Neue Pflanzenschutzmittel für Getreide

Die RWA-Pflanzenschutz-Experten stellen Ihnen die neuen Getreide-Pflanzenschutzmittel für die Saison 2018 vor.

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© John Deere
Wir geben Ihnen einen Überblick über die Pflanzenschutzmittel für Getreide der aktuellen Saison.

Das Ackerfuchsschwanzgras etabliert sich, langsam aber sicher, auch in den österreichischen
Getreideanbaugebieten. Das ist kein Geheimnis. Ackerfuchsschwanzgras kommt vor allem im Wintergetreide vor. Seine Samen (bis zu 2000 können pro Pflanze produziert werden) bleiben mehr als 10 Jahre in der Erde. Dementsprechend groß ist das Vermehrungspotenzial.
 

Unkrautbekämpfung im Getreide

Die Firma Syngenta bietet mit Avoxa eine Lösung an: Der „Gräserspezialist“ enthält die Wirkstoffe Pinoxaden und Pyroxsulam und ist mit einem Safener formuliert. Die beiden Wirkstoffe sind z.B. aus Axial bzw. Broadway bekannt. In Winterweizen, Winterroggen und Wintertriticale wird Avoxa im Frühjahr im Stadium 13 – 32 mit 1,8 l/ha eingesetzt. Weitere Schadgräser wie Windhalm, Weidelgrasarten und Flughafer werden miterfasst. Eine Schwäche besteht bei einjähriger Rispe. Um die Wirkungslücken bei Unkräutern wie Kornblume, Klatschmohn, Storchschnabel und Erdrauch schließen zu können, soll eine Tankmischung aus 1,35 – 1,8 l/ha Avoxa mit 25 g/ha Saracen Max angewendet werden.
 
Zypar soll 2018 in geringen Mengen zur Verfügung stehen. Der aus dem Pixxaro bekannte
Wirkstoff Arylex liegt bei diesem Getreideherbizid in einer Kombination mit Florasulam vor.
Arylex ist ein synthetisches Auxin („Wuchsstoff “), kann aber trotzdem schon ab +2°C angewendet werden. Die Zulassung liegt in Winter- und Sommergetreide – mit Ausnahme des Hafers – vor. Ein Vorteil ist der lange Einsatzzeitraum von ES 13 – ES 45 mit 1 l/ha. Um die Schwäche gegen Ehrenpreis und Stiefmütterchen schließen zu können, ist ein Tankmischpartner (z.B. Artus) notwendig. Hervorheben muss man die sehr gute Mischbarkeit von Zypar mit Gräsermitteln wie Axial oder Atlantis OD. Wir empfehlen Zypar für den frühen und Pixxaro für den späteren Einsatz.
 
Antarktis wurde von der Firma Adama zugelassen. Auch in diesem Herbizid finden wir
den Wirkstoff Florasulam. Allerdings wird er im Antarktis mit Bifenox („Fox“) kombiniert. Diese Wirkstoffe entstammen aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen, was hinsichtlich der Resistenzstrategie hervorzuheben ist. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem frühen Einsatz gegen einjährige, breitblättrige Unkräuter wie z.B. Klettenlabkraut, Ackerstiefmütterchen, Ehrenpreis und Klatschmohn in den Winterungen und Sommerungen inklusive Hafer. Aufwandmenge: 1 l/ha.
 
Da die Firma FMC die Saracen-Produkte abgibt, empfiehlt sie 2018 Omnera LQM als Getreideherbizid gegen Taubnessel, Kamille, Ausfallraps und Vogelmiere mit 1 l/ha. Auch das Klettenlabkraut gehört zum Wirkungsspektrum, Wirkungsschwächen
bei Ehrenpreis-Arten. Durch den Anteil von Metsulfuron ist eine Wirkung auf „kleine“ Windhalmpflanzen zu erwarten. Die Wirkstoffkombination Fluroxypyr mit Metsulfuron-
Methyl und Thifensulfuron-Methyl liegt in einer Formulierung vor, die eine sehr rasche Regenfestigkeit mit einer guten Anhaftung an der Blattoberfläche garantiert.
 
Die bisher vermarkteten Duplosane werden allesamt durch Duplosan Super ersetzt. Dafür finden wir die Wirkstoffe aus dem Duplosan DP (Dichlorprop-P), aus dem Dupolsan KV (MCPP) und dem Dicopur M (MCPA) vereint im neuen Produkt. Aufwandmenge: 2,5 l/ha. Eine Spritzung ist in allen Getreidearten mit 2,5 l/ha möglich.
 
Duplosan Super findet sich auch in Aniten Super wieder. Dabei handelt es sich um einen Doppelkammerkanister, in dem Duplosan Super und Aurora 40 WG kombiniert werden. Die Tankmischung soll in einer Aufwandmenge von 2,5 l/ha Duplosan Super und 50 g/ha Aurora in Getreidewinterungen und mit reduzierten Aufwandmengen in den Sommerungen ausgebracht werden. Viele Unkräuter, mit Ausnahme von Ackerstiefmütterchen und Kamille, werden erfasst. Soll beispielsweise auch der Windhalm ausgeschaltet werden, empfiehlt sich die Tankmischung aus Aniten Super mit 2 l/ha Lentipur 500.
 
Express SX + Pixxaro EC wird die altbekannte Kombipackung Express + Starane XL ablösen.
 

Wachstumsregler für Getreide

Achten Sie bei den Nachauflaufpräparaten, welches Produkt in welcher Sorte eingesetzt werden kann, ohne dass die Kultur Schaden erleidet. Pulsar Plus nur in den neuen Clearfield-Plus-Sorten (z.B. SY Neostar) einsetzen und nicht in der altbekannten NK Neoma.
 
Express SX nur in Express-toleranten Sorten einsetzen!
 

Getreidefungizide: Neue Lösungen

Was sich letztes Jahr am Maisherbizidmarkt gezeigt hat – nämlich sehr viele neue Lösungen –, finden wir 2018 bei den Getreidefungiziden.
 
„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, so lautet das Credo von Kantik, einem Getreidefungizid für den frühen Einsatz. 3 Wirkstoffe (Prochloraz, Tebuconazol und Fenpropidin) sind für eine verlässliche Wirkung mit 2 l/ha gegen Getreidemehltau, Septoria Tritici, Roste, Netzfleckenkrankheit und Rhynchosporium Blattfleckenkrankheit in Weizen, Gerste, Roggen und Triticale verantwortlich. Eine Ausbringung ist nur mit Düsen, die eine 90 %-ige Abdriftminderung gewährleisten, erlaubt.
 
Im Hochleistungsfungizd-Segment wird Elatus ERA erstmals 2018 in Österreich vermarktet. Benzovindiflupyr und der bisher nur von der Firma BCS vermarktete Wirkstoff  Prothioconazol“ bilden die Basis für eine sehr gute Wirkung gegen Rostpilze, Septoria-Arten, Ährenfusariosen, aber auch Netzfleckenkrankheit und Rhynchosporia-Blattflecken. „Solatenol“ ist das Warenzeichen für den Wirkstoff Benzovindiflupyr. Er gehört zu den SDHI-Fungiziden und dort in die Untergruppe der Pyrazol-4-Carboxamide. Diese Untergruppe ist die neueste Generation der Carboxamide. Die zugelassene Aufwandmenge von Elatus Era liegt bei 1 l/ha in Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Triticale. Um die Wirkung in der Gerste gegen die Ramularia Sprenkelkrankheit sicherstellen zu können, wird eine Anwendung in Tankmischung mit Amistar Opti empfohlen. Die Aufwandmengen lauten dann: 0,8 – 1 l/ha Elatus Era + 1,2 – 1,5l/ha Amistar Opti. Auch eine Tankmischung mit dem reinen Chlorthalonil-Produkt Balear ist denkbar.
 
Apropos Chlorthalonil: Dieser, für eine Ramularia wertvolle Wirkstoff darf nicht „verheizt“
werden. Das heißt, um die Wirkung abzusichern und um allfälligen Resistenzen vorzubeugen,
empfehlen wir in der Gerste immer mind. 600 g/ha Chlorthalonil. Auf das Produkt gerechnet,
ergeben sich daher z.B. folgende Aufwandmengen:
 
• Alternil, Balear: 0,85l/ha
• Amistar Opti: 1,5l/ha
 
Beachten Sie die unterschiedlichen Anwendungsbestimmungen Chlorthalonil-haltiger
Fungizide.
 
War 2017 Aviator Xpro noch ein viel eingesetztes Getreidefungizid, hat es 2018 schon einen Nachfolger: Ascra Xpro ist die Kombination aus den Wirkstoffen vom Aviator Xpro (Bixafen, Prothioconazol) mit Fluopyram, einem Verwandten zu den Carboxamiden. Fluopyram ist den Wein- bzw. Obstbauern schon aus den „Luna“-Produkten bekannt. Die Zulassung liegt in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer mit 1,2 l/ha bis 1,5 l/ha vor. Betrachtet man die Wirkstoffe näher, wird schnell klar, dass mit dieser Produktkombination alle wichtigen Getreidekrankheiten inkl. Halmbruch sehr gut erfasst werden. Im direkten Vergleich schneidet Aviator Xpro gegen den echten Mehltau besser ab. Auch beim Ascra Xpro muss in der Gerste gegen die Ramularia ein Chlorthalonil-Produkt beigemengt werden.
 
Vermarktet wird diese Kombination als Ascra Plus. Die empfohlene Aufwandmenge lautet
dann 0,8–1 l/ha Ascra Xpro + 0,8–1 l/ha Alternil. Bei Ascra Xpro und bei Elatus Era weisen die
Hersteller auf zusätzliche pflanzenphysiologische Effekte hin. So soll sich die Wurzelbildung
verbessern und die Kulturpflanze stresstoleranter werden.
 
Einen Spezialisten für die Anwendung in der Gerste bringt BASF mit Divexo. Die Wirkstoffe Chlorthalonil und Fluxapyroxad (Xemium) bestimmen die Wirkung gegen die wichtigsten
Gerstenkrankheiten. Eine Zulassung in anderen Getreidekulturen liegt ebenfalls vor. In
den Versuchen zeigte die Tankmischung aus 1,5 l/ha Divexo + 1,0 l/ha Osiris sehr gute Ergebnisse gegen die Blattflecken-, Netzfleckenkrankheit und Ramularia. Die EC-Formulierung von Osiris beschleunigt das als Suspensionskonzentrat formulierte – und damit sich in der Aufnahme und Verteilung in der Pflanze als eher langsam einzustufende – Divexo.
 
Faxer Plus bietet eine weitere Möglichkeit für die erste Anwendung (T1-Spritzung) in Weizen, Triticale und Roggen. Faxer, ein „Prochloraz-Produkt“, soll mit Soleil (Tebuconazole+Bromuconazol) in einer Tankmischung eingesetzt werden. Eine Wirkung gegen Halmbruch, Septoria-Arten, Mehltau und Ährenfusarien wird vom Vertreiber angekündigt. In Versuchen bzw. in der Praxis konnten wir diese Produktkombination
noch nicht beurteilen.
 

Pflanzenschutzmittel

Handelsname Reg.Nr.
Alternil 3635-901
Amistar Opti 3066
Antarktis 3874
Ascra Xpro 3866
Atlantis OD 3253
Aurora 40 WG 2880-901
Avoxa 3864
Axial 50 3067
Balear 720 SC 3635
Broadway 3049
Dicopur M 3052
Divexo 3862
Duplosan DP 3047
Duplosan KV 3048
Duplosan KV neu 2841
Duplosan Super 3754
Elatus Era 3829
Express SX 2914
Faxer 3815
Kantik 3805
Luna Experience 3250
Luna Max 3888
Omnera LQM 3808
Osiris 3092
Pixxaro EC 3756
Pulsar plus 3737
Saracen Max 3691

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Autor:
Ing. Kurt Graf und Ing. Horst Kirchmayr, RWA