Andüngung im Winterraps 2020

wissenswertes

Aufgrund des sehr milden Winterverlaufs (Stand 10.2.2020) haben sich die Rapsbestände sehr zufriedenstellend entwickelt und überwiegend eine gute Blattmasse aufgebaut. Durch die wüchsigen Bedingungen wurde bereits im Herbst von den Beständen viel Stickstoff (N) aufgenommen. Über den Winter gab es nur geringe Blattverluste. Daher können die Pflanzen nun, zu Vegetationsbeginn, diesen Stickstoff entsprechend ausnützen.

Die Ansprüche des Raps an den Boden, sind denen des Weizens ähnlich.

Die Ansprüche des Raps an den Boden, sind denen des Weizens ähnlich.

Winterraps ist eine Kultur, die sehr zeitig Stickstoff (N) und Schwefel (S) benötigt. Ab einer Bodentemperatur von 5° C in 5 cm Tiefe beginnt im Prinzip die Vegetation und gleichzeitig die Nährstoffaufnahme der Kulturpflanzen (insbesondere bei Raps). Aber nicht nur die Bodentemperatur ist für den Vegetationsbeginn ausschlaggebend, sehr wohl spielt jetzt auch die stetig steigende Tageslänge (aktuell + 3 Minuten/Tag) und die damit einhergehende Lichtenergie eine wesentliche Rolle. Diese Aspekte sollte man bei der zeitlichen Wahl der ersten Applikation berücksichtigen. Ein in den zeitigen Morgenstunden noch angefrorener und somit tragfähiger Boden bietet eine gute Voraussetzung für die flurschonende Ausbringung des Düngers. Es werden damit auch gröbere Schäden an der Bodenstruktur vermieden.

Düngeempfehlung bei Winterraps

Grundsätzlich muss die Bemessung der N-Düngung zu Vegetationsbeginn gezielt schlagbezogen sowie in Abhängigkeit der jeweiligen Pflanzenentwicklung erfolgen.

 

Gut entwickelte und üppige Bestände mit bereits 8 - 10 ausgebildeten Laubblättern (das entspricht einem Wurzelhalsdurchmesser von ca. 1 cm) haben schon beachtliche Mengen an N/ha über den Boden aufgenommen und sollten daher eher verhaltener mit etwa 60 – 70 kg N/ha angedüngt werden, um damit in erster Linie die Knospenbildung zu unterstützen. In diesen Fällen empfehlen wir die 2. Gabe zu favorisieren.

 

Bei schwächeren und dünnen Beständen mit etwa 8 oder weniger ausgebildeten Laubblättern sollte man die Startgabe erhöhen, um die Bildung von Blättern und Seitentrieben zu forcieren. Hier haben sich mind. 80 – 100 kg N/ha bewährt. Bei der ersten Düngungsmaßnahme in Raps ist N als Nitratform grundsätzlich am wirksamsten. Man sollte jedoch bei noch bestehender Bodenfrostgefahr die Dosierung von Nitrat-N auf max. 30 kg N je Gabe deckeln, um eventuelle Frostschäden (Aufplatzen der Stängel) zu vermeiden. Beim Einsatz von N-stabilisierten Düngern besteht seit 2014 rechtlich² die Möglichkeit, auch höhere Mengen als 100 kg N/ha in Form einer Einmalapplikation auszubringen, was eine Gabenteilung erübrigt.

Damit spart man sich eine zweite Überfahrt zum Streckungswachstum und es werden Arbeitsspitzen gebrochen. In N-stabilisierten Düngern wird die Umwandlung der N-Formen  Amid-Ammonium über Nitrit zu Nitrat N durch Urease- und Nitrifikationsinhibitoren zeitlich verzögert und so ist die applizierte Gabe vor Ammoniakemissionen und Verlusten geschützt. Damit liegt der eingebrachte Stickstoff über einen längeren Zeitraum in der nicht auswaschungsgefährdeten Ammoniumform im Boden vor und ist trotzdem pflanzenverfügbar. So wird auch der  Nitratauswaschung vorgebeugt. Darüber hinaus minimiert man das Risiko, dass aufgrund einer eventuell vorherrschenden Trockenheit die 2. Stickstoffgabe schlechter wirkt. Die gesamte Stickstoffmenge, die dabei dem Raps in Summe verabreicht wird, richtet sich nach dem angestrebten Ertragsziel
 

²Zum Schutz der Gewässer vor Stickstoffeintrag in Form von Nitrat ist rechtlich eine Teilung von N-Gaben in leicht löslicher Form größer 100 kg/ha vorgeschrieben. Zur bereits bestehenden Ausnahme (N-Gaben zu Hackfrüchten und Feldgemüse auf bindigen Böden mit zumindest 15 % Tonanteil) gilt nun die Neuregelung, dass auf Flächen unter 10 % Hangneigung eine Gabenteilung bei Verwendung stabilisierter N-Dünger nicht mehr erforderlich ist.
(Quelle: DI Josef Springer, Leitung Referat Bodenwirtschaft und Pflanzenernährung, Landwirtschaftskammer für NÖ)

Andüngung im Raps mit Schwefel

Ganz wichtig bei Raps ist auch die Versorgung mit Schwefel (S), da diese Kultur einen nennenswerten Bedarf von bis zu 60 kg/ha Jahr aufweist. Schwefel fördert die Effizienz und reguliert die N-Aufnahme der Pflanzen. Es ist empfehlenswert, dafür S in wasserlöslicher Sulfatform zu verwenden. Diese Nährstoffform finden Sie in allen gängigen N+S Düngern, wie beispielsweise im stabilisierten Entec/Ensin 26, SSA (schwefelsaures Ammoniak = Ammonsulfat), ASS (Ammonsulfatsalpeter) und DASA oder eventuell auch in PIAMON S und UREA S.


Darüber hinaus sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Bor geachtet werden. Über die Blattdüngung sollte den Beständen bis zur Knospenbildung 300 – 500 g Bor/ha zur Verfügung stehen.

Viele Versuchsvarianten in den letzten Jahren haben auch gezeigt, dass im Frühjahr die Zufuhr von frischem Phosphor und Kalium über eine NPK-Düngung, im Gegensatz zur alleinigen Stickstoffdüngung, Ertragszuwächse bringt. Speziell dann, wenn diese Grundnährstoffe nicht im vorangegangenem Herbst eingebracht wurden, oder der Boden generell unter einem Versorgungsmanko dieser Nährstoffe leidet.

 

 

Autor: RWA Abt. Düngemittel, Peter Kirchmayr

 

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