Potenzial moderner Weizensorten

Viele Landwirte klagen nach der heurigen Getreideernte über Probleme mit dem Proteingehalt. Moderne Sorten bieten jedoch dafür großes Potenzial: Ein Interview mit dem „Pflanzen- und Klimadetektiv“ Hans Hieger.

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Der Versuchslandwirt Hans Hieger ist jeden Tag am Feld, um das aktuelle Wetter und den Wuchs gewissenhaft zu dokumentieren © RWA
Hans Hieger ist Versuchslandwirt von Die Saat in Diendorf bei St. Pölten (NÖ) und damit seit 25 Jahre ein wichtiger Partner bei der Die Saat-Sortenentwicklung. Interesse, das Wissen über Pflanzenproduktion und die Zusammenhänge der Pflanzenernährung haben Hans Hieger in allen Bereiche der Pflanzenproduktion zum Versuchslandwirt werden lassen. Dünger- und Pflanzenschutzversuche sind am Betrieb genauso zu bewundern wie Aufzeichnungen über Klima- und Wuchsdaten der letzten 35 Jahre.

Was war das Spezielle im Pflanzenbaujahr 2014?

Die Trockenheit im Frühjahr – wir hatten von Jänner bis Ende März lediglich 29 mm Niederschlag – dann zum richtigen Vegetationsbeginn ist der passende Regen gekommen. Im April mit 39 mm und vor allem im Mai 98 mm.

Wie schaffen Sie sowohl Höchsterträge als auch gute Qualität mit über 14 % Protein in TS?

Ein wichtiger Faktor ist die Schweinegülle. Ich habe auf jeden meiner Felder jährlich rund 17 Kubikmeter verdünnte Gülle (ca. 1,5 % Stickstoff). Diese wird auf das Maisstroh aufgebracht und eingepflügt. Nach meiner Meinung ist das Pflügen besonders wichtig für die Pflanzenvitalität.

Meine Strategie bei der Aussaat ist, nicht zu dicht zu säen. 300 Körner je Quadratmeter sind meine Obergrenze und variiert je nach Sortentyp. Die erste Düngergabe gebe ich im Stadium 22 (beginnende Bestockung). Heuer war dies der 7. März 2014 mit rund 90 Kilo Stickstoff und für mich ein Erfolgsfaktor der Schwefelanteil von rund 40 Kilo pro Hektar im Dünger.

Mein besonderes Augenmerk gilt der Bittersalzspritzung – diese ist auf meinem Betrieb nun schon seit 25 Jahren Standard. Im Stadium 32 (2 Kontenstadium) bringe ich 25 Kilo pro Hektar Bittersalz Epsotop aus und kombiniere diese Spritzung mit 0,4 Liter Modus zur Verbesserung der Standfestigkeit. Heuer war dies am 22. April 2014. Ich verzichte damit aber auf meine zweite Stickstoff-Düngergabe.

Der Fachvortrag (lesen Sie mehr darüber im Artikel "Nährstoffe und Trockenstress") von Prof. Dr. Cakmak in St. Pölten am 8. August 2014, organisiert von Die Saat, hat meine Meinung voll und ganz bestätigt: Magnesium verbessert und sichert den Nährstofftransport in der Pflanze. Die Qualitätsdüngung erfolgt im Hinblick auf meine Ertragserwartung mit 70 Kilo Stickstoff pro Hektar zu Beginn des Ährenschiebens. Heuer war dies der 22. Mai 2014.

Durch die besondere Bodengüte auf meinem Betrieb von durchschnittlich 88 Bodenpunkten liegt meine Erwartung für den Ertrag bei mehr als 8.000 Kilo pro Hektar.

Welche besonderen Maßnahmen setzen Sie im Pflanzenschutz?

Neben einer Herbizid Standardmaßnahme war im Jahr 2014 der zweimalige Fungizid-Einsatz wegen der Gelbrostgefahr entscheidend.

Wie war der Bestand vor der Ernte?

Ich strebe im Idealfall zw. 580 bis 650 Ähren je Quadratmeter an. Höhere Bestandesdichten gefährden Gesundheit und Standfestigkeit. Heuer hatte ich als Beispiel bei den Qualitätsweizensorten Lennox 699 Ähren, bei Norenos 612 Ähren und bei der Futterweizensorte Hewitt 560 Ähren am Quadratmeter.

Wie waren nun die Erträge auf Ihrem Betrieb?

Am Beispiel vom Futterweizen Hewitt hatte ich einen Durchschnittsertrag von 11.160 Kilo pro Hektar. Es zeigte sich deutlich, dass die Parzelle mit 25 Kilo Bittersalz um rund 787 Kilo mehr Ertrag und mit 12,7 % um rund 1,3 % mehr Proteingehalt gegenüber der Parzelle ohne Bittersalz brachte. Bei den Qualitätsweizen habe ich mit der Sorte Lennox einen Ertrag von 9.770 Kilo bei 14,9 Prozent Protein erzielt und mit Norenos einen Ertrag von 10.880 Kilo sowie einen Proteingehalt von 13,6 %. Auch die Sorte Energo mit 8.880 Kilo Ertrag und 15,5 %t Protein hat mich begeistert.

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