Weltweite Getreidemärkte dümpeln lustlos dahin

Maismarkt Italien verschlossen - Wenig Preisfantasien für Mais in Österreich.

Wien, 20. Oktober 2017 (aiz.info). - Weltweit dümpeln die Getreidemärkte lustlos dahin, die Notierungen bewegen sich seit- bis abwärts. Die Gründe sind immer dieselben: Die Versorgung - insbesondere beim Weizen - übertrifft den Verbrauch deutlich. Abgeber wie Landwirte und Genossenschaften würden sich weltweit zu den gegenwärtig erzielbaren unbefriedigenden Preisen in ihrer Verkaufsbereitschaft zurückhalten. Gleichzeitig findet Ware aus der EU und den USA auch keine Nachfrage vom Weltmarkt - wenn, dann macht Russland aus seiner Rekordernte mit aggressiven Preisen das Geschäft. Daran konnte auch nichts ändern, dass Algerien zur Wochenmitte in einem Weizentender eine überraschend große Menge von 660.000 t zur Lieferung im Jänner 2018 zugeschlagen hat. Obwohl der Großteil des Weizens - neben Teilen aus Argentinien - aus Frankreich kommen soll, ließ der kolportierte aggressive Preis von 210 bis 212,50 USD/t (178,74 bis 180,87 Euro) c&f, also inklusive Schiffsfracht, keine Impulse für die Weizennotierungen an der Euronext in Paris aufkommen. Der Dezember-Weizenfuture an der Euronext baute bis Donnerstagmittag wieder auf ein Niveau von Anfang Oktober bei 161 Euro/t ab. Mit einer großen Maisernte in Frankreich sowie der Beschleunigung der Kampagnen in Übersee gaben auch die Mais-Terminmärkte nach. Eine Verbesserung der Aussaatbedingungen in Südamerika ließ die Kursausschläge im Sojakomplex infolge des vorwöchigen WASDE-Berichts auch wieder nach unten korrigieren. Beim Raps wartet man in Europa auf steigende Preise, nachdem die Ernten bei den Großexporteuren Australien und Ukraine ausgelassen und sie ihr Pulver bei der Belieferung der EU schon verschossen haben dürften. An der Wiener Produktenbörse verloren Premium- (-4 Euro auf 182 bis 190 Euro/t) und Qualitätsweizen (-3 Euro auf 175 bis 182 Euro/t) am Mittwoch dieser Woche neuerlich Terrain.
 

Es heißt, es seien zwar wieder Kleinigkeiten am österreichischen Kassamarkt gehandelt worden, so richtig sei das Geschäft aber noch nicht angesprungen. Wenn, dann würden Abschlüsse zur Lieferung im neuen Jahr getätigt, für das laufende Jahr 2017 zeige sich die Mühlenwirtschaft nach wie vor mit Rohstoff gedeckt. Mahlweizen wurde zuletzt nur aus Einfuhren aus dem EU-Raum gehandelt, diese werden mit 167 Euro/t CPT Niederösterreich bewertet. Besonders fiel an den Wiener Notierungen dieser Woche jene für Mahlroggeneinfuhren aus dem EU-Raum auf: 178 Euro/t CPT Niederösterreich, das heißt einschließlich der Transportkosten aus dem Herkunftsland - vermutlich Ostdeutschland -, bedeuten einen drastisch niedrigeren Rohstoffwert als er zuletzt vor 14 Tagen für österreichischen Mahlroggen - und das ab Station - mit 195 Euro/t notiert worden ist.


 

Italien-Markt zu - Wenig Preisfantasien für Mais und Futtergetreide in Österreich

Als sehr ruhig und mit praktisch null Potenzial für Preisfantasien schildern Branchenbeteiligte auch den Futtergetreidemarkt. Einzig Futterweizen bleibe gesucht, der allerdings nur aus Einfuhren, die zurzeit mit 160 Euro/t CPT Niederösterreich verfügbar ist. Trockenmais aus der Ernte 2017 fehlt noch immer am Wiener Kursblatt, alterntiger Futtermais gab um 5 Euro auf 155 bis 160 Euro/t nach. Marktteilnehmer berichten, dass sich aus der voll anlaufenden und noch für etwa zwei Wochen zu erwartenden Haupternte in der Steiermark Druck aufbaue: Die Erträge erreichten gute Durchschnittswerte, LKW-Frachtraum sei schwer erhältlich und das Mengenventil in Richtung des italienischen Zuschussmarkts verstopft. Denn hier wird von massenweisen Ankünften von Maislieferungen in Adriahäfen aus der Ukraine und zuletzt auch Brasilien berichtet. Die Preise dieser Ware verhinderten, dass sich Maislieferungen aus Österreich dorthin zu den gegenwärtigen Preisvorstellungen der Abgeber rechnen.
 

Nördlich der Alpen bis zur Donau ist der Maisdrusch schon weit fortgeschritten. Lediglich im nördlichen Tullner Feld und Weinviertel soll noch mehr am Feld stehen. Lagerhäuser begännen mit Nassmaislagerung in Schläuchen und ebenso liefen die Trockner - sogar auch im Lohnverfahren - voll an. Dennoch erwarten Landwirte für Vertragsware weiterhin stabile Nassmaispreise von den beiden Verarbeitern - jeweils netto und auf Basis 30% Feuchtigkeit sowie frei Werk 105 Euro/t netto von Agrana und 110 Euro/t von Jungbunzlauer. Für vertragsfreie Nassmaislieferungen sollen Händler - etwa im St. Pöltner Raum - weiterhin um 95 Euro/t netto bieten.


Die Arbeiten zur Herbstaussaat sollen hierzulande bei guten Bedingungen schon weitgehend erledigt sein. Auch in Nordamerika kamen sie mit einer Verbesserung der Wetterbedingungen stärker in Schwung und wirkten so mit der Abnahme von Risiken für die kommende Ernte 2018 zusätzlich dämpfend auf die Weizennotierungen an der CBoT in Chicago.

Weizenexport aus der EU geht weiterhin schleppend vonstatten

Nach wie vor schleppend geht der Weizenexport aus der EU vonstatten, auch nachdem sich der US-Dollar wieder von einem Zwischenhoch zurückgezogen hat und der Euro damit stärker wurde. Laut Zolldaten der EU-Kommission erreichte der native Weichweizenexport der Union in den 16 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres bis zum 17. Oktober 6,670 Mio. t. Damit kamen im Wochenabstand nur magere 118.354 t dazu und liegen die Ausfuhren um 31% unter der Vorjahreslinie. Bester Weizenkunde bisher ist Algerien mit 1,322 Mio. t oder 23,3% Anteil am Gesamtexport, gefolgt von Saudi-Arabien mit 832.000 t (14,7%) und Ägypten mit 510.000 t (9,0%).
 

Russland legte bei einem Ägypten-Tender des staatlichen Aufkäufers GASC am Donnerstag wiederum das billigste Angebot. Laut Agenturen lag es bei 198,35 USD/t (168,82 Euro) fob, also exklusive Transportkosten zur Lieferung zwischen 1. und 10. Dezember. Während die EU-Kommission die aktuellen Exportpreise für französischen Weizen fob Rouen per 18. Oktober mit 162 Euro/t bezifferte, könnte die Differenz zum russischen fob-Preis möglicherweise mit einer sogenannten Mohnsamen-Risikoprämie erklärbar sein, die Händler zurzeit auf Anbote an Ägypten aufschlagen. Zudem sind die Transportkosten vom Schwarzen Meer etwas günstiger als von den französischen Atlantikhäfen aus, sodass Russland hier bei der Kalkulation der fob-Preise auch etwas Spielraum nach oben hat. Verschiebungen in den Wechselkursparitäten spielen natürlich auch mit hinein. Von zumindest 16 kolportierten Anboten auf die Ausschreibung sollen zwölf für russischen Weizen, drei für rumänischen und lediglich eines für französischen gekommen sein.

USA kapitulieren auf Weizenexportmarkt Ägypten - Händler aus der EU klagen GASC

Der größte Weizenimporteuer der Welt, Ägypten, stößt in seiner offensichtlichen Umklammerung durch Russland immer mehr seine bisherigen Weizenlieferanten am Weltmarkt vor den Kopf. US Wheat Associates (USWA), eine Gruppe zur Förderung von Weizenexporten der USA, gab diese Woche bekannt, angesichts der einschneidenden Verluste von Marktanteilen an die Schwarzmeerlieferanten und der zunehmenden Chancenlosigkeit am ägyptischen Markt sein Büro in Kairo nach 40-jährigem Bestand mit Jahresende zu schließen. Laut agrarzeitung.de sei Ägypten 2012/13 noch fünftgrößter Abnehmer von Weizen aus den USA gewesen und bis 2016/17 auf den 37. Rang zurückgefallen. Wichtigste Kunden für die US-Weizenbranche waren laut USWA-Statistiken 2016/17 Mexiko mit rund 3,3 Mio. t, gefolgt von Japan (etwa 2,8 Mio. t), den Philippinen, China, Nigeria, Korea, Brasilien, Indonesien, Taiwan und Kolumbien. Auch Brasilien zählte im Schnitt der letzten fünf Jahre zu den Top-Fünf im Kundenranking. Diesen Regionen will USWA nun verstärktes Augenmerk widmen.
 

Laut Reuters habe die in Genf ansässige Getreidehandelsfirma Grainbow bei einem ägyptischen Verwaltungsgericht eine 1,2 Mio. USD (1,02 Mio. Euro) schwere Schadensersatzklage gegen die staatliche Rohstoffagentur GASC (General Authority For Supply Commodities) eingebracht. Es soll dabei um angefallene Mehrkosten durch Verzögerungen bei der Inspektion einer russischen Weizenlieferung in ägyptischen Häfen im März dieses Jahres gehen.

Ägyptische Einfuhrinspektionen haben in den vergangenen Jahren mit unvorhersehbaren oder willkürlichen Begründungen immer wieder Weizenlieferungen gestoßen und damit für Dispute gesorgt. Beispiele sind die über Nacht angewendete Nulltoleranz von Mutterkornbesatz entgegen den internationalen Handelsusancen einer Toleranz von 0,05% oder jüngst die Zurückweisung von Weizen wegen Besatzes mit Mohnsamen.

So komme laut Reuters die nunmehrige Schadensersatzklage gegen GASC just zu einem Zeitpunkt, zu dem internationale Weizenanbieter der Getreideagentur schon bis zu 500.000 USD (425.570 Euro) pro Schiffsladung (zumeist Standard-Schüttgut-Frachter der "Panamax"-Klasse mit 60.000 bis 70.000 t Frachtkapazität) an Risikoprämien zur Absicherung der Unwägbarkeiten bei der Abwicklung von Ägyptenlieferungen aufschlagen würden. Diese Risikoprämien hätten im laufenden Wirtschaftsjahr die Rechnungen für die staatlichen Lebensmittelprogramme der ohnehin chronisch unter Devisenmangel leidenden Regierung in Kairo schon um Millionen-Dollar-Beträge in die Höhe getrieben. Ägypten bestreitet aus den Getreideaufkäufen der GASC staatlich finanzierte Lebensmittelprogramme für seine 87-Millionen-Bevölkerung. Diese kann das Land mit rund 8 Mio. t Weizenernte nicht annähernd aus Eigenproduktion ernähren, sondern muss zu diesem Zweck noch 12 Mio. t am Weltmarkt zusammenkaufen.