Österreichische Molkereien steigerten 2017 Umsatz um 10,2%

Erzeugerpreise wurden um 19% angehoben.

Wien, 4. April 2018 (aiz.info). - Die Umsätze der heimischen Molkereien und Käsereien sind im Jahr 2017 um 10,2% auf rund 2,7 Mrd. Euro gestiegen. Diese Zunahme ist vor allem auf höhere Verwertungspreise, besonders bei fetthaltigen Produkten, sowie auf gestiegene Verarbeitungsmengen zurückzuführen. Die Ertragslage der Molkereien war weiterhin knapp, das Ergebnis vor Steuern blieb mit 1,4% der Betriebsleistung auf einem niedrigen Niveau. Dies teilte heute der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, im Rahmen der Bilanzpressekonferenz mit.
 

"Rückläufige Anlieferungsentwicklungen in wichtigen Produktionsländern, zusätzliche Marktmaßnahmen seitens der EU sowie eine bessere Bewertung von Butter und Milchfett führten Ende 2016/Anfang 2017 zu einer Stabilisierung des Milchmarktes. Nach zwei extrem schwierigen Jahren konnten damit die Einkommen der heimischen Milchbauern endlich wieder stabilisiert werden", erläuterte Petschar.
 

Erzeugermilchpreise deutlich gestiegen
 

Die Erzeugermilchpreise sind 2017 in Österreich im Schnitt um 19% auf 42,12 Cent/kg gestiegen (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen, ab Hof, inkl. MwSt.). "Diese Erhöhung ist vor dem Hintergrund der Preisrückgänge in den vorangegangenen zwei Jahren zu sehen und verweist auf die hohe Volatilität am Milchmarkt", so Petschar. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld der österreichischen Molkereien an die heimischen Landwirte lag mit 50.585 Euro um 27,4% über dem Vorjahreswert und brachte für die heimischen Milchbauern eine dringend benötigte Verbesserung bei den Einkommen.
 

Der Strukturwandel ging dennoch weiter: Die Zahl der Milchlieferanten sank 2017 um 3,2% auf 27.600. Mit 19,7 Kühen im Durchschnitt, einer Milchlieferleistung von 6.100 kg je Kuh und einer mittleren Molkereianlieferung je Landwirt von 120.000 kg sind die Betriebe im internationalen Vergleich immer noch kleinstrukturiert.
 

Anlieferung um 3,1% gestiegen
 

In Summe stieg die österreichische Milchanlieferung im Jahr 2017 um 3,1% auf 3,071 Mio. t. Ein besonderer Zuwachs wurde im Bereich Biomilch festgestellt, mit einer Produktion von 526.000 t konnte der Biomilchanteil auf 16,4% gesteigert werden. Während in den ersten Monaten noch Rückgänge bei der Gesamtmenge zu verbuchen waren, kam es gegen Ende des Jahres im Inland zu deutlich stärkeren Überlieferungen. Im Jänner 2018 wurde eine Mehrmenge im Vergleich zum Vorjahresmonat von 10,2% festgestellt.
 

2017 Trendwende am Milchmarkt
 

Die europaweit tiefen Milchpreise 2016 und Anfang 2017 führten zu einer deutlichen Angebotsverknappung am internationalen Markt, was in weiterer Folge vor allem bei Butter eine Knappheit bewirkte und hier die Preise im zweiten Halbjahr 2017 auf Rekordhöhen emporschnellen ließ. Diese hohen Butterpreise waren nicht von langer Dauer, mittlerweile gab es Preiskorrekturen, zuletzt konnten sie sich wieder halbwegs stabilisieren.
 

Ab dem Sommer 2017 kam es in vielen Ländern Europas aufgrund der gestiegenen Erzeugerpreise wieder zu deutlich höheren Milchanlieferungen. Die Menge stieg im Gesamtjahr 2017 in der EU um 1,8% und lag im Jänner 2018 um 4% über dem Vorjahresniveau. Dies führt mittlerweile zu einer Korrektur der Erzeugerpreise nach unten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Notierungen am Eiweißmarkt nicht vom Fleck kommen, hier bestehen nach wie vor hohe Überschüsse und äußerst tiefe Preise. Wie berichtet, machen in der EU die Interventionslagerbestände bei Magermilchpulver immer noch rund 373.000 t aus.
 

Exporte gestiegen
 

Im Außenhandel mit Molkereiprodukten konnte Österreich im Jahr 2017 deutliche Zuwächse erreichen: Mit einem Exportwert von 1,18 Mrd. Euro (+4,7%) konnten die bisherigen Rekordzahlen des Jahres 2014, dem letzten Jahr vor der Milchkrise, wieder erreicht werden. Gestiegen sind aber auch die Importe, diese betrugen 781 Mio. Euro (+8,6%). Insgesamt konnte die heimische Milchwirtschaft einen positiven Exportsaldo von 402 Mio. Euro erreichen. Wichtigstes Außenhandelsprodukt der Milchwirtschaft ist Käse, hier wurden 142.000 t um 576 Mio. Euro exportiert. Butter ist ein traditionelles Importprodukt, hier standen 3.800 t an Ausfuhren 17.500 t an Einfuhren gegenüber, berichtete VÖM-Geschäftsführer Johann Költringer. "Die positive Exportentwicklung im Jahr 2017 hat gezeigt, dass auch im Ausland mit hochwertigen Produkten Erfolge zu erzielen sind. Die hohen Qualitätsstandards der heimischen Milchwirtschaft sind eine gute Ausgangsbasis für weitere Zuwächse in diesem Bereich", unterstrich Petschar.
 

Österreichische Qualitätsstrategie weiter ausgebaut
 

"Die österreichische Milchwirtschaft hat im Jahr 2017 ihre Qualitätsstrategie weiter ausgebaut: Schwerpunkte waren hier Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls und der Nachhaltigkeit in der Fütterung, vor allem durch den Verzicht auf Soja aus Übersee. Damit soll den Erwartungen der Konsumenten entgegengekommen werden, außerdem wollen wir so den ökologischen Fußabdruck der Milchwirtschaft weiterhin verbessern", unterstrich Petschar. Die Molkereien seien bemüht, ihr nachhaltiges Milchsortimenten mit regionalem Bezug weiter auszubauen. Mit dieser konsequenten Differenzierungsstrategie im Qualitätssegment solle die besondere Wertigkeit heimischer Milchprodukte gegenüber Standardprodukten aus dem Ausland abgesichert werden.
 

Der VÖM-Chef verwies in diesem Zusammenhang auch auf die schwierigen Rahmenbedingungen im heimischen Lebensmitteleinzelhandel: "Die hohe Marktkonzentration, der wachsende Anteil von Eigenmarken und bisher noch nicht umgesetzte Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbssituation in der Lebensmittelkette sind für die Milchbauern und Verarbeiter insgesamt eine sehr große Herausforderung. Es bleibt zu hoffen, dass die angekündigten Maßnahmen der EU- Kommission zur strengeren Handhabung unfairer Handelspraktiken und die diesbezüglichen Maßnahmen in Österreich so bald wie möglich wirksam werden", so Petschar.
 

Regierungsprogramm mit positiven Ansätzen
 

Das österreichische Regierungsprogramm enthalte eine Reihe von positiven Ansätzen zur Verbesserung der Situation am Milchmarkt, ergänzte Petschar. Als Beispiele nannte er die Herkunftskennzeichnung, die auch Importprodukte umfassen solle, Entbürokratisierungs-Maßnahmen und die Entlastung von strukturbedingten höheren Kosten (Milchtransport) sowie die Absicherung des Milchstandorts Österreich. Auch die Unterstützung im Außenhandel sei für die Branche sehr wichtig, betonte er.
 

Gemischte Aussichten für 2018
 

"Die weitere Entwicklung am Milchmarkt wird einerseits von der internationalen Entwicklung der Angebots- und Nachfrageverhältnisse abhängen, die auch in Österreich die Richtung vorgeben werden. Zunächst stärken die aktuellen Entwicklungen am Butter- und Fettmarkt die Situation, die gute Konjunktur der Weltwirtschaft und gute Exporte lassen auf einen steigenden Konsum hoffen. Gefahr kommt vom starken Euro, weiters von Maßnahmen durch einzelne Handelspartner und den nach wie vor hohen Interventionsbeständen an Magermilchpulver. Insgesamt wird weiter mit einer hohen Volatilität am Markt zu rechnen sein", fasste Petschar die kurz- und mittelfristigen Aussichten des Milchsektors zusammen.