Andüngung Wintergetreide 2018

Gebietsweise hohe Niederschlagsmengen mit daraus resultierender Staunässe, aber auch die starken Kahlfröste Ende Februar, haben den Getreidebeständen vielerorts stark zugesetzt.

Hinsichtlich der Nmin-Werte im Boden haben beispielsweise in Niederösterreich verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass durchschnittliche Nmin-Gehalte im Verhältnis ca. 40 % Bodenhorizont 30 – 60 cm und ca. 45 % Bodenhorizont 60 – 90 cm zu finden sind. Es gibt auch Gebiete, wo überhaupt keine nennenswerten Mengen an Nmin gefunden wurden (Quelle: DI Springer LWK für NÖ). In OÖ wird allgemein von eher niedrigen Nmin-Probewerten berichtet. Die allgemein hohen Niederschlagsmengen haben sicherlich dazu beigetragen, dass ein Teil der im Boden frei gesetzten Nährstoffe in tiefere Bodenschichten verlagert wurde und somit den Pflanzen zu Vegetationsbeginn nicht zur Verfügung stehen. Diese Faktoren müssen in Summe bei der Bemessung zur Andüngung von Wintergetreide miteinbezogen werden.
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© RWA

Bringen Sie die erste Gabe bei möglichst guter Befahrbarkeit der Böden aus

Generell spricht man vom Beginn der Vegetation ab konstant 5° C in etwa 5 cm Bodentiefe. Ab diesem Zeitpunkt sind die Kulturpflanzen in der Lage, die ertragswirksamen Nährstoffe aufzunehmen. Doch auch die Lichtenergie bzw. Tageslänge spielt eine wesentliche Rolle und hat somit Einfluss auf den tatsächlichen Vegetationsbeginn. So ist es Anfang März bereits über 2 Stunden länger hell als vergleichsweise Anfang Februar.

Wintergerste

Die Wintergerstenbestände sind derzeit (Stand: März 2018), wie Eingangs schon erwähnt, je nach Region als unterschiedlich gut entwickelt einzustufen. In bestimmten Gebieten weisen Gelbverfärbungen der Bestände auf schlechte Anbaubedingungen im vergangenen Herbst, (Säure und Verdichtungsschäden, schlechte Bodendurchlüftung) einhergehend mit unzureichender Stickstoffaufnahme, hin.

Prinzipiell sollten 2-zeilige Wintergerstensorten höher als mehrzeilige Sorten angedüngt werden. Bei den 2-zeiligen Sorten wird der Ertrag über die Ährenzahl pro m² gebildet. Die Pflanzen müssen daher in der Bestockungsphase mit ausreichend Nährstoff versorgt werden, um damit auch die Triebzahl abzusichern.

Je nach Entwicklungszustand, Vorfrucht und N-Nachlieferungsvermögen des Standortes empfehlen wir daher hinsichtlich der Andüngung zu Vegetationsbeginn von 2-zeiligen Wintergerstensorten ca. 60 – 70 kg N/ha während sich bei mehrzeiligen Sorten ca. 40 – 60 kg N/ha bewährt haben. Bei Hybridgerste liegt die Empfehlung für die Andüngung bei etwa 30 – 50 kg N/ha.

Winterweizen

Die Entwicklung bei Winterweizen ist jener von Wintergerste ähnlich. Die Startgabe dient in erster Linie zur Regeneration der Bestände nach den Wintermonaten und ist wichtig für das Abschließen der Bestockung. Die nachfolgenden Gaben zum Schossen und Ährenschieben haben hingegen maßgeblichen Einfluss auf Ertrag und Qualität. Die Bemessung der Startdüngung richtet sich nach dem aktuellen Entwicklungszustand der Kultur und der Vorfrucht. Speziell bei N-zehrenden Vorfrüchten wie Körnermais, Rübe oder Sonnenblume sollte die Andüngung zu Vegetationsbeginn betonter ausfallen als vergleichsweise bei stickstoffliefernden Vorfrüchten wie Raps, Soja, Erbsen oder Ackerbohne. Ebenso sollten verschlämmte Böden mit niedrigem Humus- und pH-Wert betonter angedüngt werden. Die Empfehlung zur Startdüngung liegt daher - unter Berücksichtigung der oben erwähnten Vorfruchtparameter - bei etwa 40 – 60 kg N/ha.

Grundsätzlich sollte die Höhe der Startdüngung so bemessen werden, dass für die wichtigen Termine der Schossdüngung und der Gabe zum Ährenschieben noch ausreichend Stickstoff zur Verfügung steht. Es gilt die Devise „nachlegen kann man immer noch - wegtragen hingegen nicht“.

Phosphor, Kalium und Schwefel

Grundsätzlich gilt im Ackerbau mittel- bis langfristig das Ziel die Böden hinsichtlich der Anreicherung von Phosphor und Kalium auf die Versorgungsstufe „C“ einzustellen und die Nährstoffversorgung über die Entzugsdüngung auf diesem Niveau sicher zu stellen. Einsparungen der genannten Nährstoffe haben ein drohendes Abrutschen in die Versorgungsstufe „B“ oder vielleicht sogar „A“ zur Folge und machen folglich ein ertragstechnisch quantitativ und qualitativ gutes Ernteergebnis kaum möglich. Der erforderliche finanzielle Aufwand, um wieder in den optimalen Versorgungszustand „C“ zurückzukehren, übersteigt das kurzfristig ermöglichte Einsparungspotential bei Weitem!

Nach dem Winter sind die Böden allgemein noch kalt und das Nachlieferungsvermögen der Nährstoffe ist generell eingeschränkt. Man sollte daher auf eine ausreichende Versorgung mit „frischem“ Phosphor und Kalium achten und es ist empfehlenswert, diese Nährstoffe über die Grunddüngung mit den ersten Düngeterminen auszubringen. Die zugeführten Nährstoffe bringen ganz klar Mehrerträge und sind umso höher, je schwächer die Bodenversorgung ist. Auch auf den Nährstoff Schwefel (S) darf nicht vergessen werden, was speziell in niederschlagsreichen Hochertragslagen und für leichter austragungsgefährdete Standorte gilt. Schwefel ist vergleichbar mit Nitrat N. Auch dieser ist im Boden beweglich und unterliegt somit der Auswaschung, was eine Depotdüngung unmöglich macht. Bei einer ausreichenden Schwefelversorgung wird gleichzeitig sichergestellt, dass die Getreidepflanzen den Stickstoff N auch optimal verwerten und aufnehmen können; ein Mangel an Nährstoff S führt zu einer schlechten N-Ausnutzung. Fast alle gängigen NPK-Dünger, aber auch N + S Dünger enthalten wasserlöslichen Sulfatschwefel als Begleitnährstoff. In Kombination mit der Frühjahresdüngung ausgebracht wird somit der S-Bedarf in Getreide von ca. 20 - 30 kg S/ha locker abgedeckt. Auf Standorten, die darüber hinaus auch schwach mit Magnesium versorgt sind, bietet sich Kieserit als eine zielführende S + Mg Düngermaßnahme an. Die rechtzeitige Zufuhr dieser wichtigen Nährstoffe über die Andüngung ist sicher kostengünstiger und effizienter als diese im weiteren Vegetationsverlauf, bei schon deutlich sichtbaren und latenten Mangelerscheinungen, über einer Blattdüngung auszugleichen zu müssen.

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Autor:
Peter Kirchmayr, Düngemittel, RWA