US-Weizen sackt auf Fünf-Monate-Tief ab und steckt Europa an

Pariser Weizenfutures startet stotternd - ruhige Restvermarktung und gute Bestände im Inland.

Wien, 6. März 2015 (aiz.info). - Die internationalen Getreide-Terminmärkte standen diese Woche im Zeichen des Absackens der Weizenkurse in den USA auf ein Fünf-Monate-Tief, wovon auch Europa angesteckt wurde, und von einem Nachgeben des Sojakomplexes, nachdem die bisher verzögerte Rekordernte in Südamerika nun doch allmählich die Märkte zu überschwemmen beginnt. Der Preisbildung für die neue Weizenernte fehlen die Impulse "schlechter Nachrichten", die Wintersaaten entwickeln sich in "Problemregionen" wie Russland oder USA offensichtlich doch besser als bisher geargwöhnt worden war. Sorgen bereitet am Schwarzen Meer jedoch die extrem teurer gewordene Betriebsmittelbeschaffung. So sollen Düngemittelimporte für ukrainische Produzenten kaum mehr finanzierbar sein. An der Euronext in Paris ging am Montag der neue Weizenfutures No. 3 mit einer Protein- und Fallzahlgarantie an den Start und kam aber nur stotternd vom Fleck, weil er vom Markt bisher kaum angenommen wird. In Österreich indes läuft die Restvermarktung der Weizenernte 2014 ruhig und unaufgeregt weiter. Auch hierzulande sollen die Bestände gut über den Winter gekommen sein und können auch noch auf ausreichend Winterfeuchtigkeit bauen.

Weil der US-Dollar diese Woche gegenüber dem Euro auf seinen höchsten Wert seit mehr als elf Jahren kletterte, verliert US-amerikanischer Weizen am Weltmarkt weiter an Wettbewerbsfähigkeit, weil er gegenüber europäischem, in Euro verrechnetem zu teuer ist. Die schlechten Exportaussichten der amerikanischen Anbieter drückten dieser Tage die Weizennotierungen an der CBoT in Chicago auf ihren niedrigsten Stand seit fünf Monaten. Dies steckte zwar auch die Mahlweizennotierung an der Euronext in Paris in der Tendenz an, mit aber immer noch rund 182 Euro/t freitagmittags für den März-Liefertermin des Kontrakts No. 2 bleiben sie vergleichsweise dennoch fest und halbwegs innerhalb der in den vergangenen Wochen eingehaltenen Bandbreite. Rechnet man die Euronext-Notierungen in die Leitwährung am Getreideweltmarkt, den US-Dollar, um, so zeige sich laut Analysten, dass Weizen aus der EU mit 201,46 USD/t zurzeit der preislich attraktivste am Markt ist.

Die US-Exporteure würden aktuell auch Sorgen plagen, dass ihr Weizen aus der Problem-Ernte 2014 wegen der Funde erhöhter Vomitoxin-Werte noch weniger Käuferinteresse finden könnte. Dennoch brachten es die USA in der abgelaufenen Woche auf fast 508.000 t Weizenausfuhren. Die EU blieb mit frischen Exportlizenzen für 505.000 t Weichweizen zwar etwas dahinter und auch hinter den Zahlen der vergangenen Wochen von jeweils mehr als 900.000 t, der insgesamt in der Saison 2014/15 brummende Exportmotor zieht aber auch die Preise mit. Zurzeit spannen noch die Exportverladungen älterer Kontrakte in den europäischen Häfen die Logistik bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit an. Und diese Woche kamen nach einer Phase mit weniger frischen Abschlüssen auch wieder gute Nachrichten aus dem Iran. Nach Wochen der Absenz am Weltmarkt kauften am Donnerstag private iranische Importeure wieder 85.000 t Weizen. Davon stammen 60.000 zur Verschiffung im März bestimmt aus Deutschland und dem Baltikum; der Rest offensichtlich vom Schwarzen Meer. Laut Agenturmeldungen sollen die Marktpreise für Weizen im Iran aufgrund des staatlichen Stützungsregimes aktuell bei etwa 330 USD/t (298,13 Euro) liegen. Beobachter rechnen, dass dem aktuellen Weizentender bald weitere folgen werden, weil die über Weltmarktniveau gehaltenen iranischen Binnenmarktpreise Einfuhren attraktiv machen. Der Iran versorgt sich mit solchen Weizeneinfuhren nicht nur selbst, sondern auch eine Exportvermahlung von rund 150.000 t Weizenmehl pro Monat. Daraus beliefert man Länder wie den Irak, Afghanistan, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golf-Staaten.

Pariser Weizenfutures startet nur stotternd - Markt bleibt weiterhin auf "alten" Futures fixiert

Der neue "Premium-Weizenfutures" No. 3 mit einer Protein- und Fallzahlgarantie (11% bzw. 220 sec.) startete am Montag mit dem ersten Liefertermin September 2015 in den Handel an der Euronext in Paris, kam aber nur stotternd vom Fleck. Bis Freitag mittag wurden lediglich 263 Positionen (50 t/Kontrakt, d.h. 13.150 t) für die Liefermonate September und Dezember 2015 eingegangen, davon die Mehrzahl an den ersten beiden Handelstagen offensichtlich als Promotion durch der Börse nahestehende Händler. Mit Prämien von vier bis fünf Euro pro Tonne auf den bisherigen Kontrakt gebe er wenigstens eine plausible Preisdifferenz wieder. Der Markt bleibt damit weiterhin auf "alten" Futures No. 2 fixiert.

Offensichtlich steht dahinter die Überlegung der Branche, dass in Europa nur ein Futures die nötige Liquidität erreichen könne, um damit als aussagekräftiges Preissicherungsinstrument fungieren zu können. Zudem heißt es im heimischen Handel, dass aufgrund der Festlegung der Euronext vom vorigen Herbst, auch den alten Futures No. 2 ab dem September-Kontrakt 2017 mit der selben Protein- und Fallzahlgarantie wie der No. 3 zu versehen, das der neue Kontrakt damit quasi "doppelt gemoppelt" wäre. Die beiden Kontrakte würden sich dann nur mehr durch den größeren Kreis der Erfüllungsorte beim neuen unterscheiden. Nachdem dies aber auch nur Exporthäfen in Frankreich und nicht - wie wiederholt gefordert - auch Silos in Mitteleuropa sind, scheint dies auch kein Asset zu sein.

Die Einführung von Mindestkriterien von Eiweiß und Fallzahl für einen europäischen Mahlweizenfutures kam eigentlich erst so richtig in Gang, als aus der qualitativ schlechten Weizenernte Frankreichs 2014 das Szenario drohte, dass an der Euronext abgeschlossene Mahlweizenkontrakte physisch durch bis dahin akzeptierte, weniger wertvolle Futterweizenqualitäten erfüllt werden könnten. Der Kurs des Kontrakts geriet damit in Geruch, lediglich den Wert von Futter- und nicht von mahlfähiger Ware abzubilden. Heimische Händler merken nun süffisant an, dem neuen Mahlweizenfutures No. 3 könne daher bestenfalls eine neuerlich mit Fallzahl- und Proteinproblemen behaftete Weizenernte in Frankreich auf die Sprünge helfen. Mit Skepsis blickt man daher auch der kolportierten bevorstehenden Einführung eines in Euro gehandelten Europäischen Mahlweizenfutures der von der CME-Gruppe (Betreiber der Chicago Board of Trade, CBoT) in Chicago entgegen. Denn mit dem Vernehmen nach Mindestkriterien von 10,50% Protein und 180 sec. Fallzahl entsprächen dessen Spezifikation auch nur einer Futterweizensortierung.

Österreich: Ruhige Restvermarktung - Weizenpreise ohne grobe Veränderung

Die Preisbewegungen am österreichischen Getreide-Kassamarkt halten sich weiterhin bei sehr ruhigem Verlauf des Restgeschäftes in engen Bandbreiten. Eigentlich schielt der Markt schon mehr auf die kommende Ernte 2015 als auf die als "gegessen" geltende Ernte 2014. Und hier fehlen für den Start größerer Aktivitäten noch zündende Funken, die den Preisgestaltungen eine eindeutige Richtung geben könnten.

Die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien notierte daher die Brotweizen am Mittwoch dieser Woche neuerlich ohne gröbere Veränderungen, wobei auch mal wieder mit Premiumweizen (215 Euro/t, zuletzt am 11. Februar: 217 Euro/t) gehandelt worden war und sowohl dieses Top-Segment als auch Qualitätsweizen mit unverändert durchschnittlich 203 Euro/t ihre deutlichen Prämien gegenüber den Euronext-Kursen in Paris verteidigen konnten. Beim Mahlweizen gab lediglich die untere Notierung um zehn Euro nach, während sich aber die obere bei 180 Euro/t hielt und der Schnitt somit um fünf Euro auf 172,50 Euro/t fiel.

Beim Futtergetreide setzte sich der Abwärtstrend aus der Vorwoche fort und ebenso verbilligten sich sowohl Sojaschroteinfuhren als auch solcher aus heimischem Anbau. Die Bestände hierzulande seien ebenfalls gut über den Winter gekommen und könnten auch in den kommenden Wochen von ausreichend Winterfeuchtigkeit zehren.