Bedrohung durch Afrikanische Schweinepest erfordert umfassende Vorsorge

Hiegelsberger und Reisecker: Einschleppung mit allen Mitteln verhindern.

Linz, 14. März 2018 (aiz.info). - "Oberösterreich ist das Bundesland mit der stärksten Schweineproduktion. 37% aller heimischen Schweine werden bei uns gehalten. Im Jahr 2016 lag der Bestand bei insgesamt 1.095.900 Tieren. Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest hätte daher schwerwiegende Konsequenzen für die heimische Schweinebranche und die agrarische Wertschöpfung in Oberösterreich. Alle Vorsichtsmaßnahmen, um eine Einschleppung dieser Seuche in den heimischen Schweinebestand zu vermeiden, werden seitens des Bundes, der Länder und der Landwirtschaft getroffen", betonten heute Agrarlandesrat Max Hiegelsberger und LK-Präsident Franz Reisecker.
 

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine durch einen Virus verursachte, meist fieberhaft verlaufende und äußerst ansteckende Tierseuche. Sie befällt Haus- und Wildschweine, die daran in der Regel rasch verenden. Aufgrund der enormen Widerstandsfähigkeit des Virus stellen nicht erhitzte Produkte aus Schweinefleisch ein großes Übertragungsrisiko dar.
 

Die ASP breitete sich ab 2014 sukzessive vom Kaukasus kommend in Richtung Westen aus. Im Juni 2017 wurde das heimische Gesundheitsministerium von den tschechischen Veterinärbehörden informiert, dass in Zlin (Tschechische Republik, 80 Kilometer von Österreich entfernt) bei zwei Wildschweinen ASP festgestellt wurde. Aktuell kommt die Schweinepest im Baltikum, Polen, Rumänien, der Ukraine und der Tschechischen Republik sowohl bei Wild- als auch bei Hausschweinen vor. In Österreich ist die ASP bisher nicht aufgetreten. Die Gefahr der Einschleppung ist durch die zahlreichen Fälle in Nordosteuropa jedoch sehr hoch.
 

ASP für Menschen völlig ungefährlich
 

"Bei der ASP handelt es sich um keine Zoonose. Es besteht keinerlei Gefahr für die Gesundheit des Menschen, sowohl im Kontakt mit Schweinen als auch beim Verzehr von Fleisch und Wurstprodukten", betonte Landesveterinärdirektor Thomas Hain. Bei der Übertragung der ASP spiele der Mensch jedoch eine wesentliche Rolle. Die Seuche könne durch direkten Kontakt, aber auch über kontaminierte Kleider, Schuhe, Transportmittel, Ausrüstung, Jagdutensilien, Trophäen, Kadaver und vor allem durch das Verfüttern oder das illegale Entsorgen kontaminierter Küchen- und Speiseabfälle übertragen werden.
 

Gravierende Folgen eines ASP-Ausbruchs
 

Bei einem Ausbruch der ASP in einem schweinehaltenden Betrieb müssen alle Schweine des Betriebes getötet werden. Bereits im Falle eines Verdachts greifen die definierten Schutz- und Überwachungszonen. Tritt die Seuche auch nur bei Wildschweinen auf, greifen dennoch großräumige Handelsbeschränkungen in den betroffenen Gebieten. Zudem wäre Österreich für Exporte von Schweinefleisch gesperrt, was einen massiven Preiseinbruch zur Folge hätte.

"Umso besorgniserregender ist die Tatsache, dass bereits das erste positiv getestete Wildschwein - ohne, dass ein einziges Hausschwein erkrankt ist - erhebliche Konsequenzen für die Schweinewirtschaft in Form von Auflagen, Sperrmaßnahmen und Verbringungsrestriktionen hätte. Selbst bei einer entsprechenden Möglichkeit der Regionalisierung des Seuchengeschehens innerhalb eines Landes, die in Brüssel aktuell vehement gefordert wird, würde man von vielen Drittländern für den Handel auf lange Zeit gesperrt bleiben", gab Reisecker zu bedenken. Ein daraus resultierender Preisverfall bei Schweinefleisch würde zu enormen wirtschaftlichen Verlusten entlang der gesamten Wertschöpfungskette führen und für viele Betriebe zu einer ernsthaften existenziellen Bedrohung werden. China habe zuletzt klargestellt, dass von ASP befallene Länder für mindestens drei Jahre keine Schweinefleischprodukte in ihr Land verbringen dürfen, so der Präsident.
 

Umfassende Prävention und Risikovorsorge wichtig
 

"Tierseuchen stellen die Landwirtschaft vor beträchtliche Herausforderungen und breiten sich aufgrund der Globalisierung und des steigenden Transportaufkommens immer weiter in Richtung Österreich aus. Daher gilt es, die Bevölkerung hinsichtlich dieses Themas zu sensibilisieren und die Biosicherheit entlang der Verkehrswege zu erhöhen", ergänzte Hiegelsberger. Er lud daher gestern Vertreter aus allen relevanten Bereichen (Landwirtschaftskammer, Schweinebranche, Landesveterinärdienst, Tierärztekammer, AGES, Jagdverband, Fleischerinnung, Transportgewerbe) zu einem Runden Tisch. "Alle Beteiligten sind sich der Bedrohung bewusst und gemeinsam werden wir alle Anstrengungen auf uns nehmen, um Schaden von unserer Land- und Lebensmittelwirtschaft abzuwenden", unterstrich Hiegelsberger.
 

Bevölkerung sensibilisieren
 

In diesem Zusammenhang ist es dem Agrarlandesrat ein besonderes Anliegen, die Bedeutung dieses Themas der gesamten Bevölkerung zu vermitteln, denn die illegale Entsorgung kontaminierter Schweinefleischerzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes durch Reisende oder Fernfahrer, Arbeitskräfte aus ASP Regionen und Jagdtouristen gilt als Risikofaktor.
 

Der Runde Tisch zeigte auch, dass Oberösterreich hinsichtlich der technischen Voraussetzungen auf einen Seuchenfall vorbereitet wäre. Zudem gibt es bereits ein Monitoring, das sowohl tot aufgefundene Wildschweine, die Tierkörperverwertung, Schlachthöfe und das Probenmaterial der Tierärzte umfasst. Der Landesveterinärdienst weist darauf hin, dass das Fallwild das wichtigste Probenmaterial ist und alle gefundenen Wildschweine durch Amtstierärzte zu untersuchen sind. Die Bevölkerung wird aufgerufen, tote Wildschweine unbedingt zu melden.
 

Weitere Präventionsmaßnahmen
 

Die im Gesundheitsministerium eingerichtete "Task Force ASP" arbeitet aktuell an der Abstimmung eines Maßnahmenkatalogs mit der Jägerschaft. Die beim Seuchenausbruch im Wildschweinebestand Tschechiens angeordneten Maßnahmen dienen Österreich als Vorbild. Ferner hat das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) die Broschüre "Biosicherheit Schwein" veröffentlicht, die als Grundlage für die Umsetzung entsprechender Maßnahmen empfohlen wird. Zudem legt die Schweinegesundheitsverordnung Rahmenbedingungen für die Tierhalter fest, um Freilandschweine, aber auch Schweine in Stallhaltungssystemen vor einer Ansteckung zu schützen.
 

Förderungs- und Versicherungsmaßnahmen
 

"Das Land OÖ unterstützt im Rahmen der Investitionsförderung Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienemaßnahmen im Schweinebereich mit einer reduzierten Förderuntergrenze von mindestens 5.000 Euro Nettokosten, unter anderem für die Sicherung von Ausläufen zum Außenwildbereich, für Hygieneschleusen mit Desinfektionsanlagen sowie für Verladerampen mit Rücklaufsperreinrichtung. Versicherungsmöglichkeiten für tierhaltende Betriebe bestehen auf Ebene der Verbände sowie auf privater Basis. Österreich arbeitet an einem Modell der Tierversicherungen mit öffentlicher Unterstützung für eine bessere Risikovorsorge", so Hiegelsberger.
 

"Die Erfahrungen aus den betroffenen Ländern zeigen, dass das Infektionsrisiko in den Sommermonaten höher ist als im restlichen Jahr. Alle Beteiligten müssen auf den Ernstfall bestens vorbereitet sein, damit ein Seuchenfall umgehend und zeitnah bekämpft werden kann. Noch geht es aber darum, alle Möglichkeiten der Seuchenverhinderung auszuschöpfen und konsequent umzusetzen. Notwendige bauliche Maßnahmen in der Schweinehaltung dürfen nicht mehr aufgeschoben werden", betonte Reisecker. Die Verantwortung liege bei Schweinehaltern ebenso wie bei Forstarbeitern, Reisenden, Fernfahrern, Jägern und Tierärzten. Somit könne die gesamte Bevölkerung einen entscheidenden Beitrag zur Verhinderung der Afrikanischen Schweinepest leisten.