Scharfe Korrektur der Weizenernte Frankreichs startet Rallye an Euronext

COPA-COGECA: 6% kleinere EU-Ernte - IGC senkt Prognosen 2017/18 und 2018/19.

Wien, 3. Juli 2018 (aiz.info). - Quer durch die Branche senken Analysten ihre Ernteprognosen für das angelaufene Wirtschaftsjahr 2018/19 - aktuell der EU-Landwirte- und Genossenschaftsverband COPA-COGECA und der Internationale Getreiderat IGC (Prognosen stehen unten als Downloads zur Verfügung). Die drastischste Reaktion der Märkte löste die monatlich veröffentlichte französische Analyse Strategie Grains vergangenen Freitag aus. Die Experten reduzierten die Weizenernte des größten Produzenten und Exporteurs in der EU, Frankreich, um 4,6 Mio. t oder 12% von zuletzt 37,8 Mio. t auf nunmehr 33,2 Mio. t. Im Vorjahr hatte Frankreich 36,6 Mio. t Weizen eingebracht. Die Terminbörse Euronext in Paris startete daraufhin am Freitagnachmittag eine Rallye der Mahlweizennotierungen. Unterstützt wurde diese durch einen infolge des deutschen Koalitionsstreits bis Montag auf unter 1,16 US-Dollar gefallenen Euro-Kurs, der sich ab Dienstag aber wieder über die 1,16er-Marke erholte. Der Kurs des Pariser September-Weizenkontrakts legte am Freitag um 4,50 Euro und am Montag nochmals um 1,75 Euro/t auf letztlich 180,25 Euro/t zu, der des für die neue Ernte aussagekräftigen Dezemberkontrakts ebenfalls um 4,50 Euro und um 1,75 Euro an diesen beiden Tagen auf 183,50 Euro/t. Den Dienstagshandel startete der Euronext-Weizen neuerlich mit weiteren leichten Kursgewinnen. In Summe legte der September-Liefertermin vom Schlusskurs des Donnerstags bis Dienstagmittag um 4,2% und der für den Dezember um 3,9% zu.
 

Weizen an der CBoT in Chicago schnellte am Freitag um 3,75% empor, gab diese Gewinne aber am Montag im Vorfeld des Independence Day fast zur Gänze wieder ab. An der CBoT findet am Dienstag und Mittwoch kein Handel statt und die Euronext bleibt in der Kursfindung auf sich alleine gestellt. Die Sojabohnen liebäugelten am Freitag an der CBoT wegen der ab 6. Juli zu erwarteten Strafzölle Chinas aus Lieferungen aus den USA mit einem Zehnjahrestief, auch die Maiskurse befinden sich in der Depression. Als Ursachen werden neben den Handelskonflikten ausgezeichnete Ertragserwartungen an die Herbsternte in den USA und größer als bisher angenommene Anbauflächen von Mais und Sojabohnen genannt, wobei die Bohne erstmalig den Mais in der Gunst der Farmer überholen soll. Der sonst dem Sojakomplex folgende Rapsfuture an der Euronext in Paris hängte sich wegen der schlechten Ernteaussichten in Europa jüngst von diesem ab und kratzt an der Marke von 360 Euro/t.
 

COPA-COGECA: Extremwetter lässt EU-Getreide- und Ölsaatenernte um 6% sinken
 

Der EU-Landwirte- und Genossenschaftsverband, COPA-COGECA, geht von einer 6% kleineren Getreide- und Ölsaatenproduktion 2018 in der EU aus. Die nach unten korrigierte Prognose begründet COPA-COGECA mit extremen Wetterbedingungen, die von anhaltender Trockenheit in einigen mittel- und nordeuropäischen Ländern - wie beispielsweise in Estland, Lettland, Litauen, Dänemark, Schweden, Polen, Deutschland und Finnland - bis hin zu Überschwemmungen auf der Iberischen Halbinsel, in Italien und Frankreich reichten.
 

Angespannte Preissituation bringt Landwirte von Weizenanbau ab
 

Die EU-Getreideernte sieht COPA-COGECA bei 273,6 Mio. t, was einem Rückgang von rund 6% im Vergleich zu 2017 entspricht. "Die Weichweizenfläche hat sich aufgrund der weiterhin angespannten Preissituation voraussichtlich um 2,2% verkleinert", gab Max Schulmann, Vorsitzender der COPA-COGECA-Arbeitsgruppe für Getreide, zu bedenken.
 

Für die EU-Ölsaatenproduktion erwartet COPA-COGECA einen Rückgang um 6% oder 2 Mio. t auf 31,5 Mio. t. Arnaud Rousseau, Vorsitzender der COPA-COGECA-Arbeitsgruppe für Ölsaaten, warnte vor einer Substitution pflanzlicher Biokraftstoffe aus der EU durch Palmöl und Biodieselimporte. "EU-Biokraftstoffe auf Pflanzenbasis, bei deren Erzeugung ein proteinreiches Futtermittel hervorgeht, müssen in der EU gefördert werden. Darüber hinaus fordern wir die EU-Kommission auf, den Ausgleichszoll auf Biodieselimporte aus Argentinien unverzüglich umzusetzen", unterstrich Rousseau.
 

Pflanzenschutzmittel-Verbot vergällt Eiweißpflanzenproduktion
 

Den Flächenrückgang bei Eiweißpflanzen um 5% oder rund 100.000 ha in der EU-28 gegenüber 2017 begründet COPA-COGECA mit dem Pflanzenschutzmittel-Verbot auf ökologischen Vorrangflächen. "Die Produktion von Eiweißpflanzen wird voraussichtlich um 1 Mio. t geringer ausfallen. Wir sind über das Verbot sehr enttäuscht", fügte Rousseau hinzu.
 

COPA-COGECA fordert eine Vorauszahlung der EU-Mittel für Landwirte, die mit extremen klimatischen Ereignissen zu kämpfen haben. "Die EU-Kommission muss den Landwirten helfen, sich über Wasser zu halten", so die Interessenvertretung. Die detaillierten Schätzungen für Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen stehen auf aiz.info als Download zur Verfügung.
 

IGC senkt Enrnteprognosen für 2017/18 und 18/19 - Lagerabbau setzt sich global fort
 

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London setzt in seinem Grain Market Report (GMR) für Juni die weltweiten Ernteprognosen von Weizen, Mais und Futtergetreide für das zu Ende gegangene 2017/18 sowie für 2018/19 hinunter. Die Revision für 2017/18 geht auf das Konto der schlechten zweiten Maisernte Brasiliens, die für 2018/19 um 12 Mio. t gegenüber dem Mai-Report wegen der Wetterkapriolen in Russland und der EU auf das der Weizen-, Mais- und Gerstenerträge. Obwohl der Rat auch den Verbrauch 2018/19 um 5 Mio. t zurücknimmt, erreicht er das dritte Jahr in Folge einen neuen Rekordwert von 2,131 Mrd. t (+1,4% menschliche Ernährung, +0,4% Verfütterung und +3,1% industrielle Verwertung). Dem steht eine zum zweiten Mal in Folge schrumpfende Produktion von 2,077 Mrd. t gegenüber - 2017/18 um 2% zum Rekordjahr 2016/17 und 2018/19 um 0,6%. In der Bilanz errechnen die Londoner Experten einen Bestandsabbau von 54 Mio. t auf 544 Mio. t oder 25,53% des Verbrauchs. Somit schmelzen 2018/19 auch die weltweiten Getreidereserven das zweite Jahr hintereinander ab, nachdem die Vorsaison insbesondere wegen Mais den ersten Lagerabbau seit fünf Jahren gebracht hat und das angelaufene Wirtschaftsjahr neben einem weiteren bei Mais (-44 Mio. t auf 23,08% des Verbrauchs) auch den ersten seit sechs Jahren beim Weizen (-6 Mio. t auf 34,45% des Konsums). Der Lagerabbau konzentriert sich mit 34 Mio. t der insgesamt 54 Mio. t auf die wichtigsten Exporteure.
 

Weizenernten Russlands und der EU deutlich zurückgenommen
 

Die weltweite Weizenernte 2018/19 fällt demnach mit 737 Mio. t um 21 Mio. t hinter den Vorjahresrekord zurück und wurde gegenüber Mai um 5 Mio. t nach unten revidiert. Die Prognose der Weichweizenernte 2018 revidiert der Rat gegenüber Mai für die EU von 140,2 Mio. t auf 138,4 Mio. t (2017: 141,8 Mio. t) nach unten und die für Russlands Weizenernte von 74,5 Mio. t auf 70,9 Mio. t (2017: 84,9 Mio. t). Weitere Senkungen nahm er für Australien und die Ukraine vor. Erhöht hat er sie für die USA von 46,5 Mio. t auf 48,2 Mio. t (2017: 47,4 Mio. t). Dennoch soll Russland mit 33,7 Mio. t in der angelaufenen Saison (Mai-Report: 37 Mio. t, 2017/18: 40,2 Mio. t) Weizenexport-Weltmeister bleiben. Die Ausfuhren der USA sollen sich von 24,5 Mio. t heuer auf 26 Mio. t steigern und die der EU von 20,5 Mio. t auf 23,8 Mio. t.
 

Sojawelthandel floriert trotz Handelskriegs - Handelsströme verschieben sich nur
 

Der Absturz der argentinischen Produktion führte 2017/18 zu einer im Jahresvergleich um 3% kleineren globalen Sojabohnenernte von 337 Mio. t, obwohl andere wichtige Produzenten wie Brasilien (118 Mio. t) Rekorde einfuhren. Der sechste Konsumzuwachs in Folge führte - wiederum vor allem bei den großen Exporteuren Argentinien und Brasilien - zu einem scharfen Abbau der Endbestände um 7 Mio. t auf 40 Mio. t. 2018/19 sagt der IGC eine Erholung der Bohnenproduktion auf 358 Mio. t voraus. Die Endlager sollen demnach aber nur um 1 Mio. t zunehmen, da auch der Verbrauch auf einen neuen Rekord steigen soll. Damit, so der Report, erreiche 2018/19 auch der Sojabohnenwelthandel allen Verunsicherungen durch die aktuellen Handelskonflikte zum Trotz einen neuen Spitzenwert von 156 Mio. t. Dafür zeichnet die Nachfrage in Asien verantwortlich. Der Handelskrieg zwischen den USA und China soll die Handelsströme auf der Welt lediglich verschieben. Profitieren davon dürfte Brasilien als größter Sojaexporteur mit 72,7 Mio. t Ausfuhren.
 

Zu einem Gutteil den Handelskonflikten, aber auch fundamentalen Faktoren wie ausgezeichneten Aussichten für die Reihenfruchternte der USA, schreibt der GMR ein Sinken des Globalen Getreide- und Ölsaaten-Preisindex (GOI) um 9,3% zum Mai-Report (+1,6% im Jahresabstand) zu. Das ist mehr als ein Fünfmonate-Tief. Dabei knickte der Subindex von Sojabohnen um 10,5% (+3,3% zum Vorjahr) ein, der von Mais um 12,3% (+8,6% zum Vorjahr) und der von Weizen um 9,0% (-3,4% zum Vorjahr). Gerste gab vergleichsweise moderat um 3,0% (+21,2% zum Vorjahr) nach.