VÖM fordert wirksame Entlastungsmaßnahmen für den Milchmarkt

Petschar: International schwierige Marktentwicklung auch in Österreich spürbar.

Wien, 20. Juli 2015 (aiz.info). - Angesichts der Verlängerung des Russland-Embargos sowie der schwierigen Marktlage in China und auf anderen Exportmärkten seien zur Stabilisierung des Milchmarktes politische Maßnahmen notwendig, stellt der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, in einer Aussendung fest. International habe das einen beträchtlichen Preisrutsch ausgelöst, der auch in Österreich bemerkbar sei. Die heimischen Verarbeiter hätten die Preisrückgänge zwar etwas abgefedert, für die Milchwirtschaft seien sie aber dennoch eine große Herausforderung, führt der VÖM-Direktor weiter aus und richtet an Bundesminister Andrä Rupprechter die Aufforderung, auf EU-Ebene eine Anpassung des Interventionspreises und einen Verzicht auf die Einhebung der Superabgabe für das abgelaufene Milchwirtschaftsjahr durchzusetzen. "Zu viel Zeit ist hier verloren gegangen, ohne den Milchbauern wirksam zu helfen."

Der Interventionspreis verharrt seit mehr als einem Jahrzehnt bei 21 Cent. Die Forderung des zuständigen EU-Agrarkommissars Phil Hogan, die Milchwirtschaft solle die Produktion entsprechend reduzieren, sei in dieser Situation als "zynisch" zu bewerten, so der VÖM-Präsident. Zusätzlich werden die österreichischen Milchbauern mit der bald fälligen Superabgabe in Höhe von 47 Mio. Euro für das abgelaufene Milchwirtschaftsjahr 2014/15 belastet, die sie nach Brüssel abführen müssen.

Nicht nachvollziehbar sei es, dass die Agrarminister angesichts der derzeitigen Marktsituation die Forderung, diese Summe dem Milchsektor zugute kommen zu lassen, bei der Kommission noch nicht durchsetzt konnten, unterstreicht Petschar. "Das Geld sollte in der Milchwirtschaft bleiben und zur Stärkung der Betriebe verwendet werden." Nicht nachvollziehbar ist für den VÖM-Präsidenten weiters die Aufforderung von Minister Rupprechter an die heimischen Molkereien, die Ausfuhren nach China zu erhöhen. "Die Exportquote der Milchwirtschaft beträgt rund 50%, die Märkte werden nach den bestmöglichen Verwertungen ausgewählt, die Marktlage in der Volksrepublik ist im Augenblick jedoch äußerst schwierig. Die wichtigste Aufgabe unserer Molkereien ist es, die Milch der Bauern bestmöglich zu verwerten, um daraus ein entsprechendes Milchgeld zu bezahlen", verweist Petschar auf die heimischen Erzeugerpreise, die trotz höherer Kosten der Verarbeiter über den Vergleichswerten aus Deutschland, Bayern oder dem EU-Durchschnitt liegen.

Gefordert sieht Petschar auch den österreichischen Handel sowie Gastronomie und Hotellerie, wenn es darum geht die hohe heimische Qualität entsprechend zu entlohnen. Hier seien die Hausaufgaben ebenfalls noch zu machen. "Es nicht fair, ständig von Regionalität und höheren Qualitäten zu sprechen, diese aber nicht abzugelten", so der VÖM-Präsident abschließend.