Zuckerrübenernte 2015 in Österreich gestartet

Gesamtmenge wird um 15% geringer ausfallen als in den Vorjahren.

Wien, 15. September 2015 (aiz.info). - Die diesjährige Rübenernte wird in Österreich deutlich geringer ausfallen als im Durchschnitt der letzten Jahre, berichtet Ernst Karpfinger, Präsident der Interessenvereinigung "Die Rübenbauern". Er erklärt den Minderertrag mit der extremen Trockenheit im Sommer: "Wir rechnen mit einem Minus von rund 15% beim Ertrag. Erst dank des lang ersehnten Regens Mitte August konnten sich die Rüben wieder etwas erholen. Allerdings waren die Schäden in manchen Regionen bereits so groß, dass der Regen dort nichts mehr retten konnte."

In den nächsten drei Monaten wird eine Menge von geschätzten 2,8 bis 3 Mio. t Rüben von den Feldern eingefahren, auf Rübenlagerplätzen zwischengelagert und schließlich zur Verarbeitung in die Zuckerfabriken verfrachtet. Die Anbaufläche in Österreich beträgt 2015 rund 45.500 ha und wird von knapp 7.000 Rübenbauern bewirtschaftet.

Der Ernteertrag wird heuer mit durchschnittlich 62 t Zuckerrüben je ha geschätzt, während er in den Vorjahren auf rund 73 t kam. In einer gemeinsamen Abstimmung mit der Landwirtschaftskammer Österreich wurde ein Schaden von etwa 15 Mio. Euro gegenüber den Vorjahren durch die Wetterkapriolen festgestellt.

Ab Mitte Oktober werden größere Mengen geerntet

In den noch relativ warmen Septembertagen werden anfangs nur so viele Zuckerrüben von den Feldern auf die Lagerplätze gebracht, wie sie rasch zur Zuckerfabrik geliefert und unmittelbar verarbeitet werden können, um ein Verderben zu verhindern. Mit Beginn der kälteren Periode ab Mitte Oktober werden größere Mengen geerntet und auf die Zwischenlager verbracht. Abgeschlossen wird die Ernte bis ungefähr Ende November sein. Die Verarbeitung der Rüben in den beiden Zuckerfabriken Tulln und Leopoldsdorf läuft durchgehend bis in die zweite Jännerhälfte des nächsten Jahres und wird zirka 120 Tage dauern.

Schwieriges Marktumfeld

Die Situation der Rübenbauern wird durch einen Verdrängungswettbewerb noch weiter erschwert. Bekanntlich haben die europäischen Institutionen beschlossen, die bisher geltende Quotenregelung mit dem Jahr 2017 auslaufen zu lassen. Damit endet auch die nationale Mengenzuordnung der europäischen Gesamtproduktion, die für Planbarkeit und Ordnung am Markt gesorgt hat. "Die Folgen dieser Marktöffnung zeigen sich in aller Härte", beschreibt Karpfinger die Situation am Markt, "denn viele Zuckererzeuger versuchen jetzt bereits, mit Kampfpreisen ihre Konkurrenz zum Aufgeben zu zwingen".

Weil die Preise für Zuckerrüben in einem direkten Verhältnis zu den Zuckerpreisen stehen, droht den Rübenbauern neben dem deutlich verringerten Ernteertrag jetzt auch ein Minus bei den Abnahmepreisen. Der Effekt aus Minderernte und Preisverfall wird auf rund 35% des bisherigen Ertrags geschätzt.

Rübenproduktion langfristig in Gefahr

Karpfinger weist daher eindringlich darauf hin, dass die österreichische Rübenproduktion in Gefahr ist: "Wir befinden uns jetzt an einem Scheideweg. Die österreichischen Landwirte arbeiten beim Anbau von Zuckerrüben ohne Einsatz von Gentechnik und mit umweltschonenden Methoden. Soll das erhalten bleiben und soll die Eigenversorgung Österreichs mit Zucker sichergestellt werden, dann sind die Konsumenten und Weiterverarbeiter aufgerufen, weiterhin zur Marke 'Wiener Zucker' zu greifen."

"Angesichts der momentanen Überlegungen der Europäischen Kommission, der krisengeschüttelten Milchwirtschaft nach dem Quotenende finanziell zu helfen, fordern wir abermals die Kommission auf, die Produktionsabgabe, die den europäischen Rübenbauern und Zuckerindustrien jährlich 160 Mio. Euro ohne jegliche Gegenleistung kostet, als Zeichen des guten Willens und der Soforthilfe unverzüglich einzustellen", unterstreicht Karpfinger.