Weizenmarkt zwischen bearisher US-Stimmung und bullishem EU-Exportboom

Nachfrage in Österreich ruhig - USA blitzen mit ihrem Weizen in Ägypten ab.

Wien, 20. Februar 2015 (aiz.info). - Die Stimmung an den internationalen Weizenterminmärkten ist hin- und hergerissen zwischen dem bearishen Moment, das vom lahmenden Export der USA wegen der zu hohen Preise von US-Weizen geprägt ist, und dem bullishen Moment, das von den florierenden Ausfuhren der EU ihres am Weltmarkt zurzeit konkurrenzlos wettbewerbsfähigen Weizens getragen wird. Je nachdem, welche dieser Stimmungen gerade an den Warenterminbörsen antizipiert wurde, ging es ausgehend von der CBoT in Chicago diese Woche mit dem europäischen Weizenfutures an der Euronext abwärts oder mit frischen Export-News wieder aufwärts. Die Bandbreite der Euronext-Weizenschlusskurse bewegte sich für den vordersten Termin, den März 2015, hinauf auf 188,75 Euro/t am Montag, dann wieder hinunter bis 185,75 Euro/t am Mittwoch und am Donnerstag wieder rauf auf 187,25 Euro/t. Am Freitagmittag bewegte sich der Pariser Märzweizenkontrakt bei knapp 187 Euro/t. Für einen nachhaltig nach oben weisenden Preistrend fehlten die "Bad News" zur kommenden Ernten 2015, heißt es im Handel. Am österreichischen Kassamarkt blieben die Nachfrage ruhig und die am Wiener Kursblatt verbliebenen Qualitäts- und Mahlweizennotierungen im nicht signifikant auf eine Trendwende hinweisenden hellroten Bereich mit einem Minus zwischen 1,50 und 3,50 Euro/t.

Exporteure zogen in der abgelaufenen Woche Lizenzen für den Export von 896.000 t Weizen aus der EU. Wie es aus europäischen Händlerkreisen heißt, stütze die Aufkauftätigkeit von Ware für die bis zumindest März laufende rege Exportverladung bereits in der Vergangenheit geschlossener Kontrakte auch die Kassamarktpreise in den Exporthäfen, während neue Kontrakte nunmehr zögerlicher nachgefragt würden. Gefordert sei angesichts der großen Mengen dabei vor allem die Logistik. "Die EU verzeichnet eine gute Exportsaison auf Kosten der USA, Russlands und der Ukraine; und das Ende ist noch nicht in Sicht", zitiert Reuters einen deutschen Händler.

USA blitzen mit ihrem Weizen in Ägypten ab - die EU macht das Geschäft

Bullish wirkten sich die Woche aber ein Importtender Algeriens über 400.000 t Weizen beliebiger Herkunft, von denen aber der Löwenanteil aus der EU stammen soll, sowie ein Zuschlag der staatlichen ägyptischen GASC über 240.000 t aus Frankreich und Rumänien aus. Frankreich kam dabei als mit Abstand billigster Anbieter mit drei Parteien zu je 60.000 t zum Zug. Die fob-Preise bewegen sich nach Agenturmeldungen von 224,74 USD (197,37 Euro) über 226,64 USD (199,34 Euro) bis zu 227,68 USD (199,95 Euro) jeweils pro Tonne. Der rumänische Weizen kam noch mit 234,84 USD (206,24 Euro) zum Zug, weil von dieser Herkunft die Transportkosten von 8,15 USD (7,16 Euro)/t doch noch unter jenen aus den französischen Häfen von 12,73 USD (11,18 Euro) bis 13,10 USD (11,50 Euro)/t ausmachen.

Selbst ukrainischer Weizen konnte mit einem Offert für 235 USD (206,38 Euro)/t fob nicht mithalten. Soft Red Winter aus den USA blieb mit einem Preis von 267,51 USD (234,93 Euro)/t fob und den höheren Transportkosten vom Golf von Mexiko ins Land am Nil zwischen umgerechnet 18 und fast 21 Euro/t weit abgeschlagen. Damit half den Amerikanern auch ihr Kreditangebot an Ägypten über 100 Mio. USD (87,82 Mio. Euro) nichts. Sie blitzten mit ihrem zu teuren Weizen bei den preisbewussten ägyptischen Einkäufern ab.

Ägypten rollte den französischen Weizenlieferanten nach dem Ausfall Russlands in Folge seiner ab Februar erhobenen Exportsteuer sogar noch weiter den roten Teppich aus. Das Handelsministerium in Kairo gab nämlich am Donnerstag bekannt, die Sonderbestimmung, wonach es für Weizeneinfuhren einen maximalen Feuchtigkeitsgehalt von 13,50% erlaube, um weitere sechs Monate zu verlängern. Dies gilt als Lex Frankreich und hält es trotz der gegenüber dem Mitbewerb oftmals höheren Feuchtigkeitsgehalte seiner Weizen weiterhin im Geschäft.

EU exportiert zurzeit auch Gerste und Mais - Entspannung auch für heimischen Markt

Aber auch die Ausfuhren von Gerste aus der Union brummen; mit Exportlizenzen in der vergangenen Woche für 376.000 t summiert sich der EU-Gerstenexport im laufenden Wirtschaftsjahr auf 5,9 Mio. t, was ein Plus von etwa 1 Mio. t zum Vorjahresvergleichszeitraum bedeutet. Dem Vernehmen nach soll jüngst auch Mais aus dem östlichen Mitteleuropa trotz teilweiser Mykotoxinbelastung in Drittländer abgeflossen sein. Auch dieses Faktum nährt hierzulande den zunehmenden Eindruck, dass sich am Maismarkt der ursprünglich befürchtete Mengendruck halbwegs in Wohlgefallen aufzulösen scheint.

Kommen die für einen festeren Preistrend notwendigen Bad News aus Russland?

Die jüngsten Winterstürme im Osten der USA mit ungewöhnlicher Kälte, die sich auch in den Weizengürtel der Plains ziehen sollte, erwiesen sich für den Weizenterminmarkt an der CBoT nur kurzeitig als jene "Bad News", die einen Trend zu festeren Preisen auslösen könnten. Die Seifenblase befürchteter größerer Auswinterungsverluste in den Vereinigten Staaten platzte nämlich bald wieder.

Kommen diese nun aus Russland? So lautet die aktuelle Fragestellung an den Märkten: denn dort steht es laut dem Agrarministerium in Moskau schlecht um den Zustand der Wintersaaten; 3,6 Mio. ha stünden auf der Kippe. Ihr Ertrag aus der kommenden Ernte 2015 könnte demnach um 40% hinter den des Vorjahres - von 48 Mio. t auf 28 bis 30 Mio. t - zurückfallen. Der Großteil von Russlands Weizenexport entfällt auf Winterungen. Der Absturz des Rubels, wodurch notwendige Einfuhren von Saatgut, Pflanzenschutz- und anderen Betriebsmitteln teurer wurden, sowie die Kreditklemme durch hohe Zinsen trüben die Aussichten für die kommende Ernte insgesamt. So soll die Fläche von Sommerungen gegenüber 2014 um 2,2% auf 31,7 Mio. ha eingeschränkt werden müssen. Anfang Februar schon sprach das Ministerium davon, dass 21% der Wintersaaten in schlechtem Zustand seien und die Ernte Russlands nach dem Rekord von 104 Mio. t im Vorjahr heuer vielleicht sogar nur 85 Mio. t erreichen könnte.

In den kommenden Monaten preisbestimmend - für die alte und neue Ernte - sind auch die Schätzungen über das Anbauverhalten der Landwirte. Das US-Landwirtschaftsministerium veröffentlichte dazu Schätzungen, dass die Farmer in den USA im Frühjahr offensichtlich weniger Ackerfläche mit Sojabohnen bestellen würden als vom Markt erwartet worden war. Der Sojakomplex an der CBoT erholte sich darauf nach einem kurzeitigen Einknicken durch Gewinnmitnahmen auf sein zuvor festes Niveau. Auch Raps an der Euronext zeigt sich bei nur kleinen Schwankungen stabil bei gut 357 Euro/t für den Liefertermin Mai 2015. Das Match um die Flächen dürfte damit Mais gewinnen, von dem mit einem leichten Flächenminus von 1,8% gegenüber 2014 doch mehr als erwartet ausgesät werden solle. Dies konnte aber dem Maiskurs an der CBoT auch kaum was anhaben. An Weizen sollen die Farmer um 2,3% weniger anbauen als zur letzten Ernte.

Nachfrage am österreichischen Kassamarkt verflacht

Am physischen Markt für Getreide in Österreich hat sich über die Woche praktisch nichts Neues getan. Die Nachfrage nach Qualitäts- und Premiumweizen verflachte zuletzt, da sowohl die Mühlen mit den hohen Qualitäten schon lange gedeckt sind und auch die Anbieter nur mehr auf Restmengen sitzen. Wenn Premiumweizen noch gesucht werde, dann punktuell, in kleinen Mengen und zu "Liebhaberpreisen", so ein Händler.

Dementsprechend nahm die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien am Mittwoch dieser Woche die Notierung von Premiumweizen mangels frischer Umsätze vom Kursblatt. Die verbliebenen Notierungen für Mahl- und Qualitätsweizen gaben zwischen 1,50 und 3,50 Euro/t nach, wobei der Qualitätsweizen sich im Durchschnitt zwischen unterer (197 Euro) und oberer Notierung (208 Euro) nach wie vor über der Marke von 200 Euro/t sowie einen Qualitätsaufschlag von fast 16 Euro/t zum Mahlweizenkurs an der Euronext in Paris hält. Mahlweizen notierte mit 175 bis 178 Euro/t.

Spürbar schwächer als zuletzt Anfang Dezember 2014 schaffte mit 148 Euro/t Mahlroggen auch wieder den Sprung auf das Wiener Kursblatt. Ebenfalls etwas unter die Letztnotierung von Anfang Februar rutschte heimischer Futtermais auf 122 bis 124 Euro/t ab, der noch den Empfehlungen der EU-Kommission zu den Richtwerten für Mykotoxinbelastung entspricht. Neuerlich legten allerdings die Preise für Futterweizen auf 175 Euro/t zu - diesmal für solchen von Einfuhren aus dem EU-Raum und CPT frachtfrei österreichische Empfangsstation.