere
Es gibt verschiedene Herangehensweisen, um die richtige Stretchfolie für sich zu finden. Auf der einen Seite kann man einfach die billigste Folie verwenden oder eine, die am eigenen Wickler, ohne Einstellarbeiten am besten läuft. Auf der anderen Seite kann man die Folien verwenden, mit denen das Futter optimal geschützt wird.

Der zweite Weg ist wohl der Sinnvollere, jedoch kann es dann notwendig sein, die Einstellungen des Wicklers anpassen zu müssen. Dies schreckt so manchen Landwirt davor ab, eine andere Folie zu verwenden – sollte es aber nicht. Der Schutz des Futters hat höchste wirtschaftliche Priorität. Es ist immer notwendig, Wickler und Folie bestmöglich aufeinander abzustimmen. Stretchfolien werden von guten Herstellern immer weiterentwickelt. Schon deswegen sollten die Einstellungen am Wickler immer optimiert werden.

Cast- oder Blasfolie? Die Antwort ist eindeutig!

Die Wahl fällt eindeutig zu Gunsten der Blasfolie aus. Geblasene Folien weisen eine hohe Sauerstoffbarriere und beste Reißfestigkeit in Längs- und Querrichtung auf. Diese Eigenschaften ergeben sich durch das Produktionsverfahren und weil bei diesem nur hochwertige Rohstoffe verwendet werden können.
Der einzige Vorteil bei einer Castfolie ist, dass sie eine gute Reißfestigkeit in der Längsrichtung besitzt. Objektiv betrachtet, müsste eine Castfolie 8 - 10 Euro pro Rolle günstiger sein, um mit einer mittelmäßigen Blasfolie wirtschaftlich mithalten zu können.

Wie viele Lagen muss eine Folie haben?

Folien können mit unterschiedlich vielen Lagen produziert werden. Die Dicke hängt nicht mit den Lagen zusammen. Das heißt, dass Stretchfolien mit 25 µ aus 1, 3, 5 oder 7 Lagen bestehen können:
  • 3 Schichten sind das Minimum.
  • 3 oder 5 Schichten sind Stand der Technik.
  • 7 Schichten sind inzwischen auch möglich, bieten aber am Ballen keinen Vorteil gegenüber 5-Schicht-Folien.
  • Von einschichtigen Folien ist abzuraten, da nur ab 3 Schichten die „Aufgabenteilung“ unter den Schichten möglich ist.
Die beiden äußeren Schichten sind für Kleber, Farbe und UV-Schutz verantwortlich und die mittlere für die Gasdichtheit und für die mechanische Stärke. Durch diese Aufteilung werden alle Eigenschaften optimal erfüllt.

Wie dick soll die Stretchfolie sein?

Standard sind 25µ. Haben „750er“ Rollen mehr als 1.500 lm, ist eine Dickenreduzierung der Folie gegeben. So sind inzwischen alle Dicken zwischen 25µ und 19µ zu bekommen. Hier muss unterschieden werden, ob eine Folie nur dünner produziert oder in einem zweiten Verfahrensschritt im Werk verdichtet wurde. Auf diesen Technologieunterschied ist bei der Auswahl einer Folie ebenfalls zu achten.

Wie kleben die Folien am besten?

Es gibt unterschiedliche Kleber-Technologien auf der Stretchfolie. Folien, bei denen der Kleber vor dem Aufrollen aufgespritzt wird, haben eine schwa che Klebeleistung. Bei den meisten Folien wird der Kleber während der Extrusion eingebracht. Er lagert sich an der Oberfläche an. Jedenfalls entsteht durch den eben beschriebenen PIB-Kleber das typische „Sausen“ beim Wickeln.
Andere Kleber wiederum sind beim Wickeln sehr leise, arbeiten aber nach demselben Prinzip. Wichtig ist, die Rollen des Vorstreckers sauber zu halten und beim Wechsel zwischen Folien mit unterschiedlichen Klebertypen zu reinigen.

Vermeiden Sie zu starke Staubentwicklung beim Wickeln, damit die Klebeeigenschaften der Stretchfolie nicht beeinflusst werden. Dies kann bei Press-Wickel-Kombis manchmal ein Problem sein. Will man die Klebeeigenschaften am Ballen überprüfen, muss nach dem Wickeln zumindest 30 min. gewartet werden, damit sich die Folienlagen richtig verkleben können.

Welcher Kleber verwendet wird, ist mehr subjektiv und kann – wie beschrieben – praktisch frei gewählt werden.

Weitere Schritte – die Feinheiten klären

Ist geklärt,
  • welches Produktionsverfahren,
  • wie viele Lagen die Folie haben soll sowie
  • welche Dicke und welchen Kleber die Folie haben soll, werden wahrscheinlich nur mehr wenige Folientypen zur engeren Auswahl stehen.
Jetzt sollte man Details klären:
  • Die Farbe ist bei Stretchfolien bezüglich Erwärmung von Bedeutung. Dass die Folie gut deckend eingefärbt ist, ist Voraussetzung, alleine schon deswegen, weil durchscheinendes Futter die Ballen für Vögel interessant macht. Es sollte eine helle Farbe gewählt werden, damit die Erwärmung gering bleibt. Schattige Lagerung ist zu bevorzugen. Ob Weiß oder Hellgrün macht für die Erwärmung keinen wesentlichen Unterschied. Hellgrün hat sich gegenüber Weiß am österreichischen Markt durchgesetzt.
  • Der Kern der Rolle kann aus Kunststoff oder Karton sein. Gute Kartonkerne können höhere Festigkeitswerte als Kunststoffkerne haben, sind zudem gut feuchtigkeitsbeständig. Kunststoffkerne sind absolut unempfindlich gegen Feuchtigkeit. Zu beachten gilt die Endverarbeitung, z.B. sind abgeschrägte Kanten beim Rollenwechsel von Vorteil. Billige Kartonkerne können Probleme hervorrufen, da sie bei feuchter Witterung schnell weich werden und nur eine geringe Festigkeit haben.
  • Verpackung ist nur ein Randthema. Gerade für Betriebe, die einige Paletten Stretchfolie verbrauchen, kann es von Vorteil sein, Stretchfoile mit verringerter Verpackung zu kaufen. Hier können Kosten sowie Entsorgungsaufwand verringert werden. Es muss aber möglich sein, die Paletten bis zum Wickler als Gesamtes zu transportieren.
  • Lieferfähigkeit bzw. die Verfügbarkeit der Ware zum richtigen Zeitpunkt ist entscheidend. Es sollte selbstverständlich sein, dass die Typen Stretchfolie welche bestellt wurden, auch rechtzeitig geliefert werden.

Praxis-Tipp: Ersparnis bei der Silo-Folie kann teuer werden

Johannes Rötzer[1390201924658984.jpg]
© RWA
Nehmen Sie sich beim Folienkauf Zeit und lassen Sie sich in Ihrem Lagerhaus beraten. Auf den Ballen gerechnet, ist der Unterschied zwischen „Billig“ und „Premium“ oft nur wenige Cent. Der Futterwert eines Ballen liegt aber im 2-stelligen Eurobereich. Die Probleme, die bei schlechter Folienqualität entstehen können, sind wesentlich gravierender als der vorhergehende Einkaufsvorteil. Sie können auch nachträglich nichts mehr reparieren, wenn ihr Futter verschimmelt ist, weil die UV-Stabilität oder die Gasdichte nicht gegeben waren. Reklamationen sind oft zwecklos, da der Nachweis meistens sehr schwer zu erbringen ist. Zudem können auch Atmungsverluste ohne Schimmelbildung auftreten, die dann gar nicht erkannt werden. Speziell in futterknappen Jahren ist jeder Ballen, der entsorgt werden muss, einer zu viel. Schützen Sie Ihr Futter bestmöglich. Bestes Grundfutter ist für den wirtschaftlichen Erfolg die Grundlage.

Nehmen Sie sich beim Folienkauf Zeit und lassen Sie sich in Ihrem Lagerhaus beraten.

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Autor:
Ing. Johannes Rötzer, RWA