Zuchtrinderexporte lagen 2017 stabil auf hohem Niveau

71% der ausgeführten Tiere wurden in Drittländern verkauft.

Wien, 1. März 2018 (aiz.info). - Die österreichischen Zuchtrinderexporte erreichten im Jahr 2017 einen Wert von rund 70 Mio. Euro, was einem Anteil an den gesamten Agrarexporten von 0,7% entspricht. Mengenmäßig konnten sie um 8,1% auf insgesamt 34.500 Tiere zulegen. Dies ist die vierte Steigerung in Folge seit 2014 und auch das drittbeste Exportergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen, teilt die Rinderzucht Austria (ZAR) mit. Der bisherige Rekordwert liegt bei 37.000 exportierten Tieren im Jahr 2012. Das gute Ergebnis ist unter anderem einem sehr starken 2. Halbjahr 2017 zu verdanken, in dem die Verkäufe nochmals zulegen konnten. Diese Ausfuhren stellen auch ein wichtiges Einkommen für die österreichischen Rinderzüchter dar.
 

Der überwiegende Teil der exportierten Zuchtrinder (71%) wurde in Drittländern verkauft, 29% wurden in Länder der Europäischen Union geliefert. Für den Export angekauft wurden die Tiere jeweils zur Hälfte über Versteigerungen (52%) beziehungsweise direkt auf den Betrieben (48%).
 

Türkei: Nr. 1 bei Preis und Absatz
 

In den vergangenen acht Jahren teilten sich die Absatzmärkte Türkei, Italien und Algerien die ersten drei Plätze bei den österreichischen Zuchtrinderlieferungen, wobei die Türkei in den vergangenen drei Jahren mit Abstand führte. Wurden 2013 noch 18% aller Tiere in die Türkei geliefert, so waren es im Jahr 2017 mit 17.500 exportierten Rindern bereits mehr als die Hälfte (50,7%). Dahinter folgten Italien mit 6.600 Stück (19%) und Aserbaidschan mit 1.600 Tieren (5%). Wer für den Türkeiexport taugliche Zuchtrinder zur Verfügung hat, darf sich auch über die derzeit höchsten Durchschnittspreise freuen. Zwar sind diese bei den letzten Absatzveranstaltungen leicht zurückgegangen, sie liegen aber immer noch deutlich über dem Preisniveau anderer Exportmärkte. So konnten 17.000 Fleckvieh-Tiere (59%) alleine in die Türkei exportiert werden.
 

Langfristige Partnerschaft geplant
 

ZAR-Obmann Stefan Lindner und Geschäftsführer Martin Stegfellner hatten im September des Vorjahres die Gelegenheit, mit dem türkischen Minister für Landwirtschaft, Ahmet Esref Fakibada, über eine intensivere Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Österreich zu sprechen sowie über Veterinärzertifikate und die Anhebung des Erstbesamungsalters auf 25 Monate zu diskutieren. Die aktuellen politischen Spannungen zwischen der EU und der Türkei machen die Behandlung dieser Fragen zunehmend schwieriger. Die ZAR arbeitet seit Jahren eng mit den türkischen Partnerorganisationen CBAT und TIGEM zusammen. Erst Anfang Jänner 2018 wurde diese Zusammenarbeit durch ein gemeinsames Projekt mit der Gewinnung von Rindersamen an der Besamungsstation von TIGEM in Malatya in der Osttürkei vertraglich besiegelt, mit dem Ziel, eine langfristige Partnerschaft in dieser Region aufzubauen. Die Genetic Austria stellt elf Zuchtstiere für diese Besamungsstation zur Verfügung.
 

Starkes Ergebnis trotz Sperrgebiete
 

Das Jahr 2017 war aber auch gekennzeichnet von BTV-4-Sperrgebieten in Teilen des Burgenlands, der Südoststeiermark und dem gesamten Bundesland Kärnten. Durch das Auftreten der Blauzungenkrankheit im November 2015 wurden Teile des österreichischen Staatsgebietes zur Sperrzone erklärt, und damit blieb der Zugang zu attraktiven Märkten im Ausland verwehrt. In Bezug auf Tierseuchen blieb Österreich weitgehend verschont. Erst Anfang dieses Jahres wurden alle BTV-4-Sperrzonen bis auf das Bundesland Kärnten aufgehoben. Eine Aufhebung in Kärnten kann frühestens nach Ablauf der Zweijahresfrist des letztmaligen Auftretens der Blauzungenkankheit im Dezember dieses Jahres erfolgen.
 

Internationale Märkte im Fokus
 

Im Jahr 2017 konnten mithilfe eines eigens für diesen Bereich vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus zur Verfügung gestellten Budgets wieder zahlreiche Märkte bearbeitet und internationale Landwirtschaftsmessen auch teilweise mit Zuchtrindern beschickt werden. So waren die österreichischen Verbände unter der Marke Rinderzucht Austria in zahlreichen Ländern auf insgesamt 15 Messen vertreten, unter anderem in Italien, Marokko, Deutschland, Frankreich, Kroatien, Ukraine, Algerien, Rumänien, Russland und in der Schweiz. Im November beteiligte man sich auch an einer Messe in den Vereinigten Arabischen Emiraten, um Kontakte zu Investoren aufzubauen.
 

Heuer ist laut ZAR unter anderem geplant, am russischen Markt die bestehenden Kontakte auszubauen sowie auf diversen Messen und auch auf einem Austrian Showcase Mitte Mai in Moskau mitzuwirken. Initiativen in diese Richtung fanden auch im Dezember im Rahmen einer Wirtschaftsmission nach Turkmenistan statt.