Weizennotierungen grundeln nahe Kontrakttiefs

IGC hebt globale Ernte- und Endbestandsprognose 2015/16 an.

Wien, 26. Februar 2016 (aiz.info). - Die Stimmung auf den Getreidemärkten bleibt gedrückt. Ägypten, der weltgrößte Weizenimporteur mit jährlich rund 10 Mio. t, ist zwar wieder zu den international üblichen Handelsusancen von 0,05% Toleranzgrenze beim Mutterkorn zurückgekehrt. Es konnte in der abgelaufenen Woche zwei Weizentender befüllen ebenso wie die EU mit Exportlizenzen für 761.000 t Weichweizen diese Woche auch wieder kräftig ausführen konnte. Die allgemeine Katerstimmung als Folge von zu viel Angebot und Sorge um die Weltwirtschaft scheint sich aber in der auslaufenden Saison demnach nicht mehr so leicht vertreiben zu lassen. Die Weizenfutures an der Euronext in Paris grundelten die meiste Zeit der Woche auf Kontrakttiefs.

Der Donnerstag-Schlusskurs des Pariser März-Mahlweizenkontrakts von 145,75 Euro/t bedeutet einen Verlust von 27,5% zu der am 1. Juli verzeichneten Saisonspitze von 201 Euro/t für den jeweiligen Frontmonat. Die Trends von den internationalen Märkten sind jetzt auch am österreichischen Kassamarkt vollends angekommen, auch wenn man sich hierzulande bislang und gerne auf einer Insel der Seligen wähnte, wie es quer durch die Branche heißt. So knickte am Mittwoch die Notierung von Premiumweizen an der Wiener Produktenbörse nach einer Woche des Aussetzens gleich um 7 Euro/t ein. 186 Euro/t sind - im Vergleich zur Euronext - aber noch ein moderater Verlust von 9% gegenüber der am am 14. Oktober 2015 notierten Saisonspitze von 204,50 Euro pro t.

Ohne preisstabilisierende Wirkung bleiben daher noch Warnungen des EU-Agrarwetterdienstes MARS, in der Ukraine sei ein Drittel der Winterungen Forstgefahr ausgesetzt, oder Schätzungen der Stellen in Kiew, die Getreideernte 2016 werde mit 52,2 Mio. t um 10% kleiner ausfallen als 2015. Die Weizenproduktion der Kornkammer am Schwarzen Meer könnte demnach gar um 30% von 24,8 Mio. t auf 17,3 Mio. t einbrechen.

IGC hebt globale Ernte- und Endbestandsprognose 2015/16 an

Der Internationale Getreiderat (IGC) mit Sitz in London hebt in seinem am Donnerstag veröffentlichten Februar-Getreidemarktbericht gegenüber der letzten Ausgabe vom Jänner 2016 die Prognose für die gesamte weltweite Getreideproduktion (ohne Reis) um 10 Mio. t auf 2.002 Mio. t an. Dieser dritte Wert über 2 Mrd. t in Folge liegt nur 1,8% unter dem Vorjahresrekord. Die Anhebung der Prognose geht fast zur Gänze auf eine höher angesetzte Maisernte zurück. Leicht, um 2 Mio. t, setzt der Rat auch den Verbrauch auf 1.986 Mio. t nach oben. Diese Revision resultiert aus mehr Verfütterung von Mais und Gerste. Im Vergleich zum Rekordjahr 2014/15 geht der globale Getreidekonsum 2015/16 jedoch um 0,8% zurück, vor allem weil die Verfütterung um 1,4% abfällt, während der menschliche Konsum um 0,3% und die industrielle Verarbeitung um 0,9% wachsen. In Summe der Bilanz hebt der IGC die Aussicht für die Getreideendlager 2015/16 zum Jänner um 10 Mio. t auf 465 Mio. t an; das ist der höchste Getreideberg seit 29 Jahren.

Rekord-Sojabohnenernten, vor allem in Südamerika, lassen auch einen Höchststand der Sojabohnenendlager erwarten, wobei sich die der USA mehr als verdoppeln sollen und China aufgrund umfangreicher Auslagerungen älterer Importware ein Abschmelzen verzeichnet. Um ein Fünftel sollen dagegen die Endbestände von Raps - vor allem in der EU und in Kanada - schrumpfen.

2016/17 weniger Weizen erwartet

Die Welt dürfte mit den kommenden Ernten 2016/17 weniger Weizen, Mais und Gerste einfahren als zuletzt, die reichlichen Überlager federn dieses Minus in den Bilanzen aber ab. Beim Weizen sagen die Londoner Experten ein Produktionsminus von 21 Mio. t voraus. Die Maisanbaufläche 2016/17 sieht der IGC um 1% im Jahresabstand rückläufig, die Erntemenge jedoch leicht im Anstieg. Dieser werde aber durch einen Verbrauchszuwachs kompensiert und die Endlager dürften 2016/17 nur leicht auf immer noch mehr als 200 Mio. t zurückgehen.

Die Märkte haben sich im Jänner auf die bearishen Fundamentals, die Schwäche anderer Rohstoffmärkte sowie die schlechte Stimmung der Weltwirtschaft konzentriert. Der Gesamtindex des IGC für die Preise von Getreide und Ölsaaten (GOI) ging demnach seit Dezember um 2,8% (-16,8% zu 2014/15) zurück, wobei am meisten Sojabohnen mit -4,6% (-20,6% zu 2014/15) und Weizen mit -2,3% (-19,7% im Jahresvergleich) verloren. Der GOI fiel auf seinen tiefsten Stand seit mehr als sieben Jahren.

Rabobank schätzt Weizenendlager der EU auf Zehnjahreshoch

Die Analysten der Rabobank schätzen, dass sich 2015/16 die Weizenendlager der EU gegenüber dem Vorjahr auf mehr als das Doppelte anhäufen und ein Zehnjahreshoch erreichen. Dazu tragen schleppende Exporte bei, die mit weniger als 30 Mio. t die Vorjahresmarke um bis zu einem Fünftel verfehlen. Aktuell liegt die EU nach Kommissionsdaten um 15% zurück. Rabobank verweist in diesem Zusammenhang auf die von Ägypten ausgegangene Verunsicherung der Märkte. Nicht viel besser soll es den US-Amerikanern ergehen. Deren Weizenausfuhren dürften sich - nicht zuletzt wegen der Dollarstärke - zum Vorjahr um 18% verringern und den schlechtesten Wert seit 1971/72 erreichen. Laut Agenturmeldungen bleiben die US-Weizenausfuhren in der abgelaufenen Woche mit 387.900 t neuerlich deutlich, nämlich etwa um die Hälfte, hinter denen der EU zurück.

Auch Russland hat entgegen aller Ankündigungen noch nicht über das weitere Verfahren mit seinen Exportsteuern auf Weizen entschieden. Vorigen Freitag hieß es noch, die Abgaben sollten zumindest für höhere Weizenqualitäten gesenkt oder gegen null gestellt werden. Als Folge der Gerüchte zogen die Exportpreise für Weizen in den russischen Schwarzmeerhäfen an.

Damit war bei den jüngsten beiden Importausschreibungen der ägyptischen Getreidebehörde GASC Frankreich billiger als die Konkurrenz vom Schwarzmeer. Vorigen Freitag zogen die französischen Exporteure Zuschläge für 60.000 t Weizen an Land, 180.000 t kauften die Ägypter in Russland. Frankreich bot zu 191,40 USD/t (173,57 Euro) c&f, während die billigste russische Offerte bei 194,50 USD/t (176,39 Euro) c&f lag, obwohl der Transport vom Schwarzen Meer um 1,80 USD/t (1,63 Euro) billiger ist als von Frankreich. In die Anbote war vorige Woche offensichtlich noch eine "Verunsicherungsprämie" betreffend die Mutterkornpolitik Ägyptens einkalkuliert, denn den zweiten Tender konnte die GASC am Donnerstag auf fob-Basis um rund 9,50 USD/t (8,62 Euro) billiger befüllen. Von insgesamt 300.000 t Weizen kommen wiederum 60.000 t aus Frankreich und der Rest verteilt sich auf Argentinien, Rumänien und die Ukraine.

Abwärtstrend der Preise in Österreich fortgesetzt

Qualitäts- und Mahlweizen setzten am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse ihre stete Abwärtsbewegung fort, wobei Mahlweizen nun auch schon unter 150 Euro/t gefallen ist.

Auch wenn die österreichischen Anbieter ihre Ware in dieser Saison bisher noch vergleichsweise gut hätten verkaufen können, mache sich laut Brancheninsidern nun immer stärker bemerkbar, dass auch anderswo relativ viel und gute Qualität auf Lager liege. Damit werden Abgeber und auch Abnehmer immer nervöser, denn die fundamentalen Daten sind nicht geeignet, diese Stimmung zu erhellen. Die einen bekommen es eilig, ihre Ware weiterzubringen, ehe der Preis noch mehr verfällt, die anderen zögern zu kaufen, weil es könnte ja noch billiger werden.

Die Preise halten konnten im Wochenabstand lediglich Durumweizen, Mahlroggen und Futterhafer. Die Preise von inländischem sowie überseeischem Sojaschrot zogen etwas an.