EU: Erzeugermilchpreise konnten im Jahr 2017 deutlich zulegen

Heuer tendierten Erlöse wieder nach unten.

Den Haag, 26. Juni 2018 (aiz.info). - Nachdem sich die Erzeugermilchpreise in der EU in den Jahren 2015 und 2016 auf einem sehr niedrigen Niveau bewegt hatten, konnten sie 2017 deutlich zulegen. Im Schnitt zahlten führende europäische Molkereien ihren Lieferanten 35,24 Cent netto/kg Rohmilch, das entsprach gegenüber dem Vorjahr 2016 einem Anstieg um 6,93 Cent oder 24%. Dies geht aus dem soeben erschienenen Milchmarktbericht 2017 des niederländischen Landwirteverbandes LTO hervor. In den ersten vier Monaten von 2018 tendierten die Erlöse aber wieder nach unten.
 

Der LTO-Durchschnittswert wird monatlich in Kooperation mit EDF (European Dairy Farmers) auf Basis der Auszahlungsleistungen von 17 großen Milchverarbeitern in Nord- wie auch Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiß sowie einer jährlichen Anlieferung von 500.000 kg errechnet.
 

Außerhalb der EU kam es 2017 ebenfalls zu einem Plus bei den Erzeugermilchpreisen, allerdings in geringerem Umfang. So erhöhte sich der Milchpreis beim neuseeländischen Marktführer Fonterra (dem weltweit größten Exporteur von Molkereiprodukten) im Jahresschnitt um knapp 16% auf 32 Cent je kg. Das Milchwirtschaftsjahr dauert in Neuseeland allerdings von Juni bis Mai. In den USA wurden die Preise für Rohmilch der Klasse III im Mittel um 6,5% auf 36,22 Cent angehoben, damit wurde das EU-Niveau übertroffen. In der Schweiz lag der Erzeugerpreis der marktführenden Molkerei Emmi 2017 im Schnitt bei umgerechnet 49 Cent je kg. Das entsprach gegenüber dem Vorjahr sogar einem kleinen Minus von 1,6% - in der Landeswährung Franken berechnet ergab sich ein minimales Plus. Die eidgenössische Preisentwicklung wurde allerdings 2017 durch den Wegfall einer - 2016 noch gewährten - Zusatzprämie beeinflusst.
 

Stabilisierung am EU-Milchmarkt absehbar
 

Dem deutlichen Anstieg der EU-Erzeugermilchpreise ab Mitte 2017 folgte Anfang 2018 eine Phase mit negativer Tendenz. Im Jänner zahlten marktführende europäische Molkereien ihren Lieferanten im Mittel noch 35,44 Cent netto/kg Rohmilch. In den folgenden Monaten gaben die Erlöse kontinuierlich nach und im April wurden 32,51 Cent erlöst. (Anmerkung: In Österreich ergab sich von Jänner bis April 2018 eine Absenkung von 39,75 auf 35,97 Cent netto).
 

Mittlerweile dürfte es zu einer gewissen Stabilisierung am EU-Milchmarkt gekommen sein. Dies hängt nach Ansicht der LTO-Experten auch damit zusammen, dass im Mai normalerweise der saisonale Höhepunkt der Milchanlieferung erreicht wird und die Mengen in den folgenden Monaten wieder rückläufig sind.
 

In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres hatte sich die Milchanlieferung in der EU mit knapp 52,3 Mio. t noch deutlich oberhalb des Niveaus von 2017 bewegt (+ 2,1%). Dabei gingen jedoch die Zuwächse gegenüber dem Vorjahr vor allem im März witterungsbedingt spürbar zurück. Im April lag das Milchaufkommen nach Berechnungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) mit rund 13,7 Mio. t nur mehr leicht oberhalb der Vorjahreslinie (+0,7%). Damit hat sich das flächendeckende Wachstum zum Ende des ersten Quartals nicht fortgesetzt.
 

Außerdem haben sich bei Standardmilchprodukten die Notierungen nach dem starken Rückgang in der zweiten Jahreshälfte 2017 wieder erholt. So steigen seit Februar 2018 die Butterpreise in der EU wieder deutlich an - Anfang Juni wurde mit 589 Euro je 100 kg das Vorjahresniveau um 18% übertroffen. Trotz der hohen Interventionsbestände können auch bei Magermilchpulver die Preise seit April wieder spürbar zulegen. Anfang Juni erreichten sie im Mittel 152 Euro je 100 kg, damit blieben sie aber noch um 22% unter der Vorjahreslinie. Eine leichte Aufwärtsbewegung verzeichnet seit März auch Vollmilchpulver, dessen Notierungen Mitte Juni mit 279 Euro noch um 6% unter dem Vergleichspreis von 2017 blieb. Aufgrund dieser Rahmenbedingungen könnte laut LTO bei den Erzeugermilchpreisen mittlerweile die Talsohle erreicht worden sein.