Gesunde Pflanzen und optimales Umfeld gefragt

Neben einem gesunden und ausgewogenen Pflanzenbestand ist es bei der Silagebereitung besonders wichtig, die Voraussetzungen für eine kontrollierte und rasche Milchsäuregärung zu gewährleisten.

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Hohe Futterqualität ist Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg eines Betriebes. © John Deere
Die Wintermonate bieten sich häufig an, um die abgelaufene Erntesaison Revue passieren zu lassen. Die qualitative Beurteilung der produzierten und zur Fütterung vorgelegten Grassilage lässt zahlreiche Rückschlüsse zu. Ziel soll es sein, den Grünlandbestand und das Erntemanagement kontinuierlich zu verbessern, denn eines gilt mehr denn je: Nur einwandfreies Grundfutter, wie qualitativ hochwertige Grassilage, kann den wirtschaftlichen Erfolg eines viehhaltenden landwirtschaftlichen Betriebes sichern.

Die Silagequalität wird neben der Beachtung der Silierregeln und dem optimalen Einsatz der verfügbaren Siliertechnik von der botanischen Zusammensetzung des Mähgutes stark beeinflusst. Auf einen idealen Pflanzenbestand ist somit durch eine regelmäßige Nachsaat mit standort- und nutzungsangepassten Grünlandmischungen zu achten.

Erntegut: Vergärbarkeit einschätzen

Sehr gut silierfähig sind Bestände mit einem Gräseranteil von mindestens 60 %. Ausschlaggebend hierbei sind der höhere Zuckergehalt und die damit verbundene bessere Vergärbarkeit vieler Gräserarten (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1 : Idealer Pflanzenabstand

Anteil im Bestand % Artengruppe
60 - 80 Gräser
10 - 20 Leguminosen
Die Silierfähigkeit von Leguminosen und Kräutern ist nicht nur aufgrund des niedrigeren Zuckergehaltes schlechter. Sie beinhalten darüber hinaus Eiweißverbindungen und gehäuft Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium und Kalzium, die eine gewünschte rasche Ansäuerung der Grassilage abpuffern können. Das Verhältnis von Zuckergehalt (Z) zur Pufferkapazität (PK), welche in g Milchsäure/kg Trockenmasse (TM) gemessen wird, sollte dabei möglichst hoch sein. Der daraus resultierende Z/PK-Quotient gibt darüber Auskunft, um welchen Faktor die Zuckermenge in der Silage größer ist als die zum Ansäuern notwendige Milchsäuremenge. Zudem spielt der TM-Gehalt eine entscheidende Rolle, denn mit dem Anwelkgrad verbessert sich die Vergärbarkeit. Als Kennzahl, die alle diese Parameter miteinbezieht, kann der Vergärungskoeffizient (VK) herangezogen werden (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Kennzahlen der Vergärbarkeit nach DLG, 2006

Futtermittel TM % Zucker G/KG TM PK G MS/KG TM Z/PK-Quotient VK
Weidelgräser - frisch 20 173 52 3,3 47
Weidelgräser - angewelkt 35 173 52 3,3 62
Sonstige Gräser - frisch 20 92 55 1,7 33
Sonstige Gräser - angewelkt 35 92 55 1,7 48
Luzerne - frisch 20 65 74 0,9 27
Um die bessere Vergärbarkeit angewelkter Futtermittel auszunutzen, ist die Einschätzung des TM-Gehaltes in der Praxis besonders wichtig. Der Anwelkgrad sollte zwischen 30 % und 40 % TM liegen. Die Zuckerkonzentration wird so angehoben und das Erntegut ist leichter vergärbar. Zudem bleibt ab einem TM-Gehalt von 30 % die Bildung von Gärsaft aus, was zur Minimierung der Nährstoffverluste bei der Futterkonservierung beiträgt. Ab 40 % TM steigt hingegen das Risiko für Schimmelbildung und Nachgärung bei der Ernteentnahme. Die Durchführung der Wringmethode hilft bei der Einschätzung des Anwelkgrades (siehe Tabelle 3).

Der Erntezeitpunkt und die Häcksellänge des Siliergutes sind weitere Parameter, die den Siliererfolg und die Qualität maßgeblich beeinflussen können. Sofern es die Witterung zulässt, gilt grundsätzlich, dass der Bestand im Ähren- und Rispenschieben des Leitgrases (Rohfaser < 270 g/kg TM) gemäht und in weiterer Folge gehäckselt werden soll. Denn je kürzer das Mähgut, desto leichter lässt es sich auch verdichten und die Gefahr von Fehlgärungen sinkt.

Tabelle 3: Wringmethode

Methode TM-Gehalt % Bezeichnung
Kräftiger Händedruck: Austritt von Pflanzensaft; Futterknäuel bleibt nach dem Auspressen geschlossen. 20 - 30 Nasssilage bzw. leichte Anwelksilage
Auswinden: kein Saftaustritt; gepresstes Futterknäuel geht wieder auf. Stängel sind noch grün. 30 - 40 optimale Anwelksilage

Grundsätze der Silierkette

Ein Fahrsilo muss so schnell wie möglich befüllt, gewalzt und luftdicht abgeschlossen werden. Der Walztraktor sollte dabei mindestens 1/3 der stündlichen Einfuhrmenge wiegen. Als Faustregel kann angenommen werden, dass 1 m3 Erntegut (35 % TM) im Ladewagen rund 200 kg und im Häcksler rund 150 kg wiegen. Die Walzschicht sollte dabei mindestens 2-mal überfahren werden und eine Höhe von 30 – 40 cm nicht überschreiten. Beim Abdecken sollte darüber hinaus auf Unterziehfolien und Schutzgitter nicht verzichtet werden. Die Bildung von CO2 Gashauben unter der Folie deutet auf eine gute Abdichtung und eine rasche und gute Milchsäuregärung hin. Obwohl es aufgrund der Sauerstoffzufuhr für den Gärprozess ungünstig ist, ist ein Nachfüllen des Silos häufig notwendig. Besonders wichtig ist, dass erst der folgende Schnitt nachsiliert wird und dabei das angewelkte Futter mehr als 30 % TM aufweist. Denn auftretende Gärsäfte bei nassen Silagen können die bereits vergorene Silage hauptsächlich durch eine Buttersäuregärung verderben lassen. Bei der Erzeugung von Silageballen sollte der Ballen 6-fach mit der Stretchfolie umwickelt werden, um eine stabile Sauerstoffbarriere zu gewährleisten. So ist mit einem optimalen Gärverlauf und einer stabilen Grassilage nach spätestens 5 – 6 Wochen zu rechnen.

Gärschädlinge in Schach halten

Für eine rasche Vergärung von angewelktem Grünfutter hin zu qualitativ hochwertiger Silage sollen die auf dem Erntegut natürlich vorkommenden Milchsäurebakterien sorgen. Zucker wird dabei zu Milchsäure vergoren, die zur gewünschten pH-Wert Absenkung (Optimalbereich 4,2 – 4,8) führt. Besonders Verschmutzungen können zur Etablierung von Buttersäurebakterien (Clostridien) und Essigsäurebildnern (Colibakterien) in der Silage führen und sollen daher unbedingt vermieden werden. Buttersäure im Futter ist generell unerwünscht, da sie unangenehm schweißig stinkt und die Fresslust der Tiere erheblich senkt. Essigsäure, welche stechend riecht, ist bis zu einem gewissen Anteil gewünscht, da sie die Aktivität von Hefen hemmt und so einer Silonacherwärmung entgegenwirkt. Weiters sind Fäulnisbakterien, die Proteine im Futter abbauen und Schimmelpilze unerwünscht (siehe Tabelle 4).

Tabelle 4: Umweltansprüche von Milchsäurebakterien und bedeutender Gärschädlinge

Mkroorganismen Sauerstoffbedarf Optimaler Optimale
Ja Falkultativ Nein pH-Wert Temperaturen in °C
Milchsäurebakterien x 3 - 4,5 15 - 25
Buttersäurebakterien x 4 - 5 30 - 40
Essigsäurebakterien x 4,5 - 6 25 - 35
Hefen x 2,5 - 4,5 20 - 45
Fäulnisbakterien x 5 - 7 20 - 45
Eine weitere wichtige Rolle in der Silageproduktion spielt Nitrat. Denn bei Gehalten unter 1 g/kg TM kann die Buttersäurebildung angekurbelt werden.

Bei der Silageentnahme ist der Vorschub besonders entscheidend. Im Winter sollte dieser 1 – 1,5 und im Sommer 2 – 2,5 m pro Woche betragen. Ansonsten kann die Aktivität der Hefen durch die andauernde Luftzufuhr in der Silage ansteigen. Durch den Abbau von Milchsäure steigt auch der pH-Wert, wodurch wiederum Fäulnisbakterien und Schimmelpilze gefördert werden können.

Untersuchung: Fütterung optimieren

In der Milchviehhaltung betragen die Futterkosten über 50 % der gesamten variablen Kosten. Neben der sensorischen Prüfung ist die Futteranalyse mit anschließender Rationsberechnung ein wichtiges Instrument zur Optimierung der Fütterung. Besonders gilt es, eine repräsentative Mischprobe aus 6 – 8 Einzelproben von unterschiedlichen Stellen und Schichten zu ziehen. Unter dem Aspekt der höheren Nährstoffverluste an Oberflächen und Randschichten sind diese zu meiden.

Für die Ziehung der erforderlichen 1,5 kg Probenmenge empfiehlt sich ein geeigneter Probenbohrer. Nach der Entnahme sollen Silagen aufgrund ihres hohen Wassergehaltes vor Licht und Luft geschützt und dementsprechend verpackt werden. Sofern keine Vakuumiermaschine zur Verfügung steht, eignen sich Tiefkühlsäcke sehr gut, aus denen die Luft mittels Staubsauger entzogen werden kann. Der Probesack ist in weiterer Folge luftdicht zu verschließen und möglichst rasch an das Futtermittellabor zu versenden. Neben der Grundanalyse, bestehend aus Trockenmasse, Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Energie (MJ NEL, ME), geben die Gärqualitätsanalyse und die mikrobiologische Analyse der Probe Aufschluss zur Silagequalität. Bei Problembetrieben bietet sich die Analyse der Mengen- und Spurenelemente an. Zur weiteren Präzisierung der Versorgung von Wiederkäuern mit „Struktur“ bietet sich die Untersuchung der pflanzlichen Gerüstsubstanzen (Hemizellulose, Zellulose und Lignin) an (siehe Tabelle 5).

Tabelle 5: Kennzahlen zur Grassilage

Qualitätsparameter Toleranz Maßnahmen
Trockenmasse in % 30 - 40 mäßig anwelken
Trockenmassegehalt in kg/m3 über 200 häckseln, verdichten
Rohfasergehalt % in der TM 23 - 26 Schnittzeitpunkt im Ähren- und Rispenschieben
Rohasche % in der TM unter 10 Rasierschnitt vermeiden
Energiegehalt im MJ NEL je kg TM > 5,8 Gräseranteil über 60 %
Zuckergehalt % in der TM 8 - 12 Gräseranteil, Schnittzeitpunkt, Anwelken
Rohprotein % in der TM 15 - 18 N-Düngung, Schnittzeitpunkt
NH4-N zu Geamt-N in % unter 8 rasche pH-Absenkung, Sauerstoff meiden
pH-Wert < 4,5 (TM abhängig) Förderung der Milchsäuregärung
Milchsäuregehalt g je kg TM > 20 TM-Gehalt einhalten, gute Verdichtung
Essigsäuregehalt g je kg TM 10 - 15 Nasssilage meiden
Buttersäuregehalt g je kg TM unter 3 Verschmutzung meiden
Clostridien in 1.000 je kg Futter weniger als 10 Verschmutzund meiden
Schimmelpilze in 1.000 je g Futter weniger als 10 ausreichend verdichten, Vorschub beachten

Kompetente Beratung

Die Grundfutterbereitung und Fütterung sind komplex. Die Kammern für Land- und Forstwirtschaft bieten unter anderem Beratungen zu den Themenschwerpunkten „Grünlandbewirtschaftung“ und „Fütterung“ an. Nähere Infos auf der Homepager der Landwirtschaftskammer Österreich.

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Autor:
DI Matthias Greisberger, BEd, LK Salzburg