EU-Schweinemarkt: Weiter anziehende Preise bei knapper Versorgungslage

Notierung kann in Österreich um 6 Cent zulegen.

Wien, 16. Februar 2018 (aiz.info). - Die erzeugerfreundliche Lage am europäischen Schweinemarkt hält auch in der dritten Februarwoche an. In Deutschland melden Erzeugergemeinschaften bis zu 10% verringerte Angebotszahlen im Vergleich zu normalen Werten und erhöhen den Vereinigungspreis gegenüber der Vorwoche um 6 Cent. Gleichzeitig hält das Interesse an schlachtreifen Schweinen seitens der Verarbeitungsunternehmen unvermindert an. Aus der Fleischbranche ist allerdings zu vernehmen, dass das Umsetzen der Preise nicht bei allen Teilstücken ein Selbstläufer ist.
 

In Spanien wird die Schweinebranche derzeit wegen eines Tierhaltungsskandals massiv durchgebeutelt. Eine Tierschutzorganisation hat bei einem nächtlichen Stallbesuch in der Nähe von Murcia äußerst unappetitliche Aufnahmen von kranken und verletzten Schweinen gemacht und über TV-Stationen und soziale Medien verbreitet. Besonders das abnehmende Unternehmen El Pozo, welches auch europaweit Salami- und Rohschinkenprodukte im Lebensmitteleinzelhandel vertreibt, hat infolgedessen mit erheblichen Stornierungen zu kämpfen.

Anhaltend ausverkauft bleibt der österreichische Schweinemarkt. Preisaktionen im Lebensmitteleinzelhandel, aber auch das saisontypische Interesse an Rohmaterial von Selber-Selchern erzeugt einen Sog, der mittlerweile bis in die Ferkelstallungen zurückreicht. "Noch vor vier Wochen musste man Abnehmer flehend bitten, doch noch die eine oder andere überständige Schweinepartie abzuholen, jetzt ist es genau umgekehrt", beschreibt der Disponent einer Erzeugergemeinschaft die Situation sehr treffend. Vor diesem Hintergrund konnte auch die Österreichische Schweinebörse die Mastschweine-Notierung um 6 Cent nach oben setzen, berichtet Geschäftsführer Johann Schlederer.
 

EU-Schweinefleischexporte waren im Jahr 2017 rückläufig
 

Die Exporte von Schweinefleisch aus der EU fielen im Jahr 2017 mit rund 3,82 Mio. t (Karkassengewicht) um 8,1% geringer als im Vorjahr aus, teilt die EU-Kommission mit. Die Ursache dafür liegt vor allem in den rückläufigen Lieferungen nach China, diese verringerten sich um 25,6% auf 1,39 Mio. t. Trotz dieses deutlichen Rückgangs blieb die Volksrepublik 2017 der mit Abstand wichtigste Abnehmer von EU-Schweinefleisch.
 

Positiv entwickelten sich 2017 die Lieferungen von EU-Schweinefleisch in andere Drittländer. So legten die Ausfuhren nach Japan um 5,1% auf rund 426.000 t und jene nach Hongkong um 4,5% auf 379.000 t zu. Die Exporte nach Südkorea konnten um 5,2% auf 274.000 t gesteigert werden, die Philippinen nahmen mit 249.000 t um 15,5% mehr Ware ab. Ein deutliches Plus wurde auch bei den Exporten in die USA registriert, sie stiegen um 33,2% auf 156.000 t.