Landwirtschaft

Andüngung im Winterraps 2019

wissenswertes

Nach anfänglichen Problemen haben sich die Rapsbestände im Herbst 2018 allgemein doch noch zufriedenstellend entwickelt und überwiegend eine gute Blattmasse aufgebaut. Durch die wüchsigen Bedingungen wurde von den Beständen bereits im Herbst sehr viel Stickstoff (N) aufgenommen. Über den Winter gab es allgemein nur geringe Blattverluste und daher können die Pflanzen nun zu Vegetationsbeginn diesen Stickstoff auch entsprechend ausnützen.

Die Ansprüche des Raps an den Boden, sind denen des Weizens ähnlich.

Die Ansprüche des Raps an den Boden, sind denen des Weizens ähnlich.

Winterraps ist eine jener Kulturen, die schon sehr zeitig Stickstoff (N) und Schwefel (S) benötigt. Ab einer Bodentemperatur von 5° C in 5 cm Tiefe beginnt im Prinzip die Vegetation und gleichzeitig die Nährstoffaufnahme der Kulturpflanzen (insbesondere bei Raps). Aber nicht nur die Bodentemperatur ist für den Vegetationsbeginn ausschlaggebend. Sehr wohl spielt jetzt auch die stetig steigende Tageslänge (Stand 20. Februar 2019 + 3 Minuten/Tag) und die damit einhergehende Lichtenergie eine wesentliche Rolle. Diese Aspekte sollte man bei der zeitlichen Wahl der ersten Applikation berücksichtigen. Ein in den zeitigen Morgenstunden noch angefrorener und somit tragfähiger Boden bietet eine gute Voraussetzungen für die flurschonenden Ausbringung des Düngers und es werden damit auch gröbere Schäden an der Bodenstruktur vermieden.

Düngeempfehlung bei Winterraps:

Grundsätzlich muss die Bemessung der N-Düngung zu Vegetationsbeginn gezielt schlagbezogen sowie in Abhängigkeit der jeweiligen Pflanzenentwicklung erfolgen.

 

Gut entwickelte und üppige Bestände mit bereits 8 - 10 ausgebildeten Laubblättern (das entspricht einem Wurzelhalsdurchmesser von ca. 10 bis 12 mm) haben schon beachtliche Mengen an N/ha über den Boden aufgenommen und sollten daher verhaltener mit etwa 60 – 70 kg N/ha angedüngt werden. In diesen Fällen empfehlen wir die 2. Gabe zu favorisieren. Bei schwächeren und dünnen Beständen mit etwa 8 ausgebildeten Laubblättern oder weniger sollte man die Startgabe erhöhen. Hier haben sich mind. 80 – 100 kg N/ha bewährt.

 

Bei der ersten Düngungsmaßnahme in Raps ist N als Nitratform grundsätzlich  am wirksamsten doch sollte man bei noch bestehender Bodenfrostgefahr die Dosierung von Nitrat-N auf max. 30 kg N je Gabe deckeln um damit eventuelle Frostschäden (Gefahr des aufplatzen der Stängel) zu vermeiden.

 

Beim Einsatz von N-stabilisierten Düngern besteht seit 2014 rechtlich1 die Möglichkeit, grundsätzlich auch höhere Mengen als 100 kg N/ha in Form einer Einmalapplikation auszubringen was eine Gabenteilung erübrigt. Damit spart man sich eine zweite Überfahrt zum Streckungswachstum und es werden auch Arbeitsspitzen gebrochen. In N-stabilisierten Düngern wird die Umwandlung der N-Formen  Amid-Ammonium über Nitrit zu Nitrat N durch Urease- und Nitrifikationsinhibitoren zeitlich verzögert und so ist die applizierte Gabe vor Ammoniakemissionen und Verlusten geschützt. Damit liegt der eingebrachte Stickstoff über einen längeren Zeitraum in der nicht auswaschungsgefährdeten Ammoniumform im Boden vor und ist trotzdem pflanzenverfügbar. So wird auch der  Nitratauswaschung vorgebeugt. Darüber hinaus minimiert man das Risiko, dass aufgrund einer eventuell vorherrschenden Trockenheit die zweite Stickstoffgabe schlechter wirkt. Die gesamte Stickstoffmenge, die dabei dem Raps in Summe verabreicht wird, richtet sich nach dem angestrebten Ertragsziel.

 

1Zum Schutz der Gewässer vor Stickstoffeintrag in Form von Nitrat ist rechtlich eine Teilung von N-Gaben in leicht löslicher Form größer 100 kg/ha vorgeschrieben. Zur bereits bestehenden Ausnahme (N-Gaben zu Hackfrüchten und Feldgemüse auf bindigen Böden mit zumindest 15 % Tonanteil) gilt nun die Neuregelung, dass auf Flächen unter 10 % Hangneigung eine Gabenteilung bei Verwendung stabilisierter N-Dünger nicht mehr erforderlich ist.
(Quelle: DI Josef Springer, Leitung Referat Bodenwirtschaft und Pflanzenernährung, Landwirtschaftskammer für NÖ)

Andüngung im Raps mit Schwefel

Ganz wichtig bei Raps ist jedenfalls auch die Versorgung mit Schwefel (S), da diese Kultur einen nennenswerten Bedarf von bis zu 60 kg/ha Jahr aufweist. Es ist empfehlenswert, dafür S in wasserlöslicher Sulfatform zu verwenden. Diese Nährstoffform finden Sie in allen gängigen N+S Düngern wie beispielsweise im stabilisierten Entec/Ensin 26, SSA (schwefelsaures Ammoniak = Ammonsulfat), ASS (Ammonsulfatsalpeter) und DASA oder eventuell auch in PIAMON S.

Darüber hinaus sollte auch auf eine ausreichende Versorgung mit Bor geachtet werden – über die Blattdüngung sollten den Beständen bis zur Knospenbildung 300 – 500 Gramm Bor/ha zur Verfügung stehen.

Viele Versuchsvarianten in den letzten Jahren haben auch gezeigt, dass im Frühjahr die Zufuhr von frischem Phosphor und Kalium über eine NPK-Düngung im Gegensatz zur alleinigen Stickstoffdüngung Ertragszuwächse bringt speziell auch dann, wenn diese Grundnährstoffe nicht im vorangegangenem Herbst eingebracht wurden oder der Boden generell unter einem Versorgungsmanko dieser Nährstoffe leidet.

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Autor: RWA Abt. Düngemittel, Peter Kirchmayr