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Schützt den bäuerlichen Familienbetrieb! (Bauer Rudis Blog)

Nachricht vom 21.02.2020

Neben Bienen, Insekten, Böden und Wäldern stirbt auch eine ganz besondere Spezies unseres Ökosystems: der bäuerliche Familienbetrieb.

Experten befürchten damit das Kollabieren ganzer Ökosysteme, wie von entlegenen ländlichen Räumen in Kärnten, Teilen der Tourismusindustrie; sie erwarten eine Explosion von Pflegekosten, da ältere Landbewohner zunehmend in Pflegeheime abgeschoben werden und befürchten einen zunehmenden Mangel an engagierten und dienstleistungsorientierten Arbeitnehmern, die aus der Peripherie in die Städte  pendeln. Das Gesicht des Landes dürfte verarmen, nicht nur weil eine vielfältige und gegliederte Kulturlandschaft monotonen Aufforstungen weicht, das traditionelle Handwerkswissen um regionstypische Spezialitäten verlernt wird sondern auch Geschichten und Bräuche ebenso wie Dialekte vergessen werden.

Um diesen Verlust einigermaßen wett zu machen, empfehlen Experten den Besuch des Werner Berg Museums in Bleiburg, wo in Holzschnitten und Bildern die kantigen  Gesichter einstiger Dorfbewohner und bäuerlicher Menschen nochmals ausgestellt werden  oder das Lesen von sozialkritischen Romanen, wie jenen des englischen Schriftstellers John Berger mit dem Titel „SauErde - Geschichten vom Lande“, 1982. John Berger hat sich in einem französischen Alpendorf nieder gelassen und die bäuerliche Lebensform als Gegenpol zur urbanen Massengesellschaft entdeckt.

In diesen Tagen erregte eine Studie der deutschen DZ-Bank Aufsehen. Der Strukturwandel in unserem großen Nachbarland dürfte sich beschleunigen. Neben wirtschaftlichem Druck und bürokratischen Auflagen geht die bäuerliche „Boomer-Generation“ in Pension und es folgen die geburtenschwachen Jahrgänge. Wenige und eh keine Lust mehr, das wird dem bäuerlichen Familienbetrieb zu viel. Bis 2040 sollen laut Studie von 275.000 Betrieben in Deutschland nur mehr 100.000 übrig bleiben und  die Durchschnittsfläche je Betrieb von ca. 60 auf 160 Hektar steigen. (Quelle: Ernährungsdienst vom 21.2.2020)

Was ist zu tun? Die Gestaltungskraft der Politik ist gefordert, die „Merkel´sche Formel von Alternativlosigkeit in Wirtschaft und Politik“  gehört zum Zitatenschatz einer untergehenden Epoche.

Jetzt wird wieder, politisch gesehen, in die Hände gespuckt. Vielfalt, Vielseitigkeit und Buntheit sind Trumpf in biologischen und wirtschaftlichen Ökosystemen. Sie steigern Sicherheit, mindern Risiko und heben Qualität und Lebenslust, das sollte zumindest der Weg einer österreichischen Agrarpolitik sein.

Konkret heißt das:

  • Forderung eines qualifizierten Außenschutzes der EU in Bezug auf Lebensmittel
  • Umbau des Agrar-Ausgleichszahlungssystems, weg von  stufenloser Flächenförderung, allenfalls unter Berücksichtigung von Arbeitsplatzpotentialen
  • Verstärkte Ausrichtung nach Nachhaltigkeits- und Ökozielen, um die Akzeptanz regionaler Wirtschaftsweise in der Bevölkerung abzusichern.

Ein gutes Beispiel dafür ist das „Kalb Rose´“ der BVG Kärntner Fleisch, die mit dem Programm Fleisch in Wert setzt und unnötige Kälberexporte nach Spanien reduziert

  • Förderung von Klein- und Mittelbetrieben, besonders solcher, die die Nahversorgung im ländlichen Raum sicher stellen
  • Förderung von Handelsalternativen zum Oligopol des Lebensmittelhandels in Österreich, wo drei Ketten 90% des Marktanteils generieren; beispielsweise durch den Ausbau der Milch & Käsemärkte, wo man auch Produkte, die nicht flächendeckend in den  Regalen der Lebensmittelketten liegen, verkosten kann
  • Verbot von Aktionswerbung mit Preisen von Lebensmitteln, die unter dem Einstandspreis durchschnittlicher bäuerlicher Lieferanten liegen
  • Verpflichtender Einsatz eines Anteils regionaler Lebensmittel in Großküchen und  öffentlichen Institutionen
  • Bessere Kennzeichnung heimischer Lebensmittel und Überlegungen für ein Österreich weites Gesundheitssiegel

Das wär mal ein Anfang, meint Bauer Rudi!