Kunststoffe im Agrarbereich nachhaltig anwenden

wissenswertes

Schon jetzt (Stand März 2020) leisten Hersteller, Handel, Landwirte und Lohnunternehmer einen wichtigen Beitrag, die Kunststoffmengen im Agrarbereich gering zu halten. Die Zukunft wird in einer weiteren Intensivierung verschiedener Maßnahmen und vor allem in deren Kombination liegen.

Silageballen

Silageballen

Kunststoffe finden wir in nahezu allen Lebensbereichen. Gerade solche, die nach kurzer Verwendung schon wieder zu entsorgen sind, rücken besonders ins Rampenlicht. Wie kann man den Kunststoffmüll, vor allem im Verpackungsbereich, verringern?

 

Auch bei Agrar-Kunststoffen wie Silofolie, Stretchfolie, Rundballennetz und Bindegarn stellen sich die Hersteller sowie der Handel schon seit vielen Jahren die Frage, wie Sie Kunststoffe in der Landwirtschaft nachhaltig anwenden bzw. reduzieren können.

Folie erhält Grundfutter-Qualität

Man könnte auf den Einsatz des Kunststoffproduktes verzichten. Für Agrar-Kunststoffe würde das heißen, bei der Haltbarmachung von Grundfutter auf die altbewährte Trocknung zurückzugreifen. Das Heu und Stroh wieder lose zu manipulieren und zu lagern, statt zu silieren oder Rund- oder Quaderballen zu binden.

 

Silieren bietet jedoch den Vorteil wetterunabhängiger, flexibler und mit weniger Verlusten das Grünfutter ernten und in Folge konservieren zu können. Nicht umsonst hat sich dieses Verfahren in den letzten Jahrzehnten etabliert. Für die Sauerstoffabdichtung gibt es noch keine ernstzunehmende Alternative zu Folien. Der Einsatz von Kunststoff in Form von Silofolie, Stretchfolie und Mantelfolie oder Rundballennetz ist derzeit noch unerlässlich, wenn hochqualitatives Grundfutter erhalten werden soll.

Kunststoffmüll einsparen

Schon seit vielen Jahren beschäftigen sich Hersteller und Händler von Agrarfolien, -netzen und -garnen damit, Material einzusparen. Höhere Rohstoffqualitäten und speziell entwickelte Produktionsverfahren machen es möglich, Silofolien, Stretchfolien, Rundballennetze und Bindegarn mit einem geringeren Materialeinsatz zu produzieren. Das Material wird somit dünner. Dabei wird nicht auf hohe Qualitäten bei Sauerstoffdichtheit, Durchstoßfestigkeit, Reißfestigkeit und Reißdehnung verzichtet.  Produktbeispiele mit den Vorteilen sowie Qualitätsmerkmalen zeigt die folgende Tabelle.

 

Dünne Folien - hohe Qualität
Produkt Vorteil  Qualität
Silofolie impos  110 μm –
ein Viertel weniger Material
Vergleichbar mit 150μm
Rundballennetz
innoplast extrem
3.600 lfm/Rolle bei
gleichem Rollengewicht wie
übliche 3.000 lfm-Rollen
> 20% mehr Leistung bei gleichem Materialeinsatz
Extrem hohe Reißfestigkeit,
Top-Qualität bei mehr
Laufmeter/Rolle, top
Breitlaufverhalten 
Stretchfolie Bolax 100 Laufmeter/Rolle mehr  Top-Qualität bei mehr
Laufmeter/Rolle
Stretchfolie
Tenospin
25 μ und 1.700 lfm
(Contractor Wrap)
> 200 lfm mehr pro Rolle
 Premium Stretchfolie mit mehr
Laufmeter pro Rolle und weniger
Verpackungsmaterial
Stretchfolie
Tenoplus RS
21μ und 1.900 oder 2.400 lfm
(Contractor Wrap)
Stärkenoptimierte Stretchfolie
durch spezielles Produktionsverfahren
bessere Qualitätseigenschaften
als klassische 25μ
1.500 lfm Qualitätsstretchfolie 
Stretchfolie
Tenoplus R
19 μ und 2.100 oder 2.600 lfm
(Contractor Wrap)
Stärkenoptimierte Stretchfolie
durch spezielles Produktionsverfahren
bessere Qualitätseigenschaften
als klassische 25μ 1.500
lfm Qualitätsstretchfolie
Bindegarn
TEWE Ultimax
Lauflänge eines 150er
Garns – 30 % mehr Lauflänge
bei gleicher Qualität
(130er Garn)
Qualität eines 130er
Qualitäts-Garns, Unerreichte
Knotenleistung

 

Vorsicht ist geboten bei Produkten, die mit gleicher Rohstoffqualität und Technologie produziert werden, aber einfach „nur dünner“ sind. Hier sind Qualitätseinbußen unumgänglich. Neben dem eingesparten Material/Ballen wird auch das Verpackungsmaterial reduziert. Je mehr zusätzliche Laufmeter des Produktes je Verpackungseinheit produziert werden kann, desto mehr Verpackungsmaterial (Rollenkern, Kartonumverpackung bei Stretchfolie, Folienumverpackung bei Silofolie, Rundballennetz oder Bindegarn) kann pro Laufmeter eingespart werden. Auch bei den Karton-Verpackungen kann gespart werden, wenn die Folien nur mit einer Palettenverpackung geliefert werden.

Verpackung sparen

Es gibt seit einigen Jahren die Möglichkeit, Stretchfolien ohne Karton je Rolle und nur mit einer Palettenverpackung zu beziehen (z.B. ContractorWrap). Dadurch können Kartonagen eingespart werden. Gleichzeitig werden noch mehr Meter Folie auf die Rolle gebracht.

Folien recyclen: Aus alt macht neu

Auch recyceln hilft Kunststoffmüll zu verringern. Schon viele Jahre beschäftigen sich Hersteller damit, Kunststoffe bestmöglich aufzubereiten und in Anteilen wieder in die Produktion mit einzubringen. Gebrauchte Folien werden retourgenommen. Eine neue Silofolie besteht dann  zu 50 % aus recyceltem Kunststoff. Dabei muss man keine Kompromisse bei der Qualität eingehen. Die Voraussetzung dafür sind beste Recyclingstraßen mit einer kontinuierlichen Qualitätsüberwachung sowie das verwendete Material. Für den Wiedereinsatz von Folien ist es wichtig, dass sie in möglichst reiner Form sowie Qualität vorliegen. Anteile von Polyamid oder EVOH führen zu Problemen in diesen Recyclingprozessen.

Abbaubar statt synthetisch

Das Ersetzen von Kunststofffolien durch abbaubare Materialien ist noch nicht ausgereift. Echte Alternativen, hergestellt aus biologischen Rohstoffen und vollständig biologisch abbaubar, gibt es derzeit nur im Gartenbau (z.B. bei Mulchfolien). Im Silage- und Pressenbereich sind die technischen Anforderungen, wie Sauerstoffdichtheit, Säurebeständigkeit, Reißfestigkeit usw., für eine echte biologische Alternative noch zu hoch. Im Bereich von Stretchfolie gibt es bereits Produkte, die auf biologische Rohstoffe zurückgreifen, aber noch nicht biologisch abbaubar sind.

 

Durch eine gute Abstimmung zwischen allen Beteiligten kann gemeinsam das Anfallen von Kunststoffabfällen in der Landwirtschaft auf das nötige Maß reduziert werden. Die Intensivierung und Kombination der genannten verschiedenen Maßnahmen gewinnt dabei immer mehr an Bedeutung.

 

Autorin: DI Nina Mairunteregg, RWA

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