Eschentriebsterben in Österreich

Verantwortlich für das Absterben der Esche ist ein Pilz, der vor etwa 20 Jahren aus Japan nach Europa eingeschleppt wurde. Waldbesitzer könnenso aktiv gegen das drohende Aussterben der Esche vorgehen.

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© Maximilian Sachsen-Coburg
Die Krankheit kommt im gesamten Bundesgebiet vor. Sie schädigt befallene Bäume massiv und führt nach anfänglichen Zuwachsverlusten schließlich zum Absterben der Esche. Während wirtschaftliche Einbußen durch Zuwachsverluste an Altbäumen noch verkraftbar wären, ist der flächige Ausfall über alle Altersklassen hinweg ein großes Problem und gefährdet eine nachhaltige Waldwirtschaft mit der Esche und die Art als solches. Um die Esche zu retten, wurde der Verein „Esche in Not“ von der Universität für Bodenkultur und vom Bundesamt für Wald gegründet, weil zahlreiche Untersuchungen in Österreich und anderen europäischen Ländern ergeben haben, dass es in stark befallenen Beständen immer wieder einzelne Individuen gibt, die offenbar Abwehrmechanismen gegenüber dem Erreger des Triebsterbens besitzen oder sogar eine sehr hohe natürliche Resistenz aufweisen. Für eine vollständige Erfassung potenziell „resistenter“ Eschen und der lokalen genetischen Vielfalt werden vorzugsweise weibliche Eschen gesucht, die innerhalb von stark geschädigten Beständen, keine oder nur geringe Schäden aufweisen.

Pilz als Verursacher

Verantwortlich für das Absterben der Esche ist ein Pilz – das "Falsche Weiße Stengelbecherchen" (Hymenoscyphus fraxineus) – der vor etwa 20 Jahren aus Japan nach Europa eingeschleppt wurde. 2005 wurde der Krankheitserreger zum ersten Mal in Österreich nachgewiesen.

Die Symptome der Erkrankung

Triebumfassende Rindennekrosen unterbrechen die Wasserversorgung des Astes, sodass Pflanzenteile oberhalb der Nekrose welken und absterben. Unterhalb dieser Nekrosen treiben schlafende Knospen aus und führen zu einer Verbuschung der Krone. Die so geschwächten Bäume werden anfälliger für sekundäre Schadorganismen, wie Hallimasch und Eschenbastkäfer.

Handlungsempfehlungen gegen das Eschensterben

Nach dem derzeitigen Stand (März 2018) der Wissenschaft kann man folgende Empfehlungen abgeben:

  • Eine direkte Bekämpfung ist nicht möglich.
  • Es zeichnet sich ab, dass einzelne Eschen aufgrund ihrer genetischen Ausstattung weniger anfällig oder resistent gegen die Krankheit sind. Daher ist es wichtig, einen natürlichen Anpassungsprozess zu ermöglichen. Befallene Eschenbestände sollten also zunächst nur beobachtet werden. Ein sofortiger Eingriff ist in der Regel nicht erforderlich, außer bei älteren, stark befallenen Eschen besteht eine akute Gefahr der Holzentwertung oder Kulturen und Jungbestände sterben flächig ab.
  • Das große Naturverjüngungspotenzial der Esche sollte weiterhin genutzt werden, da die nicht betroffenen Bäume resistent sein könnten.
  • Ein Rückschnitt befallener Pflanzenteile macht keinen Sinn.
  • In von Eschen dominierten Jungbeständen mit Eschentriebsterben sollten grundsätzlich Pflegemaßnahmen unterbleiben. Pflegebedürftige Bestände ohne Symptome des Eschentriebsterbens sollten gleichmäßig aufgelichtet werden. Der Anteil der Mischbaumarten ist bei der Jungbestandspflege unbedingt zu erhalten und sollte bei entsprechender Qualität möglichst gesteigert werden.
  • Bei der Jungdurchforstung von gemischten Stangenhölzern sollten gezielt geeignete Mischbaumarten gefördert werden. Sie sind vor allem in den stark betroffenen Regionen zu bevorzugen. Vitale und gut bekronte Eschen sollen weiterhin, vor allem in den Gebieten mit bisher geringer Befallsintensität, gefördert werden.
  • Sobald sich an älteren Eschen aufgrund der Erkrankung Wasserreiser am Stamm bilden, ist mit einer Entwertung des Stammholzes zu rechnen. Daher sollten in Altdurchforstung und Endnutzung Werthölzer mit deutlichen Vitalitätsverlusten und Wasserreiserbildung bevorzugt entnommen werden.
  • Totholz kann als Brutraum für sekundäre Schadorganismen dienen. Stehendes Totholz kann daher nur dann im Bestand belassen werden, wenn es nicht mehr bruttauglich für Frischholz besiedelnde Insekten ist. Das ist in der Regel gegeben, wenn sich die Rinde leicht ablösen lässt.
  • Der als Sekündarschädling auftretende Hallimasch bringt die Wurzeln zum Absterben und die Bäume verlieren dadurch den Halt im Boden. Schon leichte Winde können oft noch gesund aussehende Bäume umwerfen und stellen so eine große Gefahr für Waldbesucher dar. Auch aufgrund von Haftungsfragen müssen diese Eschen unbedingt gefällt werden.
  • Aufgearbeitetes Eschenholz sollte unverzüglich aus den Beständen abgefahren werden. Eine Lagerung des Holzes (Brenn- und Stammholz) könnte sonst dem Eschenbastkäfer vermehrt Brutraum bieten.

Resistente Bäume melden!

Die Lagerhaus-Holzexperten empfehlen daher dringend, nicht blindlings sofort alle Eschen zu schlägern. Ein gesunder Esche Baum stellen keine Gefahr dar. Im Gegenteil: Deren Saatgut kann sogar mithelfen, die Esche für künftige Generationen zu erhalten. Auch der Holzmarkt kann diese enorme Menge von Eschen oft nicht aufnehmen. Vor allem mittlere bis schlechtere Qualitäten können nur mehr als Industrieholz verwendet werden.

Wer glaubt, dass er in seinem Wald resistente Eschen gefunden hat, kann sich an das Institut für Waldgenetik wenden Tel. 01 / 878 38 – 2110 oder E-Mail: institut2@bfw.gv.at

Die Esche und ihr Holz

Die Esche ist die zweithäufigste Laubbaumart im österreichischen Ertragswald nach der Buche mit einem Anteil von etwa 3 % der Stammzahl. Sie hat eine hohe Standorttoleranz und ein enormes Anpassungspotenzial. Das Holz der Esche zählt zu den wertvollsten europäischen Edellaubbaumarten. Mit einer besonders hohen Zugfestigkeit sowie guter Biegefestigkeit und Schlagzähigkeit eignet es sich hervorragend für Werkzeugstiele, Sport- und Turngeräte und für die Verwendung in der Wagnerei und Tischlerei.

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Autor:
DI Reinhard Pfeffer, RWA