ZAR: Heimische Milchbauern brauchen Perspektiven

Absatz- und Qualitätsstrategien haben Vorrang.

Wien, 1. Oktober 2015 (aiz.info). - "Der Strukturwandel bei den Milchbauern setzt sich in Österreich seit Jahren unvermindert fort. Im Jahr 2014 lieferten rund 32.000 Betriebe etwa 3,062.200 t Milch an die Molkereien, davon befanden sich 28.250 Höfe im benachteiligten Gebiet. In den vergangenen fünf Jahren stellten im Schnitt jährlich 1.200 Betriebe ihre Erzeugung ein. Allerdings hat sich die Milchanlieferung je Betrieb in den abgelaufenen 15 Jahren mit durchschnittlich 97.000 kg mehr als verdoppelt. Diese Fakten im Grünen Bericht 2015 machen deutlich, dass die Milchbauern in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld Perspektiven brauchen und dass Absatz- sowie Qualitätsstrategien unbedingten Vorrang haben." Dies stellte heute der Obmann der Rinderzucht Austria (ZAR), Anton Wagner, fest.

Aus der Sicht der Dachorganisation der Rinderzüchter ist bedauerlich, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung spezialisierter Milchbetriebe im Jahr 2014 heuer einen deutlichen Einbruch erfahren wird. Die Erzeugerpreise fielen in den ersten sieben Monaten 2015 mit durchschnittlich 37,78 Cent/kg um 16,7% niedriger aus als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. "Positiv ist nur, dass der Milchkuhbestand mit 537.744 Stück gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil blieb. Trotzdem sind zur harmonischen Steuerung des Strukturwandels und gegen eine weitere Abnahme der Betriebe in benachteiligten Gebieten Förderungs- und Investitionsmaßnahmen notwendig, um den Milchstandort Österreich wettbewerbsfähig zu erhalten", so Wagner. Die Tatsache, dass in Österreich ausschließlich gentechnikfreie Milch vermarktet und mit 15% der Bioanteil im Spitzenfeld der EU liege, sei ein bedeutender Qualitätsvorteil auf dem nationalen und internationalen Milchmarkt.

Faire Partnerschaften unerlässlich

"Die ZAR will auf der Grundlage des zukunftsorientierten Tierzuchtpaktes 2020 alle Maßnahmen tatkräftig unterstützen, die verhindern, dass die Milchbauern zu Dienstleistern entlang der Wertschöpfungskette degradiert werden. Ein professionelles Herdenmanagement, Bildungsprogramme für die Jungzüchter, Beratungsleistungen und das Engagement für eine faire Partnerschaft zwischen den Molkereien und gegenüber dem Handel sind angesichts der schwierigen Marktlage auf dem Milchsektor unerlässlich", unterstreicht der Obmann.

Als Konsequenz aus den Einkommensanalysen im Grünen Bericht 2015 begrüßt die ZAR die Schwerpunkte für die Milchwirtschaft gemäß Landwirtschaftsgesetz für das Jahr 2016. Dazu zählen verstärkte Anstrengungen zur Sicherung des Exports (auch für Zuchtrinder), offensive Werbeinitiativen sowie das Vorhaben, die Funktionsweise der Lebensmittelketten zu durchleuchten. Die von der EU-Kommission beschlossene Marktbeobachtungsstelle könnte aus Sicht der ZAR zu einer Stärkung der Milchbauern innerhalb der Wertschöpfungskette führen.

Die ZAR befürwortet auch das Engagement von Bundesminister Andrä Rupprechter, vom EU-Hilfspaket im Umfang von 500 Mio. Euro mehr Mittel für Österreich zu erreichen. Die von der EU-Kommission zur Verfügung gestellten 7 Mio. Euro zur Marktstabilisierung bei Milch und Schweinefleisch werden, wie berichtet, aus Mitteln des Agrarressorts verdoppelt. Damit stehen insgesamt 14 Mio. Euro für jene Bereiche zur Verfügung, die vom Preisverfall und der schwierigen Absatzsituation besonders betroffen sind.