Zuckerrübenernte 2016 dürfte um 27% mehr Menge bringen

Interessenvertretung warnt vor ruinösen Dumpingpreisen.

Wien, 8. September 2016 (aiz.info). - In Österreich ist die Zuckerrübenernte angelaufen. In den kommenden drei Monaten werden die knapp 6.700 Rübenbauern ihre Felder - Gesamtfläche 43.500 ha - schrittweise leerräumen. Bei der Interessenvertretung "Die Rübenbauern" rechnet man heuer mit einem guten Mengenergebnis von 3,6 bis 3,7 Mio. t, was um 27% mehr wäre als im Vorjahr. Der Ertrag wird im Schnitt auf 83 t/ha geschätzt, 2015 waren es nur rund 63 t/ha, der fünfjährige Durchschnitt liegt bei 70 t Zuckerrüben/ha. Der gute diesjährige Ertrag resultiert aus besseren Witterungsverhältnissen, einer guten Wasserversorgung durch regelmäßige Niederschläge und dem Ausbleiben extremer Hitzeperioden.

In den noch relativ warmen Septembertagen werden anfangs nur so viele Zuckerrüben an die Lagerplätze geliefert, wie unmittelbar weggeführt und verarbeitet werden können, um ein Verderben zu verhindern. Mit Beginn der kälteren Periode - etwa ab Mitte Oktober - steigen die Erntemengen dann, bevor es Ende November dem Ernteende zugeht. Die Verarbeitung der Rüben in den beiden Zuckerfabriken Tulln und Leopoldsdorf läuft durchgehend bis Ende Jänner 2017, was eine Kampagnendauer von rund 140 Tagen ergibt.

Wettbewerb wird vor Quotenende 2017 bereits deutlich aggressiver

Das nahende Ende der Produktionsquoten im Jahr 2017 führt dazu, dass einige Länder versuchen, die Erzeugung auszuweiten und Märkte zu besetzen. Der Konkurrenzkampf wird dabei mit teilweise ruinösen Dumpingpreisen geführt, teilt der Präsident der Interessenvertretung "Die Rübenbauern", Ernst Karpfinger, mit. Hier werde zum Schaden der europäischen Wirtschaft und vor allem der Bauern weit über das Ziel hinausgeschossen. "Der europäische Preis sollte sich bei wirtschaftlich sinnvollem Vorgehen am Weltmarktpreis zuzüglich der Zölle und Frachten nach Europa orientieren, liegt aber derzeit weit darunter. Diese Form des aggressiven Wettbewerbs ist schon in vielen Wirtschaftsbereichen gescheitert. Sie wird auch in der Zuckerbranche nicht zum Erfolg führen, sondern in allen Produktionsstufen, und so auch im Landwirtschaftsbereich, Schaden anrichten", ist Karpfinger überzeugt.

Die österreichischen Rübenbauern sind gegenwärtig in intensiven Verhandlungen mit dem heimischen Zuckerproduzenten AGRANA. Beide Parteien sind daran interessiert, Planungssicherheit entlang der gesamten Erzeugungskette vom Anbau bis zur Verarbeitung zu erzielen. "Die Rübenbauern brauchen Gewissheit, dass die von ihnen im Frühjahr angebauten Früchte im Herbst zu angemessenen Preisen abgenommen werden. Die Industrie ihrerseits muss Gewähr haben, dass die zur Zuckererzeugung benötigten Rübenmengen auch tatsächlich zur Verfügung stehen werden", erläutert Karpfinger.

Österreichischer Zucker bedeutet Sicherheit für die Konsumenten

Die heimischen Rübenbauern arbeiten auf höchstem Qualitätsniveau. Die Rüben werden ohne Einsatz von Gentechnik, die Umwelt schonend und sozial verträglich angebaut. Karpfinger appelliert daher an die Verbraucher zu österreichischer Ware zu greifen: "Wer Sicherheit haben will, dass von der Rübe bis in die Zuckerfabrik die hohen heimischen Standards angewendet werden, sollte zur österreichischen Marke 'Wiener Zucker' greifen - damit es dieses Grundnahrungsmittel auch in Zukunft in gewohnter, heimischer Qualität gibt."