Weizennotierungen in USA und Europa drehten wieder in grünen Bereich

WASDE-Bericht mit wenig Einfluss - Euronext verwirrt - Ende für Weizenfutures No. 2

Wien, 13. März 2015 (aiz.info). - An den Terminmärkten dies- und jenseits des Atlantiks drehten sich die Weizennotierungen diese Woche wieder in den grünen Bereich. Weizen an der CBoT in Chicago erholte sich mit den größten wöchentlichen, mehr als fünfprozentigen Kursgewinnen seit vier Monaten von seinem vorwöchigen Fünf-Monate-Tief. Getragen wurde dies vom Anspringen der Nachfrage nach der Aufmischqualität Hard Red Spring, Short-Covering von Fonds sowie Trockenheit im südlichen Hard Red Winter-Gebiet zum Vegetationsbeginn. Auch die Euronext in Paris zeigte sich in Stimmung. Der mittlerweile als Fronttermin gehandelte Mai-Weizenkontrakt No. 2 könnte mit einem Schlusskurs von 190 Euro/t am Donnerstag und leicht grünen Vorzeichen am Freitagmittag versuchen, aus seinem wochenlang eingehaltenem Preisband zwischen 184 und 190 Euro/t auszubrechen. Er befestigte sich im Wochenabstand um fast 6 Euro. Den europäischen Weizenpreisen kommen die Schwäche des Euro mit einem Zwölf-Jahre-Tief gegenüber dem US-Dollar mit nunmehr nahezu erreichter Parität sowie die zweitbesten Exportdaten der Geschichte zugute. Die EU-Kommission vergab in der Woche bis 11. März Exportlizenzen für 1,59 Mio. t Weichweizen, womit sich die Ausfuhren 2014/15 auf 22,9 Mio. t summieren.

Die USA brachten es in der Berichtswoche bis 5. März auf die nach wie vor nur lustlose Weizenausfuhr von 445.200 t. Davon ließen allerdings die größten Exportdeals von Hard Red Spring seit September 2013 aufhorchen: China orderte 115.000 t des Aufmischweizens und weitere Verschiffungen buchten die Philippinen und Japan.

WASDE-Bericht mit wenig Einfluss - Globale Maisbilanz etwas leichter

Wenig Einfluss auf die Märkte übte diesmal der am Dienstag veröffentlichte März-WASDE-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates) des US-Landwirtschaftsministeriums USDA aus. Die weiterhin sehr komfortable Weizenbilanz wird darin eine Spur leichter und die von Mais spürbarer, während der Bestandsaufbau bei Ölsaaten noch größer als bisher angenommen angesetzt wird. Damit, mit der Beschleunigung der Exportlogistik aus der Ernte in Südamerika sowie mit einem Preisknick bei Palmöl, ließ sich an den Börsen lediglich etwas Druck auf den Sojakomplex sowie auf Raps ableiten.

Das Ressort in Washington setzt im März-Bericht beim Weizen seine globale Ernteprognose für 2014/15 gegenüber dem Februar eine Spur auf 724,76 Mio. t hinunter wie ebenso alle anderen Werte in der Bilanz, so dass sich eine leichte Entspannung auf immer noch komfortablem Versorgungsniveau von 27,67% Endbestand am Verbrauch ergibt. Deutlich entspannter, nämlich mit einer Reduzierung der Endbestandsprognose um 4,36 Mio. t im Vergleich zum Vormonat, sieht der Report nun die globale Maisbilanz 2014/15. Die Ursachen liegen in niedrigeren Endbestandserwartungen in den USA, weil der Export besser als bisher erwartet läuft, sowie in höheren Verbrauchszahlen und einer Rücknahme der Erntemenge in Südafrika. Somit kommt es auch bei Getreide insgesamt zu einer etwas leichteren Bilanz. Schwerer wird sowohl angebotsseitig als auch durch eine etwas verringerte Verbrauchsschätzung die ohnehin wegen der Rekordernten schon zuvor mit 22,78 Mio. t Bestandsaufbau auf fast 24% des Verbrauchs deutlich im Plus liegende Bilanz bei Ölsaaten.

Weiterhin optimistisch sieht der WASDE-Report die Weizenausfuhren aus der EU, die Prognosen für die laufende Saison 2014/15 werden gegenüber dem Vormonat um weitere 500.000 t auf 31,5 Mio. t angehoben.

In die Euphorie über die Wettbewerbsfähigkeit der EU mit Weizen am Weltmarkt und die Eroberung der Nummer eins im Ranking der Ausfuhrnationen mischen sich aber auch warnende Stimmen: Die französische Analyse Strategie Grains spricht davon, ihre Prognose für den weltweiten Weizenhandel 2014/15 um 5 Mio. t reduzieren zu müssen, da kriegerische Handlungen und durch den Preisverfall zurückgegangene Rohöleinnahmen die Nachfrage in der wichtigsten Zuschussregion Nordafrika und Naher Osten einbrechen ließen. Diese ginge vor allem auf Kosten mitteleuropäischer Weizenexporteure, die mit stärkeren Qualitäten die Exportvermahlungen im Iran und in Algerien für die Regionen versorgen. Daher revidiert Strategie Grains die Weizenausfuhren der EU im Monatsabstand um 2,5 Mio. t auf nunmehr 30 Mio. t hinunter. Die französischen Experten gehen damit von schwereren als bisher angenommenen Weizenbilanzen der Union sowohl in 2014/15 als auch 2015/16 sowie einem gewissen künftigen Preisdruck aus. Nachfrageseitig lasse etwa infolge temporärer Werkschließungen in Großbritannien auch die Ethanolverarbeitung nach.

Dementgegen hob wiederum das französische Getreideamt AgriMer dieser Tage seine Exportprognose für Frankreich um 600.000 t auf 10,4 Mio. t an.

Euronext sorgt mit ihren zwei Weizenfutures weiterhin für Verwirrung am Markt

Mit ihrem neuen "Premium-Weizenfutures" No. 3 sorgt die Pariser Warenterminbörse Euronext weiterhin für Verwirrung am Markt. Bekanntlich bringt der neue Kontrakt eine Proteingarantie von 11% und eine für die Fallzahl von 220 sec. Er wird aber von der Branche nicht angenommen, denn nach wie vor setzten die Marktbeteiligten auf die starke Liquidität des bisherigen Mahlweizenfutures No. 2, auch wenn diesem derartige Mindestqualitätskriterien fehlen und er in Jahren schlechter Erntequalität wie 2014 daher nur den Wert von Futterweizen widerspiegelt. Die recht kurzfristig Einführung des No. 3 wurde ja als Antwort auf die Glaubwürdigkeitsprobleme des No. 2 im vergangenen Herbst bei der Erfüllung durch die fallzahl- und proteingeschädigte französische Weizenernte sowie auf den sich abzeichnenden Einstieg der CME-Börsegruppe in den Markt mit einem in Euro notierten europäischen Mahlweizenfutures an der CBoT interpretiert.

Der No. 3 kam nun wahrscheinlich auch deshalb nicht vom Fleck, weil die Euronext im Herbst 2014 bereits festgelegt hat, den alten Futures No. 2 ab dem September-Kontrakt 2017 mit der selben Protein- und Fallzahlgarantie wie nunmehr den neuen No. 3 auszustatten. Die beiden würden sich nämlich dann nur mehr dadurch voneinander unterscheiden, dass für den neuen mehr Erfüllungsorte zur Verfügung stehen und als "Zuckerl" die Gebühren niedriger sind.

Nun kündigten Pariser Börsenbetreiber an, beide Futures ab dem Wirtschaftsjahr 2018/19 quasi zusammenzuführen und nur mehr einen, den No. 3, im Handel zu halten, um damit eine hohe Liquidität sicherstellen zu können, auch wenn gerade der neue Kontrakt nicht angenommen wird und nur der alte eine hohe Liquidität aufweist.

Euronext stellt Kontrakt No. 2 ab Liefertermin September 2018 ein

Diese Woche ging nun der Kontrakt No. 2 zur Lieferung im März 2015 aus dem Handel und es hieß, der dafür zu eröffnende Termin März 2018 könnte eventuell gar nicht mehr gestartet werden, was aber dann doch nicht der Fall war. Der für Rohstoffe zuständige Direktor der Börse erklärte laut Agenturmeldungen daraufhin definitiv, die Euronext halte dem Fehlstart des neuen Kontrakts zum Trotz daran fest, ab dem Wirtschaftsjahr 2018/19 nur mehr den neuen Futures No. 3 anzubieten und No. 2 einzustellen. "Es werden keine weiteren Silos zur Lieferung gegen den No. 2 Kontrakt mehr hinzukommen und es werden keine Positionen mehr für die Saison 2018/19 eröffnet", hieß es wörtlich. Konkret bedeutet das, die Euronext wird im September 2015 gemäß dem drei Jahre in Zukunft reichenden Turnus der Positionen keinen Kontrakt No. 2 zur Lieferung im September 2018 mehr anbieten.

Qualitätsprämien am österreichischen Kassamarkt behauptet

Weiterhin geht die Restvermarktung der Brotweizenernte 2014 in Österreich ruhig und ohne große Preissprünge vonstatten. Angebot und Nachfrage am Markt gelten als ausgewogen. Alle drei Weizenqualitätsstufen wurden neuerlich gehandelt. Dabei notierte die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien am Mittwoch dieser Woche Premium- (214,50 Euro/t, minus 0,50 Euro) und Qualitätsweizen (201,50 Euro/t, minus 1,50 Euro) neuerlich eine Spur niedriger und den Mahlweizen (170 Euro/t, minus 2,50 Euro) etwas deutlicher. Dennoch konnten die beiden Aufmischweizen-Sortierungen ihre heuer deutlich ausgeprägten Qualitätsaufschläge zu den Mahlweizennotierungen an der Euronext - auch zum neuen "Premium-Weizenkontrakt" No. 3 - neuerlich behaupten.

Nach einigen Wochen Pause notierte in Wien auch wieder Mahlroggen (149 Euro/t), wobei auch dieser keine signifikante Preisbewegung zur Letztnotierung verzeichnet.

Bei den Ölsaaten notierte Raps mit 325 Euro/t etwas überraschend um 12 Euro unter dem letzten Wert von Ende Februar, während sich Sonnenblumen gegenüber Anfang Februar um 15 Euro auf 332,50 Euro/t befestigten. Es heißt, Ölmühlen hätten zuletzt Ware gesucht, diese sei aber wenig angeboten worden beziehungsweise kaum vorhanden. Dagegen kamen vergleichsweise billige Partien Futtermais aus dem EU-Raum um 118 Euro/t CPT frachtfrei österreichischer Empfangsstation ins Land.

Sojaschrotimporte verteuerten sich wegen der Abschwächung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Die international gefallenen Notierungen dämpften den währungsbedingten Preisanstieg allerdings etwas ab.