Landwirtschaft

Die Tanne im Klimawandel

expertentipp

Für viele überraschend, setzen immer mehr Forstexperten dort auf die Tanne, wo die Fichte infolge von Trockenheit und Borkenkäfer großflächig ausfällt.

Die Tanne hat eine enorme Regenerationsfähigkeit und erreicht nach Trockenphasen rasch ihr ursprüngliches Wuchspotenzial.

Die Tanne hat eine enorme Regenerationsfähigkeit und erreicht nach Trockenphasen rasch ihr ursprüngliches Wuchspotenzial.

Ohne menschlichen Einfluss wäre die Verbreitung der Tanne größer, sie hat wesentliche Vorteile gegenüber der Fichte: Sie ist wärmeresistenter, kann schwere Böden gut auflockern und durch ihre Pfahlwurzeln können tiefergelegene Wasserreserven im Boden leicht aufgeschlossen werden. Ihr größter Vorteil ist aber wahrscheinlich die enorme genetische Vielfalt. Es gibt sehr viele Variationen, die für viele unterschiedliche Standorte und klimatische Verhältnisse passend sind. Die Herausforderung ist, dass man für seinen Waldstandort die am besten geeignete Herkunft findet.

 

Die Tanne kommt auf sehr vielen Bodentypen vor und ist eine Mischwaldbaumart. Bei Trockenstress weist sie geringe Wachstumseinbußen im Vergleich zu Fichte und Lärche auf. Aber von allen Baumarten hat die Tanne die beste Regenerationsfähigkeit und erreicht schnell wieder das ursprüngliche Wuchspotenzial.

 

Ein waldbaulicher Vorteil der schattentoleranten Baumart ist die Toleranz gegen Überschirmung und Seitendruck. Sie ist daher auf den richtigen Standorten eine ideale Mischbaumart zur wirtschaftlichen Aufwertung und Verringerung des Produktionsrisikos gegenüber Reinbeständen. Die Beimischung der Schattbaumart Tanne erlaubt einen höheren Nadelholzanteil, als wenn nur Lichtbaumarten beigemischt wären.

Holzeigenschaften und Vermarktung

Die Tanne ist der Fichte sehr ähnlich und hat Vorteile überall dort, wo die Harzfreiheit des Holzes
wichtig ist (z.B. Saunabau), wo die Imprägnierbarkeit und Aufnahmefähigkeit für Lasuren vorteilhaft ist oder im Wasserbau. Die Tanne hat aber oft einen Nasskern, das in der Weiterverarbeitung durch die unterschiedliche Trocknungsdauer zu Problemen führen kann. Es wird daher meist ein Abschlag von 10 – 15 % von der Fichte bezahlt. Sie kennt zwar auch Schadinsekten, ist aber bei weitem nicht in dem Ausmaß durch Borkenkäferkalamitäten gefährdet wie die Fichte. Alleine das geringere Betriebsrisiko in Zeiten des Klimawandels sollte allfällige Nachteile ausgleichen.

 

Tanne wird nicht in dem Ausmaß geschält wie die Fichte. Tanne ist nicht von Rotfäule betroffen, der Preis rotfauler Fichte ist trotz Tannenabschlag niedriger als jener der Tanne. Dieser beträchtliche wirtschaftliche Mehrwert der Tanne bleibt meist unbeachtet.

 

Fast überall in Österreich herrschen Kombinationen aus Temperatur und Niederschlag, wie sie auch im natürlichen Verbreitungsgebiet der Tanne vorkommen. Aufgrund der Klimaerwärmung wird sich die Tanne zwar in einigen Waldregionen nicht mehr wohlfühlen, aber weite Teile unseres Landes werden auch in Zukunft gute Klimabedingungen für sie aufweisen.

Schlecht für die Tanne

Gefährdet ist die Tanne durch Spätfröste, falsche waldbauliche Behandlung und zu hohem Wildstand.

Fichte seit jahrhunderten begünstigt

Warum kommt die Tanne in unseren Breiten nicht öfter vor? Die Ursache dafür liegt ganz allein am Menschen: Seit dem Spätmittelalter fand im Alpenraum eine großflächige Kahlschlagwirtschaft zur Deckung des enormen Holzbedarfs statt. Durch die Wiederbegründung dieser Flächen durch Saat oder Pflanzung wurde das Aufkommen der Fichte begünstigt und jenes der Tanne wesentlich erschwert. Hinzu kommen Wildüberhege und Waldweide.

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Autor: DI Reinhard Pfeffer, RWA