Welternährungstag: Innovationskraft der heimischen Landwirtschaft erhalten

Bauernvertreter und Wirtschaft plädieren für zukunftstaugliche Strategien.

Wien, 14. Oktober 2016 (aiz.info). - Angesichts des bevorstehenden Welternährungstages am 16. Oktober, der heuer unter dem Thema "Climate is changing. Food and agriculture must too" steht, strich Johann Mößler, Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten, die Leistungen der Land- und Forstwirtschaft in seinem Bundesland hervor. "Die Bäuerinnen und Bauern bewirtschaften rund 88% der Fläche Kärntens nachhaltig und mit Verantwortung gegenüber unserer Schöpfung. Sie produzieren Lebensmittel der Spitzenklasse, pflegen die Kulturlandschaft und sind Impulsgeber der regionalen Wirtschaft. Die Betriebe leisten Großartiges - ihre Arbeit verdient Wertschätzung von Politik und Gesellschaft", zeigte Mößler auf.

Bei der nächsten Sozialpartner-Regierungssitzung am Dienstag, 18. Oktober, wird der Kärntner LK-Präsident deshalb darauf drängen, dass das Bestbieterprinzip für den Lebensmitteleinkauf beschlossen wird. "Wir haben dieses Thema vor einem Jahr in die Regierung eingebracht und an der Ausarbeitung der Kriterien mitgearbeitet. Jetzt liegt ein beschlussreifer Vorschlag vor und ich wünsche mir, dass die Regierung die Stärkung heimischer Lebensmittel in ihren Einrichtungen umsetzt", so Mößler.

Der LK-Präsident wird auch das von ihm geforderte "Konjunkturpaket für bäuerliche Landwirtschaft" bei der nächsten Regierungssitzung zur Diskussion stellen. Neben dem flächendeckenden Einkauf heimischer Lebensmittel durch die öffentliche Hand geht es darum, den Rohstoff Holz im öffentlichen Bau und in der Wohnbauförderung zu stärken. "Das bringt Wertschöpfung für die Bauern und für das Land", betonte Mößler und wies darauf hin, dass ein hoher Anteil des Einkommens bei den Kärntner Bauern aus der Forstwirtschaft stammt. Für Kürzungen im Agrarbudget des Landes sieht Mößler aufgrund der Einkommensverluste in der Landwirtschaft keinen Spielraum. "Das Agrarbudget hat in den letzten Jahren den Sparkurs des Landes wesentlich mitgetragen. Jetzt brauchen wir eine Sonderanstrengung im Budget 2017", so der Kärntner LK-Präsident.

Hiegelsberger: Lebensmitteln mit Wertschätzung begegnen

Anlässlich des bevorstehenden Welternährungstages appellierte Agrarlandesrat Max Hiegelsberger für die weltweite Stärkung einer bäuerlichen, kleinstrukturierten und innovativen Landwirtschaft. "Es ist ein jährlicher Anlass, um sich mit der weltweiten Nahrungsmittelversorgung und den heutigen sowie vor allem künftigen Strategien zur Beseitigung von Hunger und Unterernährung in der Welt auseinanderzusetzen. Es ist aber auch ein Tag, an dem wir uns der Leistungen der heimischen Landwirtschaft für die Versorgungs- und Lebensmittelsicherheit bewusst werden sollen. Wir müssen Lebensmitteln mit mehr Wertschätzung begegnen. "

Hiegelsberger nimmt diesen Tag auch zum Anlass, um für eine Stärkung der Ernährungskompetenz zu plädieren. "In unserer globalisierten Welt bewegen sich Ernährungsdiskussionen gerne in einem Spannungsfeld aus Verboten, Geboten und Angst. Begegnen wir dem Thema deshalb mit Hausverstand sowie Freude und geben wir der Ernährungskompetenz einen nachhaltigen Stellenwert."

IGP: "Wirkstoff-Kahlschlag" gefährdet Versorgung mit Lebensmitteln

Christian Stockmar, Obmann der IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP), forderte anlässlich des Welternährungstags, dass die Innovationskraft im Pflanzenschutz aufrecht erhalten wird, um sich rasch an neue Gegebenheiten anpassen zu können, wie etwa an die sich ändernden klimatischen Bedingungen mit langen Trockenphasen, anhaltendem Starkregen oder erhöhtem Schädlings- und Krankheitsdruck. "Setzt sich die 'Wirkstoff-Kahlschlagstrategie' der EU fort, wird es für die österreichischen und europäischen Landwirte zunehmend schwieriger, die Versorgung mit gesunden wie auch qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aufrechtzuerhalten", warnte Stockmar. Pflanzenschutzmittel seien das "entscheidende Werkzeug im Betriebsmittelkasten" der Landwirte, um ihre Ernte und somit unsere Lebensmittel vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen. "Pflanzenschutz hilft den Bauern dabei, mit ihren Ressourcen gleichermaßen nachhaltig wie effizient umzugehen sowie qualitativ hochwertige und ausreichende Ernteerträge zu erwirtschaften", stellte Stockmar fest.

Saatgut Austria: Züchter sichern pflanzliche Neuerungen

"Die Pflanzenzüchtung leistet bei den wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturen mit etwa 75% einen immensen Beitrag zum höheren Ertrag und damit zur hohen Selbstversorgung in Österreich und Europa", erläuterte Michael Gohn, Obmann von Saatgut Austria, anlässlich des Welternährungstags am kommenden Sonntag. Dabei sei es vor allem die Innovationskraft der heimischen Züchter, die zur Steigerung des Ertrags, der Qualität und der pflanzlichen Vielfalt beitrage. "Die Züchtung für eine Sorte, die heute zugelassen wird, hat bereits vor zehn bis 15 Jahren begonnen. Schon damals mussten die Wissenschafter wissen, was die Anforderungen an eine Sorte und die Herausforderungen in der Landwirtschaft heute sein werden und was Landwirte sowie Konsumenten von einer Sorte erwarten", betonte Gohn.

Bio Austria: Geänderte Denkweisen nötig

"Das Motto des Welternährungstags 2016 zeigt die Richtung auf, in die sich das Denken verändern muss, um Hunger zu bekämpfen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen auch für künftige Generationen zu erhalten. Ein 'Weiter wie bisher' im Sinne einer einseitigen Fokussierung auf Ertragssteigerung auf Kosten der langfristigen Fruchtbarkeit der Böden ist keine Option. Allerdings ist es bis zu einer solchen dringend notwendigen Änderung unserer Einstellung und der agrarpolitischen Prioritäten wohl leider noch ein weiter Weg", teilte Bio Austria-Obfrau Gertraud Grabmann mit.